Tiroler Verkehrspolitiker arbeiten an einem Konzept zur Entlastung des Fernpasses

Fernpass-Problem wird angegangen

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Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (v.l.), Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und Christian Molzer, Vorstand der Abt. Verkehr und Straße beim Land, informieren Bürgermeister und Fachleute aus allen Bereichen.

Reutte – Blockabfertigung am Grenztunnel, Blockabfertigung am Lermoos-Tunnel, Stau auf der B 179 – das sind die wöchentlichen Meldungen im Verkehrsfunk, die die Fernpassroute ungeliebt im ganzen Land bekannt machen.

Auch der „Ausnahmeverkehr“ von schweren Lkw an Wochentagen macht trotz der 7,5-Tonnen-Beschränkung das Befahren der Strecke nicht leichter. Die beiden Zuständigen in der Tiroler Landesregierungen, die Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) und Ingrid Felipe (Grüne), habe sich nun aufgemacht, um eine Strategie zur Verbesserung der Situation auszuarbeiten. 

Jeder, der an neuralgischen Tagen eine Fahrt nach oder von Innsbruck aus dem Außerfern antreten muss, weiß davon ein Lied zu singen. An Werktagen krebst er hinter schweren Lkws über den Pass, an Wochenende steht er stundenlang im Stau. Das passt der Bevölkerung nicht, das ärgert die Wirtschaft. Der Wunsch nach einem Scheiteltunnel taucht immer wieder auf. Aus Kreisen der Wirtschaft verlautet, dass dessen Realisierung bevorstehe. 

Dem entgegen steht die Meinung vieler, die mit dem Ausbau der Straße ein Mehrfaches des ohnehin schon riesigen Verkehrsaufkommens befürchten. Mit einer Verkehrsbelastung von durchschnittlich 12.000 Fahrzeugen pro Tag und bis zu 26.000 Fahrzeugen an Spitzenztagen weist die B 179 Fernpassstraße ein sehr hohes Verkehrsaufkommen auf. An etwa 50 Tagen pro Jahr gibt es auf der Fernpasstrecke Blockabfertigungen. Die deutsche Autobahn A7 verschärft die Situation noch zusätzlich. 

„Wir sind hier, um gemeinsam mit den Gemeinden, den Interessenvertretungen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern die Fernpassstraße zu entlasten. Es geht um ein Gesamtpaket zur besseren Anbindung des Außerfern und um die Stärkung der Mobilität in der gesamten Region“, sagten LHStv Josef Geisler und LHStvin Ingrid Felipe vergangene Woche anlässlich der Auftaktveranstaltung zur gemeinsamen Erarbeitung einer umfassenden Strategie für die Fernpassroute.

 In Gemeindesaal von Höfen kamen vor Geladenen aus allen Bereichen die Experten zu Wort. Als Grundlage für die Strategie wurden in den vergangenen Monaten verkehrstechnische und verkehrsrechtliche Untersuchungen sowie Machbarkeitsstudien vorgenommen. Die Vertreter der Region sind in den kommenden Monaten aufgerufen, auf dieser Basis gemeinsam mit Fachleuten des Landes und externen Experten Vorschläge und Maßnahmen zur besseren Anbindung des Außerfern und zu einer verminderten Belastung zu erarbeiten. 

Aber schon bei ersten Diskussionen in Höfen wurde klar, das da die Meinungen weit auseinander liegen. Manche befürchten, dass durch die Verbesserung der Anbindung das 7,5-Tonnen-Limit nicht mehr zu halten wäre. Das vorliegende Rechtsgutachten des Salzburger Universitätsprofessors Thomas Müller kommt in der Angelegenheit zu folgendem Schluss: Der Fernpassscheiteltunnel könne verwirklicht werden, ohne den Fernpass zu einer Transitroute zu machen. Das Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen bliebe aufrecht. 

Die von Verkehrstechnikern vorgestellten Modelle zeigten, dass der Fernpass-Scheiteltunnel in Verbindung mit dem Tschirganttunnel vor allem unter der Woche zu einer Entlastung der heimischen Wirtschaft und einer spürbaren Verkürzung der Fahrzeit für Pendlerinnen und Pendler führen würde. Aber selbst die beiden Tunnel könnten nicht verhindern, dass es an Spitzentagen zu Verkehrsüberlastungen kommt. 

Gesamtstrategie muss her 

Da aber die Realisierung des Tschirganttunnels mittlerweile in weite Ferne gerückt ist, sind auch diese Berechnungen mit Vorsicht zu genießen. Ob eine Zeitersparnis nach Innsbruck von etwa zehn Minuten in Relation zu den Kosten des Baues eines Scheiteltunnels steht, bleibt ebenfalls zu hinterfragen. Umso wichtiger sei eine gesamthafte Strategie für die Fernpassroute mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen. 

Deshalb gehe der Fokus des Landes auf Sofortmaßnahmen: „Wir holen jetzt alle Beteiligten und Interessierten zusammen und schauen, was schnelle Hilfe für die verkehrsgeplagten Anrainerinnen und Anrainer bringen kann“, erklärte die für die Mobilität zuständige Ingrid Felipe von den Grünen. „Wenn alle zusammen kommen, kann man ganz klar darlegen, welche der Beteiligten welche Schritte setzen müssten, damit wir eine rasche Entlastung schaffen.“ 

Premiere am Fernpass 

Ein solcher Prozess habe am Fernpass Premiere: „Einen so breiten Prozess haben wir in Tirol für ein Verkehrsproblem noch nie gestartet. Aber ich bin überzeugt, dass Einbindung klar macht, wer welche Schritte setzen muss, damit etwas besser wird“, sagte Felipe, die besonders froh darüber sei, dass die Teilnehmer der ersten Veranstaltung den Verkehrsplanern „Hausaufgaben“ mitgeben können. „Darauf, was die Expertinnen und Experten dann beim nächsten Mal berichten, bin ich besonders gespannt.“ 

„Mit dem Tunnelprojekt allein würden wir das Problem nicht lösen. Außerdem sind mögliche Tunnel längerfristige Projekte. Was wir jedenfalls brauchen sind kurz- und mittelfristig umsetzbare Maßnahmen“, erklärte Josef Geisler und nannte Lärmschutzmaßnahmen ebenso wie die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, den Verkehr so zu lenken und zu beeinflussen, dass Staus möglichst vermieden werden.

niko

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