Geschichte sehen, hören, riechen

"Kaiser, Kult und Casanova" heißt es ab heute im Kloster St. Mang. Zusammen mit Augsburg wird Füssen die diesjährige Bayerische Landesausstellung beherbergen. Im Füssener Teil der Großereignisses können die Besucher im einen Einblick in die Geschichte Bayerns und Italiens von der Antike bis etwa 1800 gewinnen und dabei mehr als nur Augen und Ohren gebrauchen.

Noch arbeiteten Handwerker in den Klostergängen und an manch einer leeren Vitirine klebte ein so genannter Objektzettel, der bestimmt, welches Exponat hineinkommt, als am Mittwoch vergangener Woche die Presse im Rahmen eines "Preview" einen Blick in die Ausstellung werfen durfte. Bedingt durch die Architektur des Klosters, erklärte Rainhard Riepertinger von veranstaltenden Haus der Bayerischen Geschichte, ist der Weg durch die Ausstellung nicht unkompliziert. Jedoch klar strukturiert. In den Farben der italienischen Nationalflagge ist der Eingangsbereich gehalten. Von dort aus geht es in den ersten Raum, wo anhand der Geschichte eines römischen Legionärs die Antike beleuchtet wird. Dieser Erzählansatz zieht sich durch die gesamte Landesausstellung – geschichtliche Fakten werden an das persönliche Schicksal einer historischen Figur geknüpft. So erfährt der Besucher ganz nebenbei, dass Merkur nicht nur der römische Gott der Händler, sondern auch der Diebe war. Die Herzogstochter Theo-dolinde, Kaiser Ludwig der Bayer, dessen Krone in Form einer Replik zu sehen sein wird, oder der heilige Quirinus von Tegernsee sind weitere Personen, an die sich Geschichten knüpfen. So erfährt der Besucher etwa, wie man das nach dem heiligen benannte Quirinusöl gegen Ohrenschmerzen anwendet: Man träufle es in das kranke Ohr und neige den Kopf so lange zur Seite, bis es zum anderen Ohr herausläuft. Welch hohe Anforderungen die wertvollen Ausstellungsstücke an die Organisatoren stellen, erläuterte er anhand einer historischen Basslaute, die bereits in ihrer Vitrine liegt. Der Glaskasten verfügt über ein eigenes, vom Ausstellungsraum unabhängiges Klima. Schon die Anlieferung erfolgte im Klimabehälter, unter dem strengen Blick des Kuriers wurde das prachtvolle Instrument einer prominenten Füssener Lautenmacherfamilie installiert. Andere Exponate etwa erfordern wegen ihrer Lichtempfindlichkeit eine besondere Beleuchtung. Neben Sehen und Hören sollen noch andere Sinne angesprochen werden. Der Schrei eines Maultiers soll den Besuchern vergegenwärtigen, wie im Mittelalter Waren von Venedig über die Alpen nach Bayern transportiert worden sind. Es gibt dort darüber hinaus Texttilien zu fühlen und Gewürze zu riechen. Alle Sinne wollen die Verantwortlichen des Hauses der Bayerischen Geschichte bei den Besuchern auf diese Weise ansprechen. ps

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