Geologische Gefahren erkennen

Das Ostallgäu bekommt eine Gefahrenhinweiskarte für so genannte geogene Naturgefahren. Was sie kann: aufzeigen wo am ehesten Felsstürze, Rutschungen oder Hanganbrüche drohen und so helfen, Schäden oder gar Verletzte und Tote zu vermeiden. Was sie nicht kann: genau definieren, wo man nahe Gebirgshängen bauen darf und wo nicht, denn sie ist nicht rechtsverbindlich. Sie soll aber bei Versicherungsfragen helfen, so Dr. Andreas von Poschinger vom Landesamt für Umwelt (LFU), das die Karte erstellt.

Auf der Gefahrenhinweiskarte sollen Gebiete markiert sein, in denen die Gefahr durch herabstürzendes Gestein oder Hänge, die abrutschen, besonders hoch ist. Eine übersichtliche, vereinfachte Karte soll jedermann im Internet einsehen können, eine detailliertere Version sollen die Gemeinden und das Landratsamt inklusive einer Einführung erhalten. Vorher müssen die Geologen aber erst noch die Gefahrengebiete ausmachen. Wie sie dabei vorgehen, das erklärte Diplomgeologin Simone Patula. Bei der Gefahrenkarte etwa für Steinschlag, im Maßstab 1:10000 erstellen sie ein Geländemodell in 3D und laden ein Luftbild des Gebiets darauf. Dann projizieren sie Daten aus dem so genannten Georisk-Kataster, das Steinschläge seit 1987 gespeichert hat, auf das Areal und berechnen, von welchem Ausgangspunkt ein großer Geröllbrocken wie weit fallen würde, und ob er bebautes Gebiet erreichen kann. Auch der Wald, der Steinschlägen entgegenwirken kann, wird miteinberechnet. Ohne Muren und Lawinen Neben dem Steinschlag sollen auch Hangrutschungen erfasst werden, Nicht zu den geologischen Gefahren gehören jedoch Murenabgänge, Lawinen oder Hochwasser, die eben nicht geologischen Ursprungs sind. „Ich bin immer wieder baff wie genau unsere Computersimulationen sind “, erklärte von Poschinger, betonte jedoch auch, dass immer ein Restrisiko bleibt. Die Idee ist keine bayerische – in der Schweiz gibt es solche Karten schon seit längerer Zeit, die Firma Geotest aus Davos erstellt für das LFU die Computer-Modelle. Da die Karte nicht rechtsverbindlich ist bleibt ein Problem: Wer haftet, wenn etwa das Landratsamt den Bau eines Hauses in einem – laut Karte – Gefahrengebiet genehmigt und dann Schäden oder gar Verletzte oder Tote die Folge sind? Diese Frage konnte im Rahmen der Veranstaltung nicht vollends geklärt werden, Gudrun Hummel, Abteilungsleiterin der Ostallgäuer Bauverwaltung befürchtete jedoch „wir werden uns sehr restriktiv verhalten müssen“. Eine weitere Befürchtung: Versicherungen könnten sich weigern, Häuser im Gefahrenbereich zu versichern. Hierzu meinte von Poschinger, dass die Versicherbarkeit in den kartierten Gebieten um 2/3 gestiegen sei, da viele gebirgsnahe Gebäude nun erwiesener Maßen im gefahrlosen Bereich liegen. Die Ostallgäuer Hinweiskarte soll noch dieses Jahr zur Verfügung stehen, bis Ende 2001 soll das gesamt Bayerische Alpenvorland, vom Oberallgäu bis nach Berchtesgaden solche Karten haben.

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