Das Hauptgebäude bleibt bestehen, der Sanitärtrakt muss weichen

Gebäude am Füssener Mittersee wird zum Teil abgerissen

Umkleidekanine Mitterseebad Füssen
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Der baufällige ehemalige Sanitärtrakt am Mittersee soll zusammen mit den direkt anschließenden Kabinen abgerissen und renaturiert werden. Das Hauptgebäude und wesentliche Teile des Kabinentraktes bleiben vorerst stehen.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Abreißen oder sanieren? Wohl kaum ein Thema hat in den vergangenen Jahren regelmäßig für so viel Diskussionsstoff gesorgt wie die Zukunft des historischen Gebäudekomplexes am Mittersee. Nun hat der Stadtrat am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen eine Entscheidung gefällt und sich auf einen Kompromiss geeinigt: Wie Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) am Donnerstagmorgen mitteilte, soll das Hauptgebäude und zwei Kabinentrakte bestehen bleiben. Abgerissen werden hingegen die baufälligen ehemaligen Sanitäranlagen und die direkt angrenzenden Kabinen. Verpachtet werden soll der Kiosk heuer nicht.

Grundlage der Entscheidung vom Dienstagabend ist offenbar eine nun vorliegende Beurteilung des Münchner Landesamtes für Denkmalpflege (LfD), das zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es sich bei dem im Stil der 1920er Jahre gebauten Gebäudetrakt um kein Denkmal handelt. Somit kann der baufällige und einsturzgefährdete Teil des Gebäudes mit den Sanitäranlagen und die unmittelbar daran anschließenden Kabinen abgerissen werden. Die Fläche soll mit der Umgestaltung zu einer Badestelle im Juli renaturiert und „im Einklang mit der Natur“ gestaltet werden. „Hauptgebäude, erster Kabinentrakt links mit 20 Kabinen sowie der zweiter Kabinentrakt rechts mit zirka 15 Kabinen bleiben vorerst so bestehen, wie vorhanden“, erklärte Eichstetter.

Vom Tisch ist damit eine Komplettsanierung des Gebäudekomplexes. Diese hätte die Stadt nach Angaben des Bürgermeisters rund 440.000 Euro gekostet. Die jetzt gefundene Lösung sei ein Kompromiss aus dem wirtschaftlichsten Ergebnis und dem Erhalt der Historie, so der Rathauschef. Wie teuer der Abriss des Sanitärtakts wird, werde sich in den kommenden Tagen zeigen, erklärte er auf Nachfrage des Kreisboten.

Kiosk wird heuer nicht betrieben

Der Beschluss des Stadtrates bedeutet allerdings auch, dass der Kiosk in dieser Saison nicht verpachtet und somit auch nicht geöffnet werden wird. Eine Verpachtung sei zwar grundsätzlich – etwa über das Erbbaurecht - möglich gewesen. Allerdings entstehe durch einen geöffneten Kiosk im Mitterseebad zwangsläufig eine Konkurrenz sowohl zum Obeerseebad als auch zur nahegelegenen „Waldwirtschaft“. Deshalb habe sich der Stadtrat dagegen entschieden. Bedenken, dass es durch den Abriss der Sanitäranlagen zu Engpässen kommen könnte, tritt Eichstetter entgegen und verweist auf die drei öffentliche Toilettenanlagen im Umkreis von nur 200 Metern.

An dem Prozess, der zur jetzt gefällten Entscheidung geführt habe, seien die „Mittersee Damen“ und die IG Bad Faulenbach beteiligt gewesen, betonte Eichstetter gegenüber unserer Zeitung. Vor allem die „Mittersee Damen“ setzen sich seit Jahren für den Erhalt des historischen Naturfreibades ein. „Die Mittersee Damen freuen sich über den Erhalt des Hauptgebäudetrakt mit den angrenzenden Kabinen“, so der Bürgermeister.

Wie es nach dieser Badesaison am Mittersee weitergehen wird und ob das Bad in Zukunft noch einmal verpachtet wird, ist derzeit unklar. „Eine Entscheidung, wie die Nutzung und das weitere Vorgehen zu einer eventuellen Verpachtung ist, wird nach den nächsten Saisonen und Nutzer-Erfahrungen mit dem neu gestalteten Bereich des Mitterseegeländes eruiert“, kündigte Eichstetter an.

Wie bereits mehrfach im Kreisboten ausführlich berichtet, soll der Mittersee künftig ein Teil des Kneipp-Konzeptes werden und wird deshalb vom Bad zur Badestelle zurück gebaut. Als „Park der inneren Ordnung“ soll er einen Beitrag zur Kneipp’schen Säule der Ordnungstherapie leisten. So sollen dort künftig vor allem Ruhe, Rückzug, Reflexion und Inspiration herrschen. Der Zugang wird frei sein. Allerdings soll eine Umzäunung dafür sorgen, dass jedem bewusst wird, dass er ein besonderes Areal betritt. Auch die Zugangsstellen zum See werden sich im wesentlichen nicht verändern. Die erforderlichen Umbauarbeiten auf dem Außengelände sollen nach Angaben der Stadtverwaltung im Mai beginnen.

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