Gemeinde Vils kauft Gebäudekomplex im Stadtzentrum

Keine Prostituierten im "Grünen Baum"

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Aus dem ehemaligen Hotel am Urisee soll ein Bordell werden. Das Landesverwaltungsgericht hat das Vorhaben bereits gebilligt.

Reutte/Vils – Wenn in naher Zukunft vom „kleinen Grenzverkehr“ zwischen dem Allgäu und Tirol die Rede sein wird, so entbehrt das nicht einer gewissen Pikanterie. Könnten doch Schelme damit einen Besuch des „Urisee’s“ vermuten.

Am bekannten Naherholungsgebiet oberhalb von Reutte ist im dortigen ehemaligen Hotel bekanntlich ein Etablissement der besonderen Art im Entstehen: Dort wird in absehbarer Zeit ein Freudenhaus die Pforten öffnen. Im Nachbarörtchen Vils schmeckt das aber nicht jedem. 

Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat das Bordell am Urisee mittlerweile bewilligt. Nicht zur Freude aller in der Bevölkerung. Die deutsche Betreiberin hatte gegen die ablehnende Bedarfsprüfung des Reuttener Bürgermeisters Luis Oberer Berufung erhoben – und gewonnen. 

Der Vilser Gemeinderat hat den „Grünen Baum“ der Bordell-Betreiberin für 800.000 Euro quasi vor der Nase weg geschnappt.

Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat sein Urteil auch auf die längst erfolgte Widmung als „Sonderfläche Bordell“ durch den Reuttener Gemeinderates gestützt. In Reutte gehen die Arbeiten und Behördenverfahren derweil in die Zielgerade. Die gewerberechtlichen Verfahren mit der Bezirkshauptmannschaft scheinen über die Bühne zu sein, baurechtlich sind allerdings noch nicht alle Fragen geklärt. 

Die Bezirkshauptmannschaft ist einerseits über die notwendigen gesundheitsbehördlichen Untersuchungen, also den Amtsarzt, involviert, andererseits als Gewerbebehörde für die Betriebsanlagengenehmigung und damit Auflagen für den Gastronomie- und künftigen Wellnessbereich zuständig. Und natürlich auch als Strafbehörde, sollte es zu Übertretungen kommen.

Die Gemeinde Reutte wiederum ist in allen Belangen der Ruhe und Ordnung nach dem Landespolizeigesetz eingebunden. Eine Zufahrt von der Umfahrungsstraße aus wird es allerdings nicht geben. 

Ängste, über eine kriminelle Bedrohungslage, die da und dort in der Reuttener Bevölkerung formuliert wurden, will die künftige Betreiberin gleich zerstreuen und verweist sie in die Sagenwelt. Dass ein Bordell wie selbstverständlich Folgekriminalität nach sich ziehe, kann sie nicht nachvollziehen. Reutte mit Millionenmetropolen zu vergleichen, ist für Cornelia F. vollkommen an den Haaren herbeigezogen. 

Diese Horrorszenarien seien Erfindungen, sonst nichts. Weder in Innsbruck oder in Kempten, wo es mehrere Freudenhäuser gebe, sei deshalb erhöhte Kriminalität ein Thema, argumentiert sie. Sie will mit den Behörden zusammenarbeiten, kündigte sie an, und schon allein dadurch hätten Illegalität und Kriminalität keinen Platz. 

Vils schaltet sich ein

Nun ist die „Causa Bordell“ aber über die Gemeindegrenzen von Reutte hinaus geschwappt. Plötzlich ist das Grenzstädtchen Vils hautnah involviert. Die Vorgeschichte: Nach österreichischem Recht dürfen Prostituierte nicht in jenem Gebäude übernachten, in dem sie ihrem Geschäft nachgehen. Damit fiel der Reuttener Standort, der zwar genügend Platz für beides bieten würde, aus. Dort kann nur der „geschäftliche Teil“ betrieben werden. 

Cornelia F. und ihr Freund gingen daher auf die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für ihre rund 20 bis 30 erwarteten Sexarbeiterinnen – und glaubten in Vils fündig geworden zu sein. Ins Auge gestochen war ihnen nämlich der „Grüne Baum“, ein Komplex mitten im Zentrum der Stadt, der schon bessere Zeiten gesehen hat und nunmehr seit Jahren leer steht. 

Den Deutschen war es mehr als ernst, das Vilser Objekt auf Mietkaufbasis zu erwerben. Man hatte dabei eine Mehrfachnutzung für den „Grünen Baum“ ins Auge gefasst: einerseits selbst dort zu wohnen und die dauernd wechselnden Prostituierten unterzubringen, andererseits im Parterre eine Pizzeria und Eisdiele zu betreiben. 

Vilser Schnellbeschluss

Daraufhin wurden die Vilser Stadtväter aktiv: Der Gemeinderat unter Vizebürgermeister Manfred Immler, der die Stadt seit dem plötzlichen Ableben von Bürgermeister Günter Keller interimsmäßig führt, fasste einen „Schnellbeschluss“. Die Stadt Vils legte daraufhin ein verbindliches und vorher mit der Bank vereinbartes Kaufangebot von 800.000 Euro für die Liegenschaft mit zehn Ja- und nur einer Nein-Stimme vor. Damit macht die Kaufsumme immerhin rund ein Viertel des Jahresbudgets der kleinen Grenz-Stadt aus. 

Den Brocken sind die Gemeindeverantwortlichen aber bereit zu stemmen, haben sie doch nun die Hand auf dem Gebäude, das das Stadtbild von Vils entscheidend mitprägt. Über die weitere Verwendung des Gebäudes gibt es aber noch keine konkreten Ideen. „Von Abriss bis zu Teilumbau oder Weiterverkauf ist alles möglich“, erklärt Immler. Er habe erste Gespräche mit Personen, die dafür in Frage kämen, aufgenommen. Vor September – wenn die nächste Gemeinderatssitzung stattfindet – sei aber in Bezug auf den „Grünen Baum“ keine wie immer geartete Festlegung zu erwarten. 

„Wichtig ist, dass jetzt wir in der Hand haben, was passiert“, argumentiert der Vize bestimmt. Und meint damit die Mitinteressentin vom „Urisee“, die unbedingt ausgebremst werden sollte. Sie muss also weiter im Außerfern Mietobjekte für ihre Damen suchen.

Hans Nikolussi

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