Vereinigte Schützengesellschaft Schwangau blickt in einem Festakt auf ihre 175-jährige Geschichte zurück

Jubelschüsse zur königlichen Hochzeit

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Die Schwangauer Verein versammeln sich zum Festgottesdienst in Waltenhofen.

Schwangau – Mit einem Gottesdienst und Festabend hat die Vereinigte Schützengesellschaft VGS Schwangau ihr 175-jähriges Bestehen gefeiert. Zum Festabend im Schwangauer Schlossbrauhaus waren neben zahlreichen Ehrengästen auch die Patenvereine der Schützen eingeladen.

Auf fast 200 Jahre Geschichte können die Schützen in Schwangau zurückblicken. Die Schützengesellschaft, die 1960 vereidigt wurde, war von Anfang an eng mit dem bayerischen Königshaus verbunden. Hatten doch die Wittelsbacher um 1840 gerade Hohenschwangau entdeckt und als Domizil auserkoren.

So feierte König Max von Bayern seine Vermählung mit Prinzessin Marie 1842 mit einem großen Hochzeitsschießen, zu dem 200 Schützen kamen. Und aus dem Gründungsjahr 1841 ist eine der Schießscheiben als Kopie noch vorhanden.

Erste Wettkämpfe 1789

 Doch die Jäger, Förster und auch Gendarmen übten schon früher ihre Schießkünste und maßen sich im Wettkampf. So finden sich Belege, dass in Schwangau bereits 1789 wettkampfmäßig mit Schützen aus Tirol und Bayern geschossen wurde.

Was alles in diesen Jahren in Schwangau und der Region passiert ist, ließen die Schützen in einer lebendigen Revue passieren. Begonnen hatte der Festabend aber in der Kirche St. Maria und Florian in Waltenhofen, wo Pfarrer Markus Dörre mit allen Schwangauer Vereinen einen Gottesdienst zelebrierte. In seiner Predigt verglich der Pfarrer den Schießsport mit dem Glauben, „es ist alles eine Frage der Haltung“. Eine falsche Haltung könne alles vereiteln, was sonst möglich wäre. Ebenso sei es im Glauben. „Eine falsche Haltung, die falsche innere Einstellung, verwehrt es mir auch, das Ziel und den Sinn meines Lebens im Visier zu behalten“, so Dörre.

Dabei sei die wohl wichtigste Haltung, die dem Gläubigen helfe ins Schwarze zu treffen, so der Pfarrer, die Liebe. Anschließend ging es angeführt von der Musikkapelle, zum Schloßbrauhaus, wo die Fahnenabordnungen aller Schwangauer Vereine sowie des Patenvereins aus Trauchgau und dem „Patenkind“ aus Seeg in den Festsaal einmarschierten.

Hier erwarteten die Festgäste, darunter die Ostallgäuer Landrätin Maira Rita Zinnecker (CSU) und der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU), den Jubiläumsverein. Nach dem Festmahl folgte die Chronik. Damit es nicht so langweilig werde, so der erste Schützenmeister Franz Gerster, habe man sie als „klein‘s Stückerl“ geschrieben, in dem Johannes Keck und Dominik Beh den wissbegierigen Nachwuchs spielten.

Sie fanden dabei heraus, dass die Schützen seinerzeit als Taufpaten für den bayerischen König, Ludwig II. hätten agieren können. Kam der doch erst vier Jahre nach der Vereinsgründung 1845 auf die Welt. Mittlerweile ist der Verein aber selbst Pate für die Seeger Schützen und Patenkind der Trauchgauer Schützen.

80 Jahre Mitglied

 Dass die beiden Burschen überhaupt so viel über die Vergangenheit erfuhren, verdankten sie dem Vereinswappen der VSG. Das wurde just fürs Jubiläum lebendig, um aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen. Etwa, dass man in Schwangau die erste Kleinkaliberstrecke in Schwangau hatte, als Charles Lindbergh den Atlantik überquerte. Dass die Schützen heute überhaupt als Vereinigte Schützengesellschaft geführt werden, liegt daran, dass in den Ortsteilen Schwangau-Waltenhofen, Horn und Hohenschwangau eigenständige Vereine existierten und noch bis zur Vereinigung 1960 separat schossen.

Noch immer aber ist der Verein dem Königshaus treu verbunden, so gibt es etwa seit 1963 das Thurn-und-Taxis-Schießen, das seinerzeit Prinz Max Emanuel von Thurn und Taxis ins Leben rief und seitdem jährlich als Schirmherr sponsert und eine Ehrenscheibe auslobt. Wie sein Sohn Prinz Hubertus feierte auch Max Emanuel mit seinen Schützen. Diese sorgten 2007 mit einem besonderen Jubiläum für Schlagzeilen.

In seinem 101 Lebensjahr wurde Sebastian Keck für 80 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Ein Jubiläum, das es bis dahin noch nie gegeben hatte. Erinnert sei dabei aber auch an den früheren Schützenmeister Karl Diepolder, der immerhin 73 Jahre Mitglied war.

Die Dritte im Bunde der besonderen Mitglieder dürfte Maria Steiger sein. Sie baten die Geschichtsforscher eigens auf die Bühne, um sich mit einem Strauß Blumen für ihre Leistungen zu bedanken: Maria Steiger ist dreimalige Gauschützenkönigin und holte mehrfach Siege für die Schwangauer. „Immer das Ziel vor Augen haben“, gab sie dem Nachwuchs mit auf den Weg. Wobei nicht nur die Zielscheibe gemeint war, sondern auch die persönlichen Lebensziele, auf die man hinarbeite, wie eben Gauschützenkönig oder -Königin zu werden.

Lob vom Bürgermeister

Welche Bedeutung den Vereinen im Dorf zukommt, betonte Stefan Rinke. Der Schwangauer Bürgermeister eröffnete den Reigen der Festansprachen und erinnerte an die Verbundenheit mit dem Hause Wittelsbach. Er gratulierte im Namen der Gemeinde. Der Verein bereichere das sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben im Dorf, und biete dem Nachwuchs eine einzigartige Schule für „ Auge, Hand und Geist“.

Auch mache die Brauchtumspflege des Vereins den Ort lebenswert. Anschließend zeigte sich die Landrätin begeistert von der VSG, insbesondere von dem abwechslungsreichen Rückblick. „Respekt für die Gründungsväter vor 175 Jahren“, so Zinnecker, dass der Verein so lange existieren habe können. Mit Werten wie Kameradschaft, Tradition und Brauchtum zeichneten sich die Schützenvereine im Gau besonders aus, sie würden den Landkreis absolut bereichern, sagte Landrätin Zinnecker.

Neben dem Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke gehörte auch der erste Gauschützenmeister Hans Peter Christen zu den Gratulanten. Christen hatte zu der Feier einige „Geschenke“ mitgebracht. Neben einer Ehrenscheibe für den Verein und einem goldenen Fahnennagel überreichte der erste Gauschützenmeister dem Schwangauer Altbürgermeister Reinhold Sontheimer das Gau-Ehrenzeichen in Bronze für seine langjährigen Verdienste im Verein.

Oliver Sommer

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