Die Geschichte lebt

Die Spindeluhr mit Doppeladler von Johan Maurer gehört zu den Prachtstücken der Uhrenausstellung im Refektorium des Klosters St. Mang. Foto: Kulturamt

Dass Füssen die Stadt der Lauten- und Geigenmacher ist, davon zeugen lebendige Werkstätten in Füssen und auch die Landesausstellung im vergangenen Jahr dokumentierte es eindrucksvoll. Dass Füssen auch Heimat eines weiteren anspruchsvollen Handwerks – dem der Uhrmacher – war, davon zeugt eine Ausstellung, die am Samstag im Refektorium des Klosters St. Mang beginnt.

1750 kam ein gewisser Johan Maurer 26-jährig von Sonthofen nach Füssen und heiratete die Bäckerstochter Victoria Kolb. Im selben Jahr erhielt er das Bürgerrecht der Stadt Füssen und konnte dem Uhrmacherhandwerk nachgehen. Das wissen Dieter und Ralph Prinz, Vater und Sohn, beide Uhrmachermeister in Füssen. Sie sind Mitinitiatoren der Ausstellung, haben einige Fakten aus der Vergangenheit ausgegraben und steuern selbst einige wertvolle Uhren aus ihrem Besitz leihweise bei. Die haben sie in ihrem Geschäft, Juwelier Wollnitza in der Altstadt, selbst restauriert. Um 1760, wissen die Experten, entstand eine noch heute erhaltene Spindeltaschenuhr von „Johan Maurer à Fiessen“. Eine zweite entstand um 1780, deren Spindelbrücke als Doppeladler gearbeitet war – wohl eine Darstellung zum Füssener Frieden von 1745. Prachtvolle Kunst und Hightech aus dieser Zeit zugleich sind diese kompakten Taschenuhren. Leider nicht vor Ort zu bewundern sein wird eine Totenkopfuhr Maurers, denn sie ging nach der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts nach London und liegt heute im britischen Museum. Doch nicht nur im Taschenformat, auch im Großen fertigten die Uhrmacher, deren Handwerk in der Schlosserei ihren Ursprung nahm, die Zeitmesser. Beispiele sind die Turmuhr von Sankt Mang oder auch die Konventuhren der Klöster. Die Konventuhr von Sankt Mang steuerte alle Uhren im Gebäude zentral. Das Uhrwerk befand sich über dem Tor zum Klosterhof, Gestänge liefen durch das Gebäude zu jedem Zifferblatt. Johann Thomas Barensteiner baute sie 1725. Eine besonders schöne Konventuhr wurde 1750 für das Franziskanerkloster von Johannes Capistran Silbernagl gebaut. Aussterbendes Handwerk Heute jedoch, erzählt Dieter Prinz, ist das Uhrmacherhandwerk ein aussterbendes. Berufsschulen bekommen kaum noch Klassen zusammen, die Kundennachfrage nach Uhr-Reparaturen sinkt. „Wer leistet sich das denn heute noch?“, fragt sich Prinz, der in der 80er Jahren nach Füssen kam und an der Entdeckung der Uhrmacher-Geschichte der Lechstadt maßgeblich beteiligt war. Lang ist die Liste der Füssener Uhrmacher, die er erstellt hat. Viel ist auch dem Kulturamt, dem Stadtarchiv und dem dem Historischen Verein „Alt-Füssen“ zu verdanken. Was ein Uhrmachermeister alles kann, das wird im Refektorium zu sehen sein, denn viele der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Ausstellungsstücke sehen aus, als wären sie fabrikneue Nachbildungen – Dank professioneller Restauratur. Ab dem kommenden Samstag, 4. Juni, ist die Sonderausstellung im Refektorium des Klosters St. Mang geöffnet und zwar noch bis zum 13. Juli. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr.

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