"Es ist ein Drama!"

CSU-Hoigarte: Bebauung und fehlende Parkplätze brennen Hopfenern unter den Nägeln

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Die Bebauung der nördlichen Uferstraße in Hopfen steht seit Jahren in der Kritik.

Füssen – Knapp 30 Personen konnte Peter Hartung, Vorsitzender der CSU-Ortsgruppe Füssen, zum Auftakt des „Hoigarte 2018“ im Haus Hopfensee am vergangenen Donnerstagabend begrüßen.

Ziel dieser in regelmäßigen Abständen und in jedem Ortsteil geplanten Veranstaltungen ist es herauszufinden, wo genau es den Bürgern „unter den Nägeln brennt“ und wie es hierzu Lösungen geben könnte. 

Gleich in der ersten Wortmeldung beklagte sich Wilhelm Schwecke darüber, dass bei größeren Veranstaltungen im hiesigen Kurhaus oftmals der vorhandene Parkplatz nicht ausreiche und daher weite Bereiche der angrenzenden Höhenstraße durch Fahrzeuge zugestellt würden. „Dies könnte man einfach durch Ausweisung von mehr Stellflächen lösen, doch dazu müsse man die vorhandenen Rahmenbedingungen hierfür angleichen“, so die Aussage eines Anwohners. Peter Hartung nahm dies mit auf und versprach, sich um eine Lösung zu kümmern. 

Schon in der zweiten Wortmeldung wurde der seit Jahren grassierende bauliche Wildwuchs beklagt. „Es ist ein Drama, was hier geschieht! Seit 17 Jahren bringt die Stadt Füssen es nicht fertig hier einen rechtsgültigen Bebauungsplan einzuführen“, kritisierte ein Bürger. Hartung und die anwesenden Lokalpolitiker, darunter auch Dritter Bürgermeister Herbert Dopfer (Füssen-Land), kennen dieses Dilemma schon lange. Ist Hopfen und die dortige Bebauung doch auch ein immer wieder kehrendes Thema im Stadtrat. 

Auch Hartung konnte keine schnelle Lösung anbieten, meinte aber: „Bis wir endlich einen gültigen Bebauungsplan für die Uferpromenade haben, können wir mittels der Gestaltungssatzung auf die Neubauten Einfluss nehmen. Doch eigentlich müsste man die Bebauungsplangeschichte komplett verwerfen und neu aufrollen.“ 

Unter den Hoigarte-Gäste sind auch Füssens Dritter Bürgermeister Herbert Dopfer (3.v.r.) und CSU-Fraktuonsvorsitzender Heinz Hipp (5.v.r.).

Obwohl die Auftaktveranstaltung bewusst in den Ortsteil Hopfen gelegt wurde, um die dortigen Probleme anzusprechen, befanden sich unter den Zuschauern auch Bürger aus der Kernstadt. Daher glitt die Veranstaltung stellenweise immer wieder thematisch dorthin ab . So kam ein weiteres altbekanntes Problem zur Sprache: Busse. Dabei wurde beklagt, dass Reisebusse, die vorwiegend mit asiatischen Gästen unterwegs seien, nach wie vor wild in Füssen parken. Außerdem, so die Vorwürfe, sollen die Busse teilweise nachts in Wohngebieten abgestellt werden, wo sie morgens auch die Motoren warm laufen lassen würden. „Man sollte die Fahrer hierzu ansprechen und sich auch gegebenenfalls an die jeweiligen Busfirmen wenden“, empfahl Hartung. 

Außerdem stehe jedem Bürger die Möglichkeit offen, bei der Polizei Anzeige zu erstatten – vor allem, was das Warmlaufenlassen der Motoren in Wohngebieten anbelange. Aber gegen das wilde Parken könne derzeit nichts gemacht werden, solange kein Busparkkonzept seitens der Stadt ausgearbeitet sei und dies auch Gültigkeit habe. 

Werden "die Großen" bevorzugt? 

Auch wenn Hartung immer wieder versuchte, Hopfen in den Mittelpunkt der Diskussionsrunde zu bringen, war dies nicht immer einfach, was man unter anderem an der Wortmeldung des Einzelhändlers Winfried Falk sah. Was den Inhaber eines Bergsport-Fachgeschäftes in der Rittergasse ärgert, ist der aktuelle Umgang der Stadtverwaltung mit den Einzelhändlern.

Einerseits möchte man die Innenstadt stärken, andererseits ziehe die Stadt mit dem neuen interkommunalen Gewerbegebiet, der V-Markt-Erweiterung und dem „Factory Outlet Centre“ massenweise potenzielle Kunden ab. „Und die bekommen sogar noch eine eigene Zufahrt mit der Kalkbrennerstraße hingesetzt!“, empörte er sich. „Und wenn noch Feste sind, hängen überall tausende Luftballons herum. Aber wenn ich einen kleinen Klappständer vor meine Türe aufstelle, habe ich binnen einer Stunde eine Zwangsandrohung wegen Räumung vorliegen! Wie passt den dies zusammen?“ Er habe den Eindruck, für die Großen setze sich die Stadt ein und die kleinen Einzelhändler lasse sie links liegen. 

CSU will mit Inhabern reden

Da dieses Thema aber an sich schon abendfüllend sei, werde die CSU in nächster Zeit direkt auf die Geschäfts-Inhaber zugehen und ein Symposium veranstalten. Denn eines sei klar: Das historische Zentrum des Mittelzentrums müsse attraktiver und auch das angebotene Sortiment angepasst werden, solle der Einzelhandel nicht auch auf dem Sterbebett landen, wie es in vielen anderen Kommunen bereits der Fall sei. 

Ein weiteres Thema des Abends war das Hopfener Strandbad und die Frage, warum diese um das dreifache der bisherigen Größe anwachsen solle? „Laut Betreiber sei ein wirtschaftlicher Betrieb in der jetzigen Form so nicht mehr durchführbar und daher sei eine Aufstockung auch mit einem Dachterrassen-Café und 120 Sitzplätzen notwendig“, berichtete CSU-Vorsitzender Hartung. „In dem Gebäude, welches in einem Baufenster des Bebauungsplanes entstehe, wird auch die Wohnung für den Verwalter integriert.“

 Ob am Hopfensee-Rundweg in Höhe des Wiesbauer-Parkplatzes eine öffentliche Toilette gebaut werden könne, wollte eine andere Besucherin wissen. Denn auch viele ältere Gäste würden gerne um den See wandern, aber ohne diese Einrichtung ginge dies nicht mehr so einfach. „Wir werden nach Möglichkeiten hierzu suchen; ist dies doch ein nicht zu unterschätzendes Problem“, sagte Hartung dazu. 

Am Ende des ersten Hoigarte 2018 sorgte der Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU) für einen kurzen Schmunzler als er auf die Frage hin antwortete, warum man beispielsweise in Oberstdorf kostenlos parken dürfe und in Hopfen nicht: „Dia Oberstdorfer hamm um die Jahreszeit koa Sonna it und die Hopfner scho.” Abzuwarten bleibt, wie schnell man für die vorgetragenen Problemen schnelle und umsetzbare Lösungen erarbeiten und auch baldmöglichst präsentieren kann.

Thomas Hugenschmidt

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