Ein Zentrum für Demokratie und Identifikation

Die Gemeinde Oy-Mittelberg legt den Grundstein für ihr neues Rathaus

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Bürgermeister Theo Haslach legt bei der Grundsteinlegung des neuen Rathauses auch eine Ausgabe des Kreisbote in die Zeitkapsel.

Oy-Mittelberg – „Heute ist auch eine Premiere für mich. Es ist meine erste Grundsteinlegung“, erklärte jetzt Theo Haslach, Bürgermeister der Gemeinde Oy-Mittelberg, als er vor dem Fundament des neuen Rathauses stand. Anfang 2022 möchte die Gemeinde den Betrieb in ihrem neuen Domizil aufnehmen.

Zahlreiche Mitglieder des Gemeinderats, darunter auch einige dienstältere Ratsangehörige, die bei den maßgeblichen Entscheidungen mit dabei waren sowie Vertreter der Planungsbüros und -firmen waren bei der Grundsteinlegung anwesend. Auch Wendelin Höllisch, Geschäftsführer der ausführenden Baufirma Xaver Lipp aus Oy, und Tano Muffler, Vertreter des Architekturbüros Muffler aus Tuttlingen, die den Architektenwettbewerb um das neue Rathaus im November 2014 gewonnen hatte, waren ebenfalls dabei. „Der Neubau ist ein wichtiger Schritt für uns, eine wichtige Infrastruktur-Maßnahme für den Ort“, so Haslach. „Das neue Rathaus ist ein Identifikationszentrum für den Ort und ein Demokratiezentrum mit dem neuen Sitzungssaal“. 

Während seiner Ansprach ließ der Bürgermeister die Planungsschritte bis zu diesem Zeitpunkt Revue passieren. „Den Zuschlag für die Baumeisterarbeiten erhielt eine heimische Firma. Sehr zu unserer Freude“, so Haslach. „Die Erdarbeiten mit einem Umfang von 4000 Kubikmetern begannen am 25. März, am 11. Mai die Betonarbeiten“. Ende 2021 oder Anfang 2022 möchte die Gemeinde im neuen Rathaus den Betrieb aufnehmen und die erste Sitzung abhalten. Die Gesamtkosten des Neubaus werden sich insgesamt auf etwa 6,5 Millionen Euro belaufen. Aufgrund der guten Gewerbesteuereinnahmen der vergangenen Jahre sei die Finanzierung gesichert, erläuterte Haslach. Das neue Rathaus werde Dienstleistungszentrum mit dem Bürgerbüro, dem Tourismusbüro und einem Büro für den Förster, der für die Kommune zuständig ist. Zusammen mit der Touristinformation, die in das Erd-Haus am gegenüberliegenden Sankt-Anna-Platz zieht, und der historischen Kirche bilde das neue Rathaus das Ortszentrum. 

Zeitungen und Münzen 

„Drei Dinge sind für ein Haus wichtig: es steht am rechten Fleck, es muss wohl begründet sein und es muss vollkommen ausgeführt sein“, zitierte der Rathauschef Johann Wolfgang von Goethe. Haslach dankte allen Beteiligten, aber insbesondere den Nachbarn für ihr Verständnis während der Bauzeit. Anschließend füllte Haslach eine Plombe, die in das Fundament einer Säule in der Tiefgarage miteingegossen wurde. „Der genaue Platz wird in den Plänen mit aufgenommen, so dass er von späteren Generationen gefunden werden kann“, erläuterte Tano Muffler. Die Zeitkapsel enthält eine Ausgabe des Kreisbote, eine aktuelle Tageszeitung sowie das Gemeindeblatt und ein aktueller Satz Münzen – „die Anzahlung für die Firma Lipp“, schmunzelte Haslach. Außerdem legte er die Baugenehmigungen in Kopie sowie ein Satz Pläne und Bilder mit alten Ansichten des Sankt-Anna-Platzes mit dem noch vorhandenen Gasthof Löwen und die Broschüre mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids bei. „Als kleines Schmankerl kommt noch eine Flasche Himbeerwein von der Gebirgskellerei dazu“, so Haslach. Diese wurde extra eingeschweißt, damit es bei einer Nachgärung nicht zu einer „Sauerei bei den Plänen und Unterlagen kommt“. 

Auch für Tano Muffler vom ausführenden Architekturbüro war die Grundsteinlegung eine Premiere. „Es ist ebenfalls meine erste, bei der ich dabei bin“. Er würdigte den Neubau als gute Entscheidung für die Oberallgäuer Gemeinde. Er dankte im Namen des gesamten Architekturbüros für den Auftrag und lobte die „sehr gute und professionelle Zusammenarbeit mit der ausführenden Baufirma.” Die Diskussionen im Gemeinderat seien produktiv und ergebnisorientiert gewesen. „Es ist ein großes Projekt, auch für uns. Der Neubau wird ein sehr repräsentatives Gebäude für die Kommune“. Das werde einen Bruttorauminhalt von 10.000 Kubikmetern bei 2600 Quadratmetern Fläche haben. Fast 100 Tonnen Baustahl werden verbaut zusammen mit nahezu 1300 Kubikmetern Beton und 60 Kubikmetern Holz. „Und das ist nicht wenig“, so Muffler. „Das Holz sorgt für eine gute Atmosphäre vor allem im Dachstuhl und damit im neuen Sitzungssaal“. 

Auch Wendelin Höllisch, Geschäftsführer der Baufirma Lipp, dankte für den Auftrag der Gemeinde. Auch er lobte die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro. „Da haben wir schon ganz andere Sachen erlebt“. Der Aushub war ein schwieriges Unterfangen, da sich das Material als belastet herausstellte. Zum Teil musste es bis nach Dresden auf eine Spezialdeponie gefahren werden, was zahlreiche Genehmigungen erforderte. „Das bedeutet aber auch Mehrkosten“. Der Bau werde durch eine gute Mannschaft mit einem erfahrenen Kappo erstellt und von einem erfahrenen Bauleiter betreut. 

Zeitlicher Ablauf 

2004 schloss der Gasthof Löwen, den der deutsch-ungarischen Architekten Andor Ákos 1929 nach einem Brand wiederaufgebaut hatte, endgültig seie Türen. Mehrere Wiederbelebungsversuche scheiterten am hohen Sanierungsaufwand und den damit verbundenen Kosten des in die Jahre gekommenen Gebäudes. 2007/2008 suchte die Gemeinde Oy-Mittelberg im Rahmen der Städtebauförderung nach einem neuen Standort für das Rathaus. Die Entscheidung fiel auf das Areal des leerstehenden Gasthauses. Nach vielen Diskussionen im Gemeinderat kaufte die Kommune schließlich 2010 das 1800 Quadratmeter große Areal. 2013 sprachen sich die Räte dann für den Abriss des immer weiter verfallenden Gebäudes aus. 

Bürger entscheiden 

Doch damit wollten sich einig offenbar nicht abfinden. Denn 2014 stellten verschiedene Räte den Antrag, das ortsbildprägende Gebäude zu erhalten und zu sanieren. „Was folgten waren drei Jahre Diskussion“, blickte Haslach zurück. Es kam schließlich zum Bürgerentscheid, bei dem sich am 30. Mai 2017 85 Prozent der wahlberechtigten Oyer für einen Abbruch des Gebäudekomplexes und einen Neubau des Rathauses aussprachen. Im Herbst 2018 erfolgte dann die Entkernung und der Abriss des Gebäudes. Gleichzeitig begann der Gemeinderat mit der Vorplanung. Am 2. Dezember 2019 erhielt die Gemeinde die Baugenehmigung durch das Landratsamt Oberallgäu. 14 Tage später folgte der Zuschussbescheid für die Tiefgarage in Höhe von 500.000 Euro. Die Baukosten allein für die Tiefgarage belaufen sich auf etwa eine Million Euro. Diese stellt 25 Stellplätze bereit. Zusammen mit den oberirdischen sollen es insgesamt 68 auf dem Areal des neuen Rathauses werden.

Herbert Hoellisch

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