Sanierung der beliebten Pöllatschlucht könnte 2018 abgeschlossen werden

"Sind auf dem richtigen Weg"

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Der Eingang zur Pöllatschlucht mit dem Steg, der nun repariert werden soll. Läuft alles nach Plan, kann das beliebte Ausflugsziel 2018 wieder eröffnet werden.

Schwangau – Der Weg für die letzte Etappe der Sanierungsarbeiten in der Pöllatschlucht bei Schwangau ist frei.

Aktuell hat die Verwaltung der Gemeinde die Zulassung für einen speziellen Betonanker erhalten, mit dem der Steg am Eingang der Schlucht erneuert und gesichert werden kann. Nach einer mehrjährigen Sperrung des beliebten Ausflugsziels rückt die Wiedereröffnung im kommenden Jahr damit in greifbare Nähe. Mit etwas Glück und gutem Wetter könnte der Weg über die Pöllatschlucht im kommenden Herbst wieder offen sein für Wanderer und Spaziergänger. 

In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte Bürgermeister Stefan Rinke den erwarteten Zulassungsbescheid für einen wichtigen Anker. Mit dieser Genehmigung in der Tasche kann nun die Sanierung des letzten Teilstückes des beliebten Sommerwanderweges angegangen werden. 2014 war das Ausflugsziel wegen Steinschlaggefahr gesperrt worden.

Im unteren Bereich, am Eingang zur Schlucht, muss der Wanderer auf dem Weg ins Innere zunächst über einen in den 1930iger Jahren gebauten Steg an einer Felswand vorbei. Dieser in die Jahre gekommene Steg soll nun, wie schon weitere Teile des Weges zuvor, erneuert werden. Dazu fehlte bisher allerdings die nun erteilte Zulassung für einen speziellen Anker.

 Dieser darf zwar schon in Beton verwendet werden, bislang aber nicht im Fels. Nun kann die Ausschreibung für die Arbeiten vergeben werden. Wie ein Dübel mit Schraube werde dieser Anker in die Wand eingebracht, unter Umständen einbetoniert und garantiere bestimmte Mindestanforderungen an Zug und Druck, der beim Steg auftreten kann. 

In der Schweiz sei dieser Anker zugelassen, erklärt Bürgermeister Rinke, doch die Verwaltung müsse sich an die EU-Vorschriften halten. Deshalb sei nun ein technisches Prüfverfahren für den Einzelfall notwendig geworden. Ein Professor für Materialprüfung an der Technischen Universität München bestätigte die technische Eignung des Ankers. Damit neigt sich die mittlerweile drei Jahre andauernde Sperrung der Schlucht endlich dem Ende entgegen. 

Zwar gäbe es das beliebte Ausflugsziel unterhalb Schloss Neuschwansteins gar nicht, wenn es nach König Ludwig II. gegangen wäre, denn der Märchenkönig wollte hier eine Stausee anlegen und unter anderem zur Stromerzeugung nutzen. So aber ist die wildromantische Schlucht, die der Bergfluss im Laufe der Zeit geschaffen hat, Ausflugsziel und Einstieg für viele Wanderer und Aufstieg für manchen Schlossbesucher sowie beliebtes Fotomotiv. 

Dass die Natur hier aber unablässig arbeitet, sieht der Wanderer etwa an den Blocksturzmassen unterhalb des Schlosses und an den Hängen gegenüber, wo Lawinen abgehen oder Geröll zu Tal rutschen kann.

Raue Elemente

Immer wieder wurde dabei in der Vergangenheit auch der Weg, der teils über Gitterroststege, teils in Stein gehauen oder gegossen nach oben führt, in Mitleidenschaft gezogen. Wind und Wetter, vor allem der Frost und nicht zuletzt auch Hochwasser und Starkregen nagen beständig am Fels, schaffen Klüfte und Spalten, gefrierendes Wasser sprengt größere und kleiner Felsbrocken ab.

So hatten die Verantwortlichen schon vor Jahren den Wanderweg im oberen Bereich, dort wo man über Stufen weiterkommt, mit einem Stahlnetz vor Steinschlag geschützt. Dieses hätte allerdings bei dem instabilen Felsüberhang südöstlich des Schlosses auch nicht mehr geholfen. 

Nur durch intensive Arbeiten, bei denen der Überhang mit Sprengungen abgetragen wurde und der Sprengschutt manuell beseitigt werden musste, gelang es die Gefahr im vergangenen und diesem Jahr abzuwenden (der Kreisbote berichtete). Die Arbeiter hätten, so Bürgermeister Stefan Rinke gegenüber unserer Zeitung, vor allem Sprengschutt und anderes loses Material abtragen müssen. „Außerdem haben wir den Fangzaun gegen Steinschlag erneuert“. 

Trotzdem könne der Sommerweg noch nicht wieder freigegeben werden. „Wir mussten auch den Wanderweg freiräumen und instand halten“.

Keine Auffälligkeiten

Das wird in Eigenregie von den Mitarbeitern des Bauhofes, unter anderem von Hannes Bruckdorfer, gemacht. Als guter Kletterer und darüber hinaus Mitglied der Füssener Bergwachtbereitschaft ist Bruckdorfer vor allem für die Arbeiten abseits der Wege zuständig. Außerdem habe er verschiedene Extensometer installiert, mit denen der Hang überwacht werde. 

Diese Dehnungssensoren zeigen an, ob ein Hang sich in Bewegung befindet. Derzeit gebe es aber keine Auffälligkeiten, so Rinke. Deshalb könne nun die letzte Etappe der Sanierung mit der Erneuerung des Stegs im unteren Bereich beginnen. Doch die Arbeiten sind komplex: Wo früher einfach mit Hilfe eines Bohrers Löcher in den Stein getrieben und Metallleisten einbetoniert wurden, gilt es heute zahlreiche Vorschriften zu beachten und nicht zuletzt auch eine statische Prüfung vorzunehmen. 

Nachdem der Steg vor fast 90 Jahren gebaut wurde, gebe es aber keine Unterlagen oder technische Beschreibungen mehr, berichtet Rinke. Doch ohne Unterlagen könne man keine statische Prüfung vornehmen. Diese sei aber ihrerseits Voraussetzung dafür, um die Verkehrssicherungspflicht dokumentieren zu können und damit die Sicherheit der Wanderer zu garantieren. Die Gemeinde wolle Sicherheit, betont der Bürgermeister – auch im Hinblick auf die Statik. 

Deshalb sei ein Ingenieur mit der Ausschreibung für die Metallbauarbeiten beauftragt worden. Ein zertifiziertes Unternehmen in der Schweiz, das die Arbeiten ausführen darf, hat die Kommune ebenfalls bereits an der Hand.

Neuer Mechanismus

So fehlte bis dato nur noch die Freigabe für den zu verwendenden Anker, der künftig den Steg an der Wand halten soll. Wenn das Wetter mitspielt, kann die Spezialfirma bereits mit dem Stegebau beginnen. Abschließend soll die Schlucht künftig sowohl oben am Schloss als auch unten am Steg mit einem Tor verschlossen werden. 

Ein Tor gibt es bereits am Steg, damit die Schlucht im Winter oder eben für Bauarbeiten gesperrt werden kann. Künftig soll es einen Fluchtmechanismus geben, damit Wanderer, die aus Versehen in die gesperrte Schlucht gelangt sind, diese wieder verlassen können. Auch einen Zählmechanismus wird es geben, damit man die Nutzerzahlen und Frequenz kenne, so Rinke. 

Dass die Gemeinde in Sachen Pöllatschlucht alles richtig gemacht hat, wurden Rinke und seiner Verwaltung gerade erst in einer E-Mail der Staatsregierung bestätigt. Darin verweist die Regierung auf die Eigenverantwortung und Eigenvorsorge der Kommunen, vor allem im Hinblick auf Klimawandel und damit verbundene Georisiken. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, weiß der Schwangauer Rathauschef. Der Verwaltungschef geht davon aus, dass der Sommerwanderweg noch im Sommer kommenden Jahres wieder für Wanderer freigegeben werden kann.

Oliver Sommer

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