Deutsche will aus dem Hotel "Urisee" einen Wellness-FKK-Saunaclub machen

Kommt ein fünftes "B" hinzu?

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Eine Investorin aus Friedrichshafen will das Hotel „Urisee“ kaufen und daraus einen Wellness-FKK-Saunaclub machen.

Reutte – Eine Geschäftsfrau aus Friedrichshafen will in Reutte das Hotel „Urisee“ kaufen und dort ein FKK-Saunaclub einrichten. Das sorgte vergangenen Donnerstag für Diskussionen im Gemeinderat. Außerdem befasste sich das Gremium mit dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP.

Mit den „Vier-B“, Burg (Burgenensemble Ehrenberg), Bahn (Reuttener Bergbahn), Bad (Alpentherme Ehrenberg) und Brücke („highline179“) wirbt der Außerferner Bezirkshauptort recht erfolgreich um Gäste. „Nun könnte es bald ein fünftes B geben“ verlautete es spöttisch aus der Zuhörermenge bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Bürgermeister Alois Oberer hat zuvor das Ansuchen einer Frau aus Friedrichshafen vorgestellt, in dem der Kauf des Hotels „Urisee“ an der Umfahrung von Reutte angekündigt wird. Sie möchte dort ein „Wellnesshotel“ mit FKK-Saunaclub etablieren, was ohne viel Geheimniskrämerei als Errichtung eines Bordells interpretiert werden kann. 

Mit diesem nicht alltäglichen Ansuchen wird sich die Marktgemeinde und der Bürgermeister in Zukunft noch des Öfteren zu befassen haben. Gesetzeskonform wird der Bürgermeister dazu eine Bedarfsprüfung vorzunehmen haben. Kein leichtes Unterfangen, zeigen doch Beispiele aus anderen Bezirken auf, dass dort zeitintensive Erhebungen vorzunehmen sein werden, die auch weit über die Gemeindegrenzen hinausgehen werden. Es gilt also viele Interessen zu berücksichtigen. 

"Schwierige Aufgabe" 

Für das Etablissement spricht einmal die Lage: weit außerhalb des Ortes, ohne direkte Anrainer, an der Umfahrungsstraße gelegen. Gerade der letzte Punkt mit der guten Erreichbarkeit an einer vielbefahrenen Durchgangsstraße, könnte den Interessentenkreis doch wesentlich ausdehnen. 

„Die Bedarfserhebung wird eine schwierige Aufgabe. Vergleichbare Fälle haben gezeigt, dass die Gemeinderäte dort über sehr lange Zeiträume mit dem Thema befasst waren“, meinte das Gemeindeoberhaupt und stellt sich schon auf viele Diskussionen ein. Einen weiteren Diskussionspunkt in der Gemeinderatssitzung war die Annahme einer Resolution gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU, den Vereinigte Staaten und Kanada (TTIP). 

In der Resolution wird unter anderem gefordert: „kein Abschluss von Handels- und Investitionsabkommen, welche die Gemeindeautonomie bei der Sicherstellung der öffentlichen Dienstleistungen untergraben oder ihre Reche auf Regulierung einschränken.“ 

In der Begründung der Resolution heißt es unter anderem: „Dadurch, dass die Verhandlungen streng geheim und abgeschirmt von der Öffentlichkeit stattfinden, wird ein demokratischer Meinungsbildungsprozess unterbunden. Dies unterminiert die Grundpfeiler der Demokratie und muss deshalb grundsätzlich geändert werden.“

 Widerstand von der ÖVP 

Die Vertreter der Sozialdemokratie, von den Grünen und die Gemeinderäte der Bürgermeisterfaktion sahen sich im Einklang mit der Forderung und wollten ein Zeichen setzen. Ganz anders – und mit Vehemenz gegen ein derartiges Vorgehen – sahen die Angelegenheit die Räte und Rätinnen von der ÖVP-Fraktion. 

Internationale Angelegenheiten hätten in einer Gemeindestube nichts zu suchen, meinte man. Und „Resolutionen aus einer Links-linken Ecke“, so formulierte es Gemeinderat Klaus Schimana drastisch, schon gar nicht. 

Im Übrigen wisse der einzelnen Reuttener Gemeinderat über die komplexen Zusammenhänge bei weitem nicht genug, könne sich daher auch kein Urteil bilden. Im Kleinen könne man sowieso nichts erreichen, war der Tenor der Resolutionsgegner, und man betrachte die Einmischung als sinnlos. Mit neun zu acht Stimmen – die ÖVP-Fraktion um Vizebürgermeister Dietmar Kohler, stimmte dagegen – wurde die Resolution schließlich angenommen.

Hans Nikolussi

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