Geldgeberin aus Nordrhein-Westfalen bewahrt Schmetterlings-Erlebniswelt vor dem Aus

Rettung in letzter Sekunde

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Sehr glücklich über die Wende im Zwangsversteigerungsverfahren ist die Pfrontener „Schmetterlings-Flüsterin“ Brigitte Hartmann.

Pfronten – Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Anfang der Woche die Nachricht, dass die „Allgäuer Schmetterling-Erlebniswelt“ in Pfronten-Weißbach weiter machen kann.

Die Rettung kam buchstäblich in letzter Sekunde: 275.000 Euro – das Mindestgebot bei der Zwangsversteigerung – legte in dieser Woche eine Geschäftsfrau vor dem Kaufbeurer Amtsgericht auf den Tisch. 

Brigitte und Wolfgang Hartmann können aufatmen. Zwar sind damit nicht alle Sorgen vergessen, aber es kann weitergehen. Per Mietkauf können die Hartmanns in den nächsten zehn Jahren ihre kleine tropische Welt zurück kaufen. 

Verantwortlich für die „Rettung in letzter Sekunde“ war eine Aktion in dem sozialen Netzwerk facebook, die Brigitte Hartmann mit Hilfe einer Freundin zur Abwendung der „feindlichen Übernahme“ Ende Januar gestartet hatte. 

Über 60. 000 Likes mit aufmunternden Kommentaren gingen binnen kürzester Zeit ein. Auch Spenden aus allen Teilen des Landes wurden auf ein Spendenkonto überwiesen und viele „Liker“ kauften die ermäßigten Eintrittskarten zur „Rettung der Schmetterlinge“ im Voraus. 

Diese überwältigenden Zusprüche und das Zukunftskonzept, mit dem Brigitte Hartmann noch in den vergangenen Wochen überall „Klinkenputzen“ war, um einen Umschuldungskredit von irgendwoher zu bekommen, hatten die nordrhein-westfälische Geldgeberin überzeugt: „Da ist mehr drin!“ 

Wie der Prophet, der im eigenen Land nichts gilt, hatte die Schmetterlingsmutter aus Weißbach nicht erst seit Silvester – da flatterte der Zwangsvollstreckungsbescheid ins Haus – unermüdlich versucht die Zwangsversteigerung abzuwenden, fand aber nur verschlossene Türen.

 „Weh getan hat“, so Brigitte Hartmann, „dass es immer wieder hieß: Die sind doch selber schuld, die können nicht wirtschaften.“ 

Vor zehn Jahren hatten die Hartmanns eine gut gehende Gärtnerei und ein Blumengeschäft. Mit der Wirtschaftskrise 2007 brachen auch bei den Hartmanns die lukrativen Großaufträge weg und viele Menschen, die sich bis dahin einen Sonntagsstrauß in der Weißbacher Gärtnerei gekauft hatten, holten sich zwecks kleiner gewordenem Budget die Blumensträuße lieber im Supermarkt. Da kam der Zufall zu Hilfe und die Hartmanns bauten ihre Schmetterlingswelt mit viel Einsatz und Liebe auf. 

Allerdings ist der Kostenaufwand dabei enorm: 1500 Euro kostet eine Puppen-Sendung alle drei Wochen aus Südamerika oder Asien, aus denen die handgroßen Schmetterlinge schlüpfen. 

Gut für den Regenwald 

„Wir haben einen Lern- und Lehrauftrag“, erklärt die engagierte Besitzerin. „Nachhaltigkeit ist wichtig. Und mit dem Kauf der Puppen aus diesen fernen Ländern sorgen wir mit dafür, dass der Regenwald wieder aufgebaut werden kann“, betont sie. „Denn das tun die Züchter in diesen Ländern mit dem Geld für die zarten Falter. Der Regenwald ist ein wichtiger Baustein gegen die Klimaerwärmung.“ 

Heimische Schmetterlinge dürften die Hartmanns laut Gesetz gar nicht in ihrer tropischen Erlebniswelt halten. Um die tropischen Verhältnisse in der kleinen Bio-Welt hinter dem Blumenladen herstellen zu können, braucht es viel Strom und Heizöl. Allein für den Strom müssen die Hartmanns im Winter schon mal pro Woche 250 Euro bezahlen. „Und dann meckert so mancher Besucher über den Eintrittspreis von 9,50 Euro für einen Erwachsenen!“ wundert sich die Betreiberin. 

Gerne würde sie allen Besuchern die zauberhafte Welt der Schmetterlinge kostenlos zeigen, aber das ginge einfach nicht. Bis zum August haben sich bereits viele Busse und Firmen in der Pfrontener Schmetterling-Erlebniswelt angekündigt. Ein erstes Konzert findet am kommenden Samstag, 7. März, statt. Kindergeburtstage und Übernachtungen in Hängematten im Schmetterlingshaus sind auch schon im Terminplan eingetragen, berichten die beiden Betreiber.

„Nein, die letzten Wochen und Monate waren nicht leicht“, erinnert sich die gläubige Katholikin Hartmann. „Aber ich vertraute auf die Himmelsmacht, auch wenn das in der heutigen Zeit für die wenigsten verständlich ist.“ Und sie sollte Recht behalten: Wunder gibt es tatsächlich immer wieder.

Johanna Lang

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