Grobe Ideen für neues Bürgerspital

Die Frage, was aus dem Bürgerspital wird, wenn es Ende des Jahres kein Altenheim mehr darin gibt, beschäftigte jetzt den Seniorenbeirat des Stadtrates. Foto: cf

Was wird aus dem Bürgerspital, wenn es gen Jahresende kein Altenheim mehr beheimatet? Mit dieser Frage hat sich am vergangenen Donnerstag der Seniorenbeirat des Stadtrates befasst. Gemäß dem Stiftungsgedanken muss es weiterhin ein Haus sein, das Wohnraum für alte, bedürftige Menschen zu Verfügung stellt. Der Beirat rang sich schließlich zu einem Ideenpapier als Arbeitsgrundlage für den Stadtrat durch, verrannte sich in der über zweieinhalbstündigen Sitzung bisweilen aber in Detailfragen.

Mit einem historischen Exkurs begann Andreas Rösel, bei der Stadtverwaltung mit der Spitalstiftung betraut, die Sitzung. Die Stiftung geht zurück auf das Jahr 1465. Wenn sie sich heuer eine neue Satzung gibt, um das Gebäude nach der Nutzung als Altenheim einem neuen Zweck zuzuführen, so muss sie dabei den Willen der ursprünglichen Stifter wahren. Der lautete vor knapp 550 Jahren, ein Haus für alte, bedürftige, gebrechliche und kranke christliche Männer und Frauen zu bauen und gilt noch heute. Daher erteilte Rösel den Absichten von Joachim Spengler und Cilly Kahle eine Absage. Der evangelische Pfarrer schlug vor, über die Seniorennutzung hinaus zu gehen während die ehemalige Kulturamtschefin das Haus nicht nur für Bedürftige, sondern auch für besser Betuchte öffnen wollte. „Wir haben einen Rahmen und aus dem können wir nicht raus“, stellte Rösel klar. Demnach ist Wohnraum für Senioren Pflicht. Der muss außerdem günstig sein und eine Betreuung braucht es auch. In diesem Rahmen jedoch forderte die Beiratsvorsitzende, Stadträtin Ilona Deckwerth, ihre Mitstreiter auf, ihre Fantasie spielen zu lassen. Das fiel den Mitgliedern zunächst schwer, denn schließlich wisse man angesichts des desolaten baulichen Zustands des Hauses ja gar nicht, was machbar sei. Andersherum wollte Deckwerth das Problem verstanden wissen. Eine Sanierung sei ohnehin nötig und die könne man umso zielgerichteter vornehmen, je genauere Pläne man habe. Im Kern einigte sich der Rat auf ein Haus, das günstigen, barrierefreien Wohnraum für Senioren beherbergen soll, eventuell in Form von Wohngemeinschaften oder betreutem Wohnen. Cilly Kahles Vorschlag wurde Rechnung getragen, indem die Mieten je nach Qualität des Wohnraums gestaffelt werden könnten. Schließlich sei es auch früher üblich gewesen, sich in das Bürgerspital „einzukaufen“, argumentierte sie. Soll das neue Bürgerspital speziell mit Angeboten für Demenzkranke aufwarten? Nach deutlichen „Jas“ auf der einen und klaren „Neins“ auf der anderen einigte man sich auf den Kompromiss „Angebote für unterschiedlich Zielgruppen – z.B. Menschen mit Demenz“. Neben Wohnraum soll das Spital auch Begegnungsstätte werden und etwa einen Seniorentreff oder ein Mehrgenera- tionenhaus beherbergen. Ein gemeinsamer Mittagstisch für Bedürftige, Kinder und Senioren sei denkbar. Kulturelle Veranstaltungen sollen sich dort abspielen, auch ältere Touristen sollen einen Anreiz haben, vorbeizukommen und auch an die Bildung der Senioren soll gedacht sein. Ein ungelöstes Problem ist die Anbindung an die Fußgängerzone über den für ältere Menschen schwer zu bewältigenden Hang. Zur Finanzierung verfügt die Stiftung über ein eigenes Vermögen, unabhängig vom städtischen Haushalt. Nach der Sommerpause soll sich nun der Stadtrat mit dem Ideenpapier befassen.

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
In die Leitplanke
In die Leitplanke
Ullrich bleibt BdS-Vorsitzender
Ullrich bleibt BdS-Vorsitzender
ATV überschlägt sich
ATV überschlägt sich

Kommentare