Zahl der Straftaten steigt auf das Niveau von 2010

Wieder mehr Straftaten

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Durch verstärkte Kontrollen konnte die Polizei im vergangenen Jahr mehr Drogendelikte aufdecken.

Füssen/Landkreis – Rückholz verfügt über knapp 18 Quadratkilometer Fläche, hat etwas mehr als 800 Einwohner und ist der mit Abstand sicherste Ort im südlichen Altlandkreis. Exakt 14 Straftaten registrierten die Beamten der Polizeiinspektion (PI) Füssen dort im vergangenen Jahr.

Im Bereich der Stadt Füssen ereigneten sich im gleichen Zeitraum 1258 Straftaten – der höchste Wert seit 2010. „Die Straftaten haben deutlich zugenommen“, so Füssens Polizeichef Edmund Martin.

 So wurden im vergangenen Jahr bei der PI Füssen sowie der Polizeistation Pfronten insgesamt 1902 Straftaten und somit fast 400 mehr als im Jahr davor (1538) angezeigt, berichteten Martin, sein Stellvertreter Helmut Maucher und Wolfgang Hein, Leiter der Pfrontener Station. Auf einem ähnlichen hohen Niveau lagen die Zahlen demnach zuletzt 2010.

Das heiße jedoch nicht, dass Füssen und der Altlandkreis tatsächlich unsicherer geworden sind. Vielmehr seien ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Zahlen die verstärkten Grenzkontrollen im vergangenen Jahr, vor allem im Zusammenhang mit dem G7-Gipfel. Dazu kamen verstärkte Kontrollmaßnahmen durch die Schleierfahndung und die Verkehrspolizei. Stellten deren Beamten ein Delikt fest, floss es aufgrund der Örtlichkeit in die Statistik der Füssener mit ein.

Dem gegenüber steht eine deutlich bessere Aufklärungsquote als in 2014. So konnten die Füssener Beamten 76,7 Prozent der Straftaten (+5,5 Prozent) und ihre Kollegen in Pfronten 67,2 Prozent (+ 3,4) aufklären. Mit einer Quote von zusammen 75 Prozent liegt die heimische Polizei somit deutlich über dem Durchschnitt des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. „Wir haben eine starke Zunahme bei den Straftaten, aber auch eine sehr sehr gute Aufklärungsquote“, bilanzierte Martin.

"Schöne Erfolge"

 Unter anderem konnten seine Beamten eine vierköpfige Diebesbande aus Lechbruck verhaften, die beschuldigt wird, über 90 Einbrüche im Ostallgäu und dem Kreis Weilheim-Schongau verübt zu haben. Alle vier wurden mittlerweile zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Noch in Untersuchungshaft sitzen dagegen sechs Georgier, die beschuldigt werden, im V-Markt Füssen Ladendiebstahl begangen zu haben. Durch DNA-Proben konnten sie außerdem mit mehreren Einbrüchen in Verbindung gebracht werden. „Das sind schöne Erfolge“, so Helmut Maucher.

Darüber hinaus stießen die Ermittler auf eine Hanfplantage bei Eisenberg. Eine Zivilstreife konnte den Täter auf frischer Tat beim Ernten erwischen.

Dennoch ist der Anstieg bei den Drogendelikten besonders stark. Doch auch hier sei der Grund für den Anstieg vor allem die verstärkte Kontrollarbeit der Beamten. „Das ist ein Dunkelfeld, das man erhellen kann“, erklärte Martin. Er kündigte an, auch in Zukunft in diesem Bereich verstärkt tätig zu sein. „Diesen Bereich werden wir auch heuer nicht vernachlässigen, sondern noch mehr tun.“

Außerdem solle die Präventionsarbeit in Kindergärten und Schulen weiter verstärkt werden. „Wir schauen, dass wir die Kinder begleiten.“

Mehr Gewalt 

Stark gestiegen ist auch die sogenannte Gewaltkriminalität. Waren es hier im Jahr 2014 insgesamt noch 31 Delikte, verzeichneten die Beamten im vergangenen Jahr 53. Vor allem die Füssener mussten 26 Mal häufiger wegen Gewaltdelikten ausrücken als im Jahr zuvor. Auslöser sei häufig Trunkenheit und damit verbundene Aggressionen bei Nachtschwärmern. Dazu kommt eine als versuchter Mord gewertete Tat durch einen Asylbewerber, der seiner Ex-Freundin aufgelauert und niedergestochen hatte (der Kreisbote berichtete). Der Mann ist mittlerweile zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Nach wie vor im Dunklen tappen die Ermittler dagegen im Fall eines Ende vergangenen Jahres in Hopfen überfallenen und mit Eisenstangen niedergeschlagenen Paares (der Kreisbote berichtete). Obwohl die Polizei die Tat als versuchten Totschlag wertet, gebe es noch immer keine heiße Spur.

Weniger Einbrüche 

Entgegen dem bundesweiten Trend rückläufig ist dagegen die Zahl der Einbrüche, die von 19 Fällen in 2014 auf neun in 2015 sank.

Dennoch: „Das ist etwas, was die Bürger ganz besonders trifft“, sagte Martin. „Da haben viele eine psychische Belastung über Jahre hinweg.“ Meist gehörten die Täter zu osteuropäische Banden. Allerdings könne auch in diesem Bereich viel durch Prävention und relativ einfache Maßnahmen wie ein Bewegungsmelder im Garten geleistet werden, erklärten die drei leitenden Beamten. So gebe es unter anderem bei der Kripo in Kempten Fachberater für Einbruchsprävention. „Da stecken wir viel Kraft rein“, so Martin.

„Nach wie vor auf hohem Niveau und steigend“ sei die Zahl der sogenannten Betrugs-, Vermögens- und Fälschungsdelikte. Da die Täter aber meist im Ausland sitzen und ihre Spuren geschickt verwischen, könnten die Beamten außer präventive Maßnahmen kaum etwas gegen diese Verbrechen unternehmen.

 Trotz der hohen Arbeitsbelastung der Beamten könne sich das Ergebnis sehen lassen, so Martin. Auch in diesem Jahr wolle seine Mannschaft durch Präsenz in der Öffentlichkeit, Präventionsarbeit und bürgernahe Polizeiarbeit den eingeschlagenen Weg fortsetzen.

Matthias Matz

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