"Gell, heuer losch den Schubert in Rua"

Dieses Mal spielte Pater Andrew (Andi Fichtel) auf dem Akkordeon das Lied von der Biene Maja mit abgewandeltem Text auf Deckel Maho, lästigen Hundekot, und über Pfrontens kältestes Eck, „s’ Gschee“.

Den Tourismusdirektor Jan Schubert soll er dieses Jahr doch mal loben, statt über ihn herzuziehen, das habe eine ältere Dame auf der Straße von ihm verlangt, erzählte Fastenprediger Pater Andrew (Andi Fichtel) beim Starkbieranstich der CSU in Pfronten. So ganz hielt er sich nicht daran, als er beim Derblecken gereimt und musikalisch das vergangene Pfrontener Jahr revuepassieren ließ. Zuvor hatte Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke das Starkbierfass angestochen – zum ersten Mal überhaupt.

Das muss man als Politiker durch: Wer beim Anzapfen des Fasses eine Sauerei macht, der hat die Lacher des Wahlvolks auf seiner Seite. Für Stephan Stracke war es eine Premiere, als er auf der Bühne des Pfarrsaals St. Nikolaus den Schlegel ansetzen durfte. Den Hahn setzte er zur allgemeinen Belustigung zwar zunächst an der falschen Stelle an, erwies sich aber als geschickt beim Fassanstechen und so kam die erste Reihe trocken durch den Abend. Dass das Wort Bockbier eigentlich aus dem Norddeutschen kommt, erläuterte Engelbräu-Geschäftsführer Hermann Widenmayer. Vor Jahrhunderten holten sich die Münchner nämlich einen Braumeister aus dem Norddeutschen Einbeck, wo das Starkbier erfunden wurde. Und aus dem Trank aus Einbeck wurde irgendwann der Bock. Anschließend sorgte unter anderem die Bidinger Heimatdichterin Waltraud Mair für einen launigen Abend. Sie las in Mundart ihre lustigen Gedichte vor und nahm dabei das ländliche Allgäuer Familienleben aufs Korn. Wolfgang Goldstein sorgte für die Rückkehr von Pater Carmello Corleone, der im Namen des Vatikans den Pfrontenern die Leviten las. Das Alpenhotel werde wohl ein Colosseum Antica de Meilingen werden, mutmaßte er. Und müssen die Lichter in den Fenstern mancher Rieder Imbissläden gar so hell sein? Höhepunkt des Abends war freilich das „Derblecken“ mit Fastenprediger Pater Andrew. Der beklagte sich gleich zu Anfang über den Geruch vom „B'schütten“, der in Pfronten so dick in der Luft liegt. Der ziehe bestimmt keine Gäste an. Sollte Pater Andrew heuer tatsächlich auf der Seite des Kurdirektors sein? Jan Schubert, der erst spät abends von einer Messe zurückkam und nicht im Pfarrsaal mit dabei war, nahm er doch ein bisschen aufs Korn. „Leider kriegt er ned viel Lob, aber er hat an schlauer Job“, sang der Pater auf die Melodie von „Biene Maja“. „Schubert, bleib noch a weil bei eis“, schloss er aber versöhnlich. „In St. Nikolaus, „da spielt a braver Orgel-Ma die Lieder so laut, wie er ka“, reimte Pater Andrew. So laut, dass unter der Orgel gleich der Putz runterkommt und nun saniert werden müsse. Nicht genug, das es bereits einen Wein gibt, dessen Verkauferlös der Orgel zugute kommt, nein, auch ein Bier musste offenbar her. Also liegt auf der Hand, was man tun muss, um dem Pfarrer zu gefallen: „Des Nikolausbier isch gut gekühlt, die Sünden san wie weggespült“. Toll fand's der Fastenprediger außerdem, dass die KönigsCard mittlerweile so gut ankommt. Da könne man doch eine Bürgercard mit Angeboten für Einheimische. „Wenn's regnet isch im Wertstoffhof Pfrontens zweites Schwimmbad of“, stellte er fest.

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