Gleiche Bildungschancen

In der aktuellen Schuldiskussion verweisen Bildungsexperten immer wieder auf Finnland. Die Regionalentwicklung Außerfern lud kürzlich zum Erfahrungsaustausch mit finnischen Kollegen.

Zahlreiche Direktoren, Lehrer und Bürgermeister sowie Bezirkshauptmann Dr. Dietmar Schennach nutzten die Gelegenheit, dem hoch gelobten finnischen Bildungssystem auf den Zahn zu fühlen. Im Verlauf der Diskussion wurde rasch klar: Die Unterschiede zwischen dem österreichischen und finnischen Schulsystem sind groß. So ist der Weg zum Lehrberuf in Finnland wesentlich selektiver. Studienplätze gibt es nur nach einem positiven Aufnahmetest. Jeder Lehrer durchläuft eine fünfjährige akademische Ausbildung. Pädagogische und fachliche Inhalte stehen dabei in einem ausgewogenen Verhältnis. Wartelisten oder Jobgarantie für junge Lehrer gibt es nicht. Jede Schule sucht sich ihr Lehrpersonal in einem offenen Bewerbungsverfahren. Nicht nur die Schulen, auch die Lehrer genießen wesentlich mehr Autonomie etwa in der pädagogischen Gestaltung des Unterrichts. Die Trennung in Gymnasium und Berufsschule erfolgt erst nach der neunten Schulstufe. Angesprochen auf die guten PISA-Ergebnisse bei den 15jährigen meinte die finnische Bildungsexpertin Christell Aaström: „Gute und weniger gute Schüler werden gemeinsam unterrichtet. Wer zurückbleibt, bekommt eine individuelle Förderung. Seppo Kostkinen ergänzte: „Die Kinder des Politikers und des Arbeiters drücken gemeinsam die Schulbank. Unser System baut auf gleichen Bildungschancen für alle Bevölkerungsschichten.“ Gerfried Breuss, Direktor der Hauptschule Untermarkt, sah sich durch den Erfahrungsbericht der Finnen bestätigt: „Die Kinder erfahren im finnischen System eine bessere Förderung entsprechend ihren jeweiligen Stärken und Schwächen. Eine zu frühe Selektion setzt Eltern und Kinder unnötig unter Druck“. kb

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