"House am See" darf mit neuem Lärmschutzkonzept doch gefeiert werden

Eine neue Chance

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Experte Domenic Lohrmann erklärt anhand von Schaubildern, wie der Party-Lärm gesenkt werden soll.

Lechbruck – Nun also doch: die „House-am-See-Party“ kann auch heuer Ende August stattfinden. Nachdem der Veranstalter in der jüngsten Gemeinderatssitzung ein überzeugendes Lärmschutzkonzept vorgelegt hat, stimmte eine Mehrheit der Gemeinderäte für das Event.

Finden Gemeinderatssitzungen normalerweise weitgehend ohne Öffentlichkeit statt, saßen in der vergangenen Woche etwa doppelt so viele Bürger wie Gemeinderäte im Sitzungssaal. Ihr Interesse galt wohl vor allem dem erneuten Antrag des Premer Eventteams Klein, auch heuer Ende August das Sommerevent „House am See“ feiern zu dürfen.

Bereits Ende November hatte der Gemeinderat den Antrag diskutiert und mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Grund war seinerzeit die Lärmbelästigung der Nachbarn. Allerdings hatte das Gremium dem Antragssteller die Chance eröffnet, die House-Party doch noch zu genehmigen, sollte ein schlüssiges Lärmschutzkonzept vorgelegt werden.

Das hat Domenic Lohrmann nun getan. Um sein Konzept, bei dem sich der unerwünschte Lärm selber auslöschen soll, zu erklären, zeigte Lohrmann, wie sich der Schall von den Boxen ausgehend, ausbreitet. Dabei ähneln sie einem Stein, der ins Wasser geworfen wird. Deshalb plant Lohrmann, dessen Firma Pro-Veranstaltung das Equipment für das Konzert liefert, heuer Veränderungen.

So soll die Bühne wieder auf ihre ursprüngliche Position zurückverlegt und um 90 Grad zurückgedreht werden. Damit allein will Lohrmann einen Teil der Lärmbelastung reduzieren. Denn so liegen die Anwohner nicht mehr im unmittelbaren Einzugsbereich der Bühne. Außerdem soll es keine Reflekionen mehr von den Schulgebäuden geben.

Physik soll es richten

Darüber hinaus plant der Schalltechniker, mit Hilfe der Physik einen Teil des Lärms zu reduzieren.

Wellen können sich gegenseitig verstärken, wenn sie sich überlagern. Andererseits können Schwingungen auch ausgelöscht werden, wenn sie die gleiche Wellenlänge und Frequenz haben, aber gegenläufig schwingen. Dieses Prinzip möchte Fachmann Domenic Lohrmann bei der Party in Lechbruck anwenden, und auf je zwei Bässe, die in Richtung des Publikums gerichtet sind, eine Bassbox aufstellen, die dieselbe Musik abspielt, aber in die entgegengesetzte Richtung zeigt.

So werde der Schall hinter der Bühne und auch teilweise seitlich nahezu ausgelöscht. Lohrmann bot außerdem an, das gesamte Konzert zu dokumentieren und eine protokollierte Messung, nicht nur auf dem Festgelände, sondern auch bei den Nachbarn, vorzunehmen.

Damit sei gewährleistet, dass dort, entsprechend der Tageszeit nur die maximal zulässige Lautstärke, beispielsweise zwischen 22 und sechs Uhr morgens nur 50 Dezibel (dB(A)), ankomme. Das entspreche etwa einem fahrenden Auto. Tagsüber liegt der Grenzwert für Dorf- und Mischgebiete bei 60 dB(A). Er sei auch bereit, als Ansprechpartner zu reagieren, sollten sich Anwohner dennoch gestört fühlen.

Hitzige Diskussion

Daraus entwickelte sich eine teils recht groteske Diskussion, welche Grenzwert wo gelten und wie sie zu interpretieren seien. Insbesondere eine Gemeinderätin hatte eine Broschüre des Umweltamtes zu Rate gezogen. Letztlich beendete Herbert Thieme die Diskussion, indem er anmerkte, das es hier nicht um fünf Dezibel hin oder her gehen solle, sondern dass die Nachbarn nicht belästigt würden. Dem schlossen sich viele seiner Ratskollegen an, denn immerhin habe der Veranstalter ein schlüssiges Lärmschutzkonzept präsentiert. „Er hat sich Mühe gegeben und die Vorgaben eingehalten“, sagte Robert Fichtl.

Man könne immer noch nachjustieren, sollte das nötig werden. Ähnlich sah es Brigitte Deschauer, die meinte, „einen Tag pro Jahr kann ich das aushalten“. Selbst Gast auf der Veranstaltung im vergangenen Jahr, merkte sie an, dass eine Kommunikation mit ihrem Begleiter problemlos möglich gewesen sei. Was Erwin Maas auf seinem Balkon allerdings nicht hatte tun können, wie der Zweite Bürgermeister schon einmal geäußert hatte. Auch meinte Maas, dass es trotz Konzepts laut werden würde und stimmte gegen die Genehmigung.

Das Gros der Räte erkannte aber an, dass es sich um eine Ausnahmesituation einmal im Jahr handle und dass man es 1600 Feiernden gönnen sollte. Beide Seiten müssten sich eben etwas bewegen, weshalb das Gremium mit einer Zweidrittelmehrheit (8:4 Stimmen den Antrag genehmigte.

Oliver Sommer

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