Zum 60-jährigen Jubiläum des Forggensees zeigt Schwangau Fotos der gefluteten Dörfer

Einblicke in vergangene Zeiten

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Beeindruckt von vergangenen Zeiten waren Besucher schon bei der Eröffnung der Ausstellung „Heimat unter Wasser“ in Schwangau.

Schwangau – Schön, kühl und strahlend blau bis türkis liegt der Forggensee im Sommer unterhalb des Märchenschlosses Neuschwanstein.

Mit zwölf Kilometer Länge und drei Kilometer Breite ist er Bayerns fünftgrößter See. Touristen und Einheimische genießen ihn heute als Badegast, Wanderer oder Segler. Doch vor 60 Jahren sah es hier ganz anders aus. Denn damals gab es noch keinen See, stattdessen lagen hier Dörfer wie Deutenhausen und Forggen. 

An das Leben in diesen Dörfern erinnert jetzt eine Fotoausstellung im Schlossbrauhaus Schwangau. Dass der See künstlich angelegt wurde, mag noch jeder wissen. Wer aber weiß, was unter der Wasseroberfläche verborgen ist? 

Im Winter, wenn der See zur Stromerzeugung abgearbeitet wird, kommt so mancher Hof-Grundriss vergangener Zeiten zum Vorschein. In diesem Jahr ganz besonders, wurde der See doch so tief abgelassen, wie nie zuvor. Vor 60 Jahren wurden Dörfer wie Deutenhausen und Forggen dem Erdboden gleichgemacht und überflutet.

 „Heimat unter Wasser“ heißt daher die Ausstellung im Schwangauer Schlossbrauhaus, die jetzt eröffnet wurde und bis zum Samstag, 8. November, (mittwochs 16.30 bis 20 Uhr und an Wochenenden 16 bis 20 Uhr) besucht werden kann. Bilder und Landkarten zeigen den See heute und gestern. Verzweigte Arme des wilden Lechs sind auf der alten Karte neben einer heutigen zu erkennen. Eine Ahnung, welche Naturschätze neben bestem Ackerboden vorzufinden waren, kommt auf. Auch die vielen Fotos, die die Menschen damals bei ihren Landarbeiten – noch alles mit der Hand und ohne Maschinen – zeigen, versetzen den Besucher in eine Vergangenheit, an die sich kaum noch einer erinnert. 

Unter dem Titel „Der Forggensee – Bilder aus einer versunkenen Welt“ hat die Tourismus Information Schwangau ein Buch herausgegeben, das nicht nur die Entwicklung des Sees und der uralten Landschaft bis heute aufzeigt. Geschichten vieler Familien, die dem Wasser weichen mussten, und das ganz und gar nicht immer freiwillig, werden von Georg Grieser, Peter Nasemann und Magnus Peresson erzählt. Kritisch ist darin auch zu lesen, wie in der damaligen Nachkriegszeit, „in der man sich mit den Spielregeln der Demokratie noch schwer tat“ nach alter Befehlsmanie über Landtagsbeschlüsse einfach hinweg gegangen wurde. 

Selbst über die Art und Weise wie alteingesessenen Familien, die weichen mussten, das Land abgeschwatzt wurde, wird berichtet. Ein offenes und nachdenkliches Werk von gestern bis heute, das die Ausstellung eindrucksvoll ergänzt. Gegen das Vergessen Es ist eine Jubiläumsausstellung „für die Alten zum wehmütigen Erinnern und für die Jungen zum Lernen“, wie Schwangaus zweiter Bürgermeister Johann Stöger bei der Eröffnung anmerkte. 

Die letzten Zeitzeugen von damals verschwinden. Gegen das Vergessen ist die Ausstellung gedacht, ebenso wie die Diskussion mit Zeitzeugen am Samstag, 8. November, im Schlossbrauhaus Schwangau.

Johanna Lang

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