Für über sechs Millionen Euro soll der Wildfluss im Lechtal revitalisiert werden

Für einen natürlichen Lech

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Mit einem symbolischen Spatenstich geben Martin Grambow (v.l.), Markus Federspiel (Land Tirol/Abt. Wasserwirtschaft), Maria Patek, LHStvin Ingrid Felipe, LHStv Josef Geisler, Bürgermeister Heinrich Ginther, Wolfgang Klien und BH Konrad Geisler das Signal für die Neuauflage des LIFE-Projekts. Foto: ed

Elmen – Riesige Schotterbänke, breite Auwaldbereiche und eine beeindruckende Artenvielfalt zeichnen den Lech aus. Zum zweiten Mal hat das Lechtal jetzt den Zuschlag der EU für ein LIFE-Projekt zur Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume bekommen.

Bis 2021 stehen damit mehr als sechs Millionen Euro von EU, Umweltministerium, Land und Gemeinden für die Flussrevitalisierung im Oberlauf zur Verfügung. Auch der Freistaat Bayern ist mit dabei. In den kommenden fünf Jahren sind Artenschutzmaßnahmen und elf Baumaßnahmen geplant. Den Anfang macht demnach Elmen.

„Wenn es darum geht, Förderungen abzuholen und etwas daraus zu machen, ist das Lechtal einsame Spitze“, gratuliert Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler anlässlich des offiziellen Auftakts für das zweite LIFE-Lech Projekt zur Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume am Lech. „Nimmt man alle Fördertöpfe zusammen, fließen im Zeitraum 2001 bis 2025 rund 45 Millionen Euro an Fördergeld“, teilte er mit. „Damit hat sich das Lechtal erfolgreich als Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften, naturnahen Qualitätstourismus und einen sicheren Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen positioniert.“ 

Für Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe ist „der Lech ein wunderbares Beispiel dafür, dass Naturschutz und nachhaltiger Tourismus Hand in Hand gehen. Ich freue mich, dass wir in Tirol ein so beispielhaftes Naturjuwel haben, das Vorzeigecharakter hat.“

Neben dem LIFE-Projekt profitiert das Lechtal vom mittlerweile zweiten regionalwirtschaftlichen Programm sowie vom Sonderförderungsprogramm „Naturpark Tiroler Lech“. Stolz auf die Entwicklung ist auch der Obmann des Vereins „Naturparkt Tiroler Lech“, Bürgermeister Heinrich Ginther: „Es geht nichts mehr – dieser Meinung war man auch im Außerfern, als der Lech als Natura 2000 Gebiet ausgewiesen wurde“, erinnerte er sich. 

„Wir haben das Gegenteil bewiesen. Und mit der Neuauflage des LIFE-Projekts machen wir einen weiteren Schritt nach vorne“, freute er sich. 2006 wurde der Verein „Naturpark Tiroler Lech“ gegründet. Seitdem ist viel passiert. Im Zuge des nunmehrigen LIFE Lech-Projekts werde man neuerlich in Besucherinformation und Besucherlenkung investieren.

Für die Wasser-Sektionschefin Maria Patek aus BMFLUW „ist es eine große Freude, dass es wieder gelungen ist, mit großer Unterstützung der EU und der Sektion Wasser dieses Projekt finanziell auf die Beine zu stellen.“ 

Gemeinsam mit der Bundeswasserbauverwaltung Tirol werde das BMLFUW in den nächsten Jahren rund 2,3 Millionen Euro für dieses Projekt bereitstellen, kündigte sie an. „Gerade am Lech, einer der letzten natürlichen großen Flusslandschaften in ganz Europa, wollen wir uns besonders engagieren und auch die Bevölkerung aktiv einbinden.“ 

Gute Zusammenarbeit

„Der Lech ist heute ein stark veränderter Fluss. Er hat sehr viel von seiner ursprünglichen Wildheit verloren. Daher ist das heute startende grenzüberschreitende Life-Projekt ‚Dynamic River System Lech‘ ein wichtiger Schritt zurück zur Natürlichkeit“, freute sich auch Martin Grambow vom Bayerischen Umweltministerium. 

Im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie werde bereits seit vielen Jahre grenzüberschreitend gut zusammen gearbeitet. „Wir werden jetzt gemeinsam in diesem Projekt die Dynamik des Lechs ein gutes Stück weit reaktivieren. 

Der Fluss soll sich wieder in Richtung verzweigte Wildflusslandschaft entwickeln.“ Über die EU-Finanzierungsschiene LIFE hat das Lechtal in den Jahren 2001 bis 2007 bereits 7,8 Millionen Euro lukriert und in die großen Flussaufweitungen in Vils und im Bereich Johannesbrücke/Forchach und Martinau/Elmen investiert. 

In den kommenden fünf Jahren stehen nochmals sechs Millionen Euro zur Verfügung. „Auf einer Länge von zehn Kilometern sind insgesamt elf flussbauliche Maßnahmen geplant, um dem Lech mehr Raum zu geben. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf den Oberlauf des Lech zwischen Holzgau und Vorderhornbach“, erläuterte Wolfgang Klien vom Baubezirksamt Reutte.

Im Zuge dieser Maßnahmen werden Ufersicherungen entfernt, Ufer aufgeweitet und Nebengerinne angelegt. Die Gemeinden Elbigenalp und Bach erhalten einen Hochwasserschutz. Den Auftakt macht dabei die Flussaufweitung in Elmen/Nussau. Dort werden am linken Lechufer bis Ende des Jahres auf einer Länge von 1,3 Kilometern vor Jahrzehnten errichtete Bauwerke zum Teil wieder abgetragen. Dadurch soll der Lech in diesem Bereich wieder mehr Platz gewinnen. 

Der Lech werde dabei das jetzige Augebiet in ein natürliches Flussbett umwandeln. Neue Schotterbänke würden entstehen. Davon würden Arten wie beispielsweise die Gefleckte Schnarrschrecke oder die Deutsche Tamariske profitieren. Die voraussichtlich nächste flussbauliche Maßnahme wird in Häselgehr umgesetzt.

kb

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