Geschäftsleute gegen Fußgängerzone

„Die Gemeinde kann nur die Rahmenbedingungen schaffen“: Bürgermeister Alois Oberer auf der Bürgerversammlung in der Sporthalle. Foto: gau

Wo ist das Zentrum des Raums Reutte und wie lässt es sich beleben? Mobilität und ihre Lenkung – das waren die Frageansätze, die man im Anschluss an die Mobilitätswoche in Reutte bei der Bürgerversammlung diskutieren wollte. Herausgekommen ist eine Diskussion, die Handlungsbedarf zeigte viele Fragen aber offen ließ oder neue aufwarf.

Bürgermeister Alois Oberer äußerte sich skeptisch, ob eine Südumfahrung um Reutte wirklich die Entlastung brächte. Der Wille sei da, so Oberer, doch wolle man in der Marktgemeinde keinen Alleingang, auch die finanzielle Situation zwinge zu einer Kooperation im Talkessel. Man habe während der Mobilitätswoche gesehen, was möglich sei, es sei ein Experiment gewesen, allein es hätten noch die Highlights gefehlt, gestand Oberer. Doch was auch immer kommen soll, die Gemeinde könne nur die Rahmenbedingungen schaffen, fürs „Geschäft sei jeder selbst verantwortlich“, also für die Umsetzung. Dabei erkannte Oberer aber auch die Widersprüche, die sich aus Mobilität und Verkehrsberuhigung ergeben, einem attraktiven Zentrum und den Frequenzbringern, die sich eben nur dort ansiedeln, wo auch das Geschäft zu erwarten ist. Das wurde in der sich anschließenden Diskussion deutlicher, in der unter anderem die Geschäftsleute, vor allem aus dem Untermarkt, ihre Erfahrungen einbrachten. Und deren Quintessenz lautete: eine Fußgängerzone Untermarkt ist tot – analog zu einer steirischen Gemeinde, die das probiert hatte. Touristen beleben Füssen In Reutte brauche es Parkplätze vor der Haustür oder ein Parkhaus, das in die Geschäftszone hineinreicht, andernfalls blieben die Käufer an der Peripherie und den großen Einkaufszentren. Reutte habe ein zu kleines Einzugsgebiet für eine Fußgängerzone, so Christian Senn von der Kaufmannschaft – hätte Füssen nicht zwei Millionen Touristen, die aber vorwiegend flanieren und nicht kaufen wollten, jährlich, wäre die Fußgängerzone auch ausgestorben. Andererseits fehlten im Talkessel aber die Touristen Das sei die Folge fehlender Übernachtungsmöglichkeiten. Die Fragestellung, aber auch die Diskussion, so schien es, war ein Teufelskreis – hatte man das eine Problem erkannt, tat sich daraus das nächste auf. Das wiederum nur zu lösen ist, wenn man an anderer Stelle tätig wird. Seit Jahren, im Falle der Südumfahrung seit zweieinhalb Jahrzehnten wird in Reutte und den Nachbargemeinden das Thema „Verkehr“ in all seine Varianten diskutiert, wie in der Bürgerversammlung deutlich wurde ohne wirklich eine Lösung zu finden, oder, wie es Oberer im Hinblick auf die Umfahrung Heiterwang, die man rasch realisiert hat, ausdrückte: „wenn man es wollte, hätte man eine Lösung“. Doch während die Diskussion selbst ohne wirkliche Ergebnisse blieb, hatten die Zuhörer die Möglichkeit, ihre Ideen und Eindrücke schriftlich festzuhalten und den Verantwortlichen aus Politik, Gemeinde und Institutionen mit auf den Weg zu geben – vielleicht war dabei ja schon die eine oder andere gute Idee.

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