Startschuss für gemeinsames Projekt

Bahnfahren im Ostallgäu soll attraktiver werden

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Die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung in Reutte. Mit dabei sind unter anderem Primin Joas (10. v.l.) von der Gemeinde Nesselwang und Pfrontens Bürgermeisterin Michaela Waldmann (11.v.l.).

Landkreis/Reutte – Die Regionalbahnen Außerfern- sowie Mittenwald- und Werdenfelsbahn sollen attraktiver werden, um Verkehrsbelastungen auf der Fernpass-Straße, im Allgäu und im Raum Garmisch-Partenkirchen zu reduzieren.

In Reutte präsentierten die Projektpartner und Vertreter der Bahnen jetzt die Ziele und den Umsetzungsplan des EU-Projekts. In den vergangenen Jahren hat die Verkehrsbelastung auf der Fernpasstrasse, im Allgäu und im Raum Garmisch-Partenkirchen kontinuierlich zugenommen. 

Das soll sich durch das neue Interreg-Projekt ändern und den Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Derzeit ist der Stellenwert des Schienenverkehrs als Alternative gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufgrund der langen Fahrtdauer und anderen schlechteren Rahmenbedingungen noch eher gering. Basierend auf einem Beschluss des Tiroler Landtages sollen nun in einem grenzüberschreitenden Beteiligungs- und Entwicklungsprozess die Regionalbahnen attraktiver gemacht werden. 

Im Rahmen des Projekts wird auch die Bevölkerung gefragt, um ihre persönlichen Anforderungen an eine moderne Bahn einfließen zu lassen. Wissenschaftlich fundierte Umfragen zur Nutzung der Bahnen sollen das Bild der vorhandenen Bedürfnisse der Fahrgäste abrunden. Aus den so gewonnen Erkenntnissen soll ein Maßnahmenkatalog für die Zukunft als Handlungsempfehlung entwickelt werden. In weiteren Projektteilen werden schwerpunktmäßig Konzepte für unterschiedliche Fragestellungen erarbeitet, die dann auch in anderen Regionen angewandt werden können. 

Hierbei geht es um multimodale Bahnhöfe, Handlungsempfehlungen für ungesicherte Bahnübergänge, aber auch um Untersuchungen zum technischen Ausbau der Bahnen und den damit verbundenen Potentialen. Das Projekt soll mit Februar 2022 abgeschlossen werden. Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) übernimmt in diesem Projekt erstmals in seiner Geschichte die Funktion des Leadpartners in einem EU-Projekt und wird dabei von der REA – Verein Regionalentwicklung Außerfern – unterstützt. Die Partner auf bayerischer Seite sind die Gemeinde Pfronten, der Markt Nesselwang, die Zugspitz Region GmbH sowie die Allgäu GmbH. 

Pfronten im Fokus

Alexandra Medwedeff, Projektleiterin VVT, betonte jetzt bei der Auftaktversanstaltung in Reutte: „Die ländlichen Grenzregionen noch besser anzubinden, vor allem auch an die Landeshauptstadt Innsbruck, ist uns sehr wichtig. Die Zusammenarbeit im Projekt von Partnern aus Tirol und Bayern soll deshalb gleichzeitig den Grundstein für eine langfristige Kooperation im Ausbau des öffentlichen Verkehrs vor Ort legen.“ 

Auf Allgäuer Seite bekräftigte die Pfrontener Bürgermeisterin Michaela Waldmann die Wichtigkeit des Projekts. Die Stärkung der Bahnverbindung Kempten-Pfronten-Reutte-Garmisch sei für die Gemeinde Pfronten von größter Bedeutung, um für die Bürger attraktive Verbindungen für Beruf, Schule und Freizeit zu schaffen. Auch für Urlaubsgäste und Tagesausflügler soll die Anreise per Bahn zunehmend eine Rolle spielen.

Viele Herausforderungen

Voraussetzung für die steigende Akzeptanz seien aber instandgesetzte und modernisierte Bahnhöfe und Haltepunkte, abgestimmte Fahrpläne und schnellere Verbindungen. „Als Grenzort mit dem Umsteigepunkt Pfronten-Steinach und der Elektrifizierung der ÖBB-Strecke haben wir überdies besondere Herausforderungen vorausschauend zu meistern“, meinte Waldmann.

„Auch grenzüberschreitend muss die Mobilität noch viel attraktiver werden, damit die Menschen sie nutzen. Gute Regionalbahnen sind dazu ein wichtiger Baustein“, ergänzte Klaus Fischer, Geschäftsführer der Allgäu GmbH. 

Wie Helmut Straubinger vom Markt Nesselwang erklärte, sei auch für Nesselwang als Unterzentrum und Tourismusort eine gute Verkehrsanbindung notwendig. Eine leistungsstarke Außerfernbahn mit einem attraktiven Bahnhofsumfeld könne dies gewährleisten. 

„Unser gemeinsames grenzüberschreitendes Interreg-Projekt 'Stärkung der Regionalbahnen' ist für die Zugspitz Region von großer Bedeutung“, sagte Sebastian Kramer von der Zugspitz Region GmbH. „Als Ziel haben wir die Stärkung des ÖPNV für Gäste und Einheimische. Hierzu wollen wir die Machbarkeitsprüfung des Bahnhalts Kainzenbad und die Prüfung des teilweisen zweigleisigen Ausbaus der Bahnlinie von München nach Innsbruck voranbringen“, so Kramer weiter. 

Erfreut zeigt sich auch Günter Salchner von der Regionalentwicklung Außerfern aus Reutte: „Mobilitätsfragen im Bezirk Reutte müssen immer grenzüberschreitend angegangen werden!“ Es freue ihn, dass es uns gelungen ist, eine so breite Allianz mit bayerischen Partnern auf die Beine zu stellen. Es würden nun alle Beteiligten an einem Tisch sitzen, um bei der Außerfernbahn deutliche Verbesserungen für Bevölkerung und Gäste zu erreichen.

kb

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