Viel Lärm um Nichts

Abstimmung um Ausweisung eines Gewerbegebietes in Vils fällt erneut positiv aus

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Hier am Ortseingang von Vils soll das neue Gewerbegebiet entstehen. Eine Volksbefragung sprach sich dagegen aus, der Gemeinderat stimmte zwei Mal dafür.

Vils – Als ein „Pyrrhus-Sieg“ von Gemeinderat Markus Petz wird wohl die erzwungene Volksbefragung zur Causa Gewerbegebiet in die Geschichte der Grenzstadt eingehen.

Er hatte eine Mehrheit der zur Abstimmung gegangenen Bevölkerung hinter sich versammelt und Bürgermeister Günter Keller dadurch zu einer neuerlichen Behandlung des Themas im Gemeinderat veranlasst. Dieser sprach sich nun erneut für das Vorhaben aus. 

Petz hatte die Volksbefragung in Vils gegen die Ansiedelung eines Logistikcenters des deutschen Werkzeugmaschinenherstellers Deckel-Maho aus dem benachbarten Pfronten initiiert, nachdem sich der Gemeinderat im Herbst 2017 mit zwölf zu einer Stimme dafür ausgesprochen hatte. Während der Bürgermeister und die überwältigenden Mehrheit der Ratsmitglieder sich für die Ausweisung eines Gewerbegebietes im Westen der Stadt starkmachten, sah Petz eine nicht hinzunehmende Verkehrsbelastung auf die einzige Stadt des Außerferns zukommen. 

Die Wogen gingen in der Folge hoch und in der Stadt standen sich unversöhnlich zwei Lager in der Bevölkerung gegenüber. Wolle sich eine Kommune weiterentwickeln und ihre finanziellen Möglichkeiten festigen, seien derartige Projekte notwendig, auch wenn sie auf Widerstand stießen, hieß es aus den Reihen der Befürworter. Im übrigen müsse ein solches Projekt eine Unzahl von Verfahren, vom Verkehr bis zur Umweltverträglichkeit, durchlaufen, die außerhalb der Entscheidungen der Kommune lägen, verwies im Vorfeld der Bürgermeister auf die Kompetenzen von Bezirkshauptmannschaft und Land. Man sei erst in der Startphase, stehe aber grundsätzlich hinter dem Vorhaben von Deckel-Maho. 

Geheime Abstimmung

In der vergangenen Woche kam es nach der Volksbefragung nun zu einer neuerlichen Abstimmung im Kreise der Volksvertreter. Dabei hatte Bürgermeister Keller eine geheime Wahl vorgeschlagen, um der Entscheidung etwas Brisanz zu nehmen und die Mandatare vor Anfeindungen zu schützen. Würden die Gemeinderäte nun Volkes Willen folgen oder weiterhin das Gewerbegebiet im Westen der Stadt entwickeln wollen? Die Stimmung im Kreis der Ratsmitglieder konnte durchaus als eisig bezeichnet werden. Petz stand mit dem Rücken zu Wand und ahnte Schlimmes. Die Verlesung des Ergebnisses bestätigte seine Ahnung. Wieder zwölf Ja-Stimmen, ein Nein. Die Volksbefragung hatte an der Haltung des Gemeinderates also nichts geändert. Die Zwölf blieben standhaft bei ihrer Einschätzung. 

Die geheime Abstimmung hatte bei diesem Ausgang nun auch nichts Geheimes mehr an sich. Jeder wusste wie wer abgestimmt hatte. Bürgermeister Keller zog eine Bilanz: Fehlinformationen seien verbreitet worden, kritisierte er. Nie und nimmer komme – wie behauptet – ein europäisches Ersatzteillager nach Vils, so etwas wisse der Gemeinderat per Widmung zu verhindern. Auch die Behauptung, dass das künftige Gewerbegebiet Vils-West direkt an das Siedlungsgebiet Angerwies heranreichen werde, bestritt das Stadtoberhaupt. 

Notwendige Entwicklung

Der Stadtchef machte den Gegnern eines künftigen Gewerbegebietes Vils-West keine Freude. Schon vor 54 Jahren, vor neun Gemeinderatsperioden, hätten die Vorväter dort vorausschauend eine Gewerbeentwicklung ermöglicht. Genau dies solle auch kommen und sei dringend notwendig für die wirtschaftliche Entfaltung der Kommune. Das von Gemeinderat Petz immer wieder als Alternative ins Spiel gebrachte Gewerbegebiet im Osten der Stadt sei auf Grund des angrenzenden Natura-2000-Raumes und dann notwendiger Unterführungen von Bahn und Straße keine wirkliche Option. 

Falsche Berichte

Deckel-Maho sei neben zwei anderen Standorten weiterhin an jenem in Vils interessiert. Anderslautende Medienberichte würden nicht stimmen. Die Stadt sei natürlich auch erpicht darauf, Kommunalsteuereinnahmen zu bekommen, um vom Kindergarten bis zum Pflegeheim das öffentliche Leben finanzieren zu können. „Wie jede andere Gemeinde auch“, sagte Keller. Für den Bürgermeister „gibt es keinen guten oder schlechten Verkehr. Jeder der bei Amazon bestellt, löse Lkw-Verkehr aus. Markus Petz fehlten die Worte. Vils habe verloren, meint er resignierend.

Für ihn wird es in Zukunft im Gemeinderat wohl schwierig werden. Für Irritationen im Vorfeld hatte auch der Obmann der Wirtschaftskammer Reutte, Christian Strigl, gesorgt. Er ist der Schwager von Gemeinderatsrebell Petz und selbst ein ausgewiesener Gegner der Maho-Ansiedelung. Das hatte in Kreisen der Wirtschaftstreibenden in der Region für Verwunderung gesorgt. Mit seiner wirtschaftsfeindlichen Einstellung in diesem Fall konnten die Unternehmer wenig anfangen.

niko

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