Das Außerfern und Ostallgäu appellieren an die Vernunft der Motorradfahrer

Schilder gegen den Motorradlärm

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Appellieren am Fuße des Jochpasses an die Biker, leise zu fahren: Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz (v.l.), Leiter der Polizeiinspektion Sonthofen Armin Hölzler, Landrat Anton Klotz, Felix Fleischhauer (LK Oberallgäu), Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel (Bad Hindelang), Hans Soul von der Stadt Sonthofen, Bürgermeister Martin Schädle (Grän) und Bürgermeister Martin Beckel (Oberstaufen).

Weißenbach/Sonthofen – Gegen den Lärm, den Motorradfahrer verursachen, wollen jetzt das Außerfern und Oberallgäu verstärkt vorgehen. Zu mehr Rücksichtnahme sollen neue „Bitte-leise-fahren”-Tafeln aufrufen. 

Daneben verordnete das Land Tirol weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote an den beliebten Motorradstrecken im Außerfern. Das Bezirkspolizeikommando Reutte erarbeitete zudem ein spezielles Überwachungskonzept, wie die Regionalentwicklung Außerfern (REA) jetzt bekannt gibt. Bei den ersten Schwerpunktkontrollen hagelte es 365 Anzeigen gegen Motorradfahrer. 2017 brachten es die Biker allein im Außerfern auf rund 5000 Verkehrsdelikte. 

Ob Jochpass oder Riedbergpass, auch im Oberallgäu mehren sich die Beschwerden der Anwohner. Die lärmgeplagten Gemeinden im Tannheimer Tal, im Lechtal und seinen Seitentälern einschließlich Berwang und Imst sowie die Stadt Sonthofen, die Marktgemeinden Wiggensbach, Buchenberg, Oberstaufen und Bad Hindelang sowie die Gemeinde Fischen im Oberallgäu setzen nun auf Bewusstseinsbildung und die Vernunft der Biker. An insgesamt 56 Standorten entlang der Motorradstrecken rufen sie mit großen Tafeln dazu auf, leise zu fahren und die Natur zu genießen. Dabei sei allen klar, dass zurzeit niemand ein Wundermittel gegen den Motorradlärm bei der Hand hat, so die REA. 

Für den Gräner Bürgermeister und Planungsverbandsobmann für das Tannheimer Tal, Martin Schädle, liegt der Schlüssel zu etwas mehr Ruhe in der Kombination mehrerer Maßnahmen. „Geschwindigkeitsbeschränkungen, Schwerpunktkontrollen und Bewusstseinsbildung sollten doch greifen. Wenn auch das nichts bringt, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen, denn wir müssen unsere Bürger vor zu viel Lärm schützen“, hält Schädle fest. 

Der Oberallgäuer Landrat und Präsident der Euregio Via Salina, Anton Klotz, hat den Kampf gegen den Motorradlärm und die Feierabendrennfahrer zur Chefsache erklärt. Auf Tiroler Seite beteiligen sind zahlreiche Gemeinden entlang der Bikerstrecken, die Polizei, die Bezirkshauptmannschaft und die Verkehrsabteilung des Landes Tirol an dieser Initiative. In einem grenzüberschreitenden Interreg-Projekt wird laut REA nun international recherchiert und geprüft, wie man dem Lärm dröhnender Motoren Einhalt gebieten kann. 

Im Südschwarzwald oder am Kesselberg bei Kochl am See in Oberbayern setzt man etwa auf Fahrverbote für Biker am Wochenende. Im Steirischen Naturpark Sölktäler wird seitens der Behörden mit einem Fahrverbot gedroht, sollte Rücksichtnahme weiterhin ein Fremdwort sein. Ziel des Projekts sei letztendlich auch, einen Forderungskatalog für den Gesetzgeber zu erstellen. 

Zu geringe Bußgelder 

Bei einem Pressetermin zur Präsentation der „Bitte-leise-fahren“-Tafeln waren sich alle Projektpartner einig: Die Bußgelder bei Manipulationen am Auspuff oder Raserei seien viel zu gering. Landrat Klotz wünscht sich für Deutschland zudem die Einführung einer Halterhaftung, wie es sie in Österreich und der Schweiz gibt. Dann trifft es am Ende immer den Halter eines Fahrzeugs, die Strafe zu bezahlen, egal wer damit zu schnell unterwegs war. 

Die neue Bürgermeisterin von Bad Hindelang, Dr. Sabine Rödel, fordert zudem eine 60 km/h Beschränkung für den Jochpass, wie sie 2017 für den Gaichtpass eingeführt wurde. „Der Motorradlärm ist mit Ausnahme von Hinterstein in allen Ortsteilen von Bad Hindelang eines der größten Probleme“, so Rödel.

kb

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