Nutzung der Wege wird neu geregelt

Rechtler und Gemeinde unterzeichnen Vertrag

Christian Neutzner, Rechtler-Vorstand, und Pfrontens Bürgermeister Alfons Haf unterzeichnen den neuen Grundsatzvertrag.
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Christian Neutzner, Rechtler-Vorstand, und Pfrontens Bürgermeister Alfons Haf unterzeichnen den neuen Grundsatzvertrag.

Pfronten – Die Gemeinde hat nach eigenen Angaben mit dem Rechtlerverband und der Wald- und Weiderechtlergenossenschaft Pfronten eG die Freizeit- und Tourismusnutzung auf den Privatwegen im Gemeindegebiet neu geregelt. Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) und Rechtlervorstand Christian Neutzner unterzeichneten am Montag die neue Grundsatzvereinbarung.

Der neue Vertrag regelt umfassend Belange der Bau- und Unterhaltslast, des Haftungs- und Versicherungsrechtes sowie der Markierung von Rad- und Wanderwegen. „Mit dieser Vereinbarung können wir die unterschiedlichen Nutzungsansprüche in unserem Gemeindegebiet besser koordinieren“, erklärte Bürgermeister Haf. Nachdem die Gemeinde 2017 in einem Projekt der Bergwaldoffensive den Interessenausgleich zwischen Wald, Jagd, Naturschutz und Tourismus über eine räumliche Zuordnung über das gesamte Gemeindegebiet erreicht habe, sei jetzt die Grundlage für besucherlenkende Maßnahmen auf Wander- und Radwegen geschaffen worden, freute er sich.

Auch für den Vorstand des Rechtlerverbandes und der Wald- und Weiderechtlergenossenschaft Pfronten eG, Christian Neutzner, ist die neue Wegevereinbarung ein Meilenstein. „Wir stehen zu der Verantwortung, auf unseren Flächen auch Erholungszwecke zu ermöglichen“, sagte er. „Gleichzeitig müssen wir die Bewirtschaftung dieser Flächen sicherstellen. Die Vereinbarung mit der Gemeinde ist für uns ein wichtiger Schritt in Richtung einer naturverträglichen Freizeitnutzung.“ Allerdings liege vor allen Vertragspartnern noch ein weiter Weg. „Es sind aber noch viele Hürden zu überwinden, bis die Lenkung des derzeitigen Freizeitdruckes und eine verträgliche Lösung zwischen Naturnutzung auf der einen und Bewirtschaftung und Naturschutz auf der anderen Seite verwirklicht ist“, erklärte er.

Hoher Druck

Tatsächlich ist der Erholungsdruck auf Wander- und Radwegen in den vergangenen Jahren zunehmend größer geworden: die Gästezahlen steigen, der Tagesausflugsverkehr nimmt zu und ist in den Zeiten der faktischen Grenzschließung zu Tirol so hoch wie nie zuvor. Urlauber, Ausflügler und Einheimische suchen verstärkt individuell nutzbare Infrastrukturen wie Wege zu Freizeit- und Erholungszwecken. Mountainbiker sind dank Elektroantrieb auf Bergstrecken unterwegs, die zuvor nur von Leistungssportlern befahren werden konnten.

Viele Interessen

Die stark gestiegene Nachfrage stößt auf eine Natur, die neben den Erholungszwecken einer Vielzahl von weiteren Interessen gerecht werden muss. Neben dem Schutz von Lebensräumen und einzelnen Arten oder der Schutzfunktion der Böden sind dies vor allem die wirtschaftlichen Interessen der Grundstückeigentümer, die Einkünfte aus der Nutzung der Wald-, Weide- und Wiesenflächen erzielen. Und häufig ist die Attraktivität der Flächen von der Bewirtschaftung abhängig. Wanderer und Radler nutzen die Wege, kehren in Berghütten ein und genießen das Landschaftsbild der Alpflächen und Bergwiesen, die sich ohne Beweidung oder Mahd im Laufe der Jahre wieder zu Waldflächen entwickeln würden. Die Bewirtschaftung wird erschwert, wenn sich Erholungssuchende nicht an Wegesperrungen zu Rodungszwecken halten, abseits der Wege mit Mountainbikes fahren oder zu Nachtzeiten unterwegs sind.

Die Gemeinde und der Rechtlerverband sind sich bewusst, dass die Lösungsmöglichkeiten dieser Nutzungskonflikte vielfältig sind. Die möglichen Maßnahmen reichen von der Kommunikation von Verhaltensregeln, über die zeitgemäße Besucherlenkung mit analogen und digitalen Medien, attraktiven, zeitlich und räumlich gesteuerten Angeboten bis hin zu Ge- und Verboten.

kb

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