Ein Dorf feierte mit dem Bischof 500 Jahre Ulrichs- und Afrakirche am "Hüttenbichl"

Sakralbau mit bewegter Geschichte

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Bischof Manfred Steurer beim feierlichen Festgottesdienst.

Pflach – Vor einem halben Jahrtausend wurde die Ulrichs- und Afrakirche gebaut. Das wurde jetzt gebührend gefeiert.

Als Anfang des 16. Jahrhundert die Gebrüder Georg Ambros und Hans Höchstetter mit dem Gelände am Steineberg von Kaiser Maximillian belehnt wurden und die Erlaubnis zur Errichtung eines Messinghüttenwerks erhielten, ließen sich die „Industriellen“ des ausgehenden Mittelalters vor allem als kirchentreue und strenggläubige Katholiken nicht lumpen und erbauten am „Hüttenbichl“ von Pflach eine prächtig ausgestattete Kirche. 

Die wechselvolle Geschichte des Sakralbaues beleuchtete am Vorabend des Patroziniumfestes der Reuttener Historiker Richard Lipp in einem Fachvortrag beim Festakt im Kulturzentrum der Reuttener Nachbargemeinde, wo auch eine Ausstellung von Astrid Kröll über „Pflach im 16. Jahrhundert“ zu sehen ist. Über den Vortrag von Lipp und die Ausstellung – konzipiert von der Chronistin des Reuttener Nachbarortes – ist Bürgermeister Helmut Schönherr voll des Lobes: „Der Besucher kann sich ein deutliches Bild der Geschehnisse am Hüttenbichl machen. Der Chronistin und Vizebürgermeisterin Reinhild Astl und allen Helfern gebührt Dank für den unermüdlichen Einsatz, auch für die Ausrichtung des Festes.“ 

Kirche im Blickpunkt 

Exponate und Fundstücke aus dieser Zeit sind ausgestellt, auf Litfaßsäulen kann man historische Dokumente und Verträge bewundern. Neben der Messinghütte steht natürlich die Ulrichskirche im Mittelpunkt. Die weithin sichtbare Jahreszahl 1515 am Turm der Kirche stammt allerdings nicht aus dem Errichtungsjahr selbst. Sie wurde vom Abt von Füssen erst viel später um das Jahr 1800 angebracht. Vom ursprünglichen Bau stammen heute noch der Chorraum und der auf gotischem Unterbau ruhende Turm. 

Nach einem Konkurs der Hochstätter ging das gesamte Areal mit der Kirche 1606 an den Pfleger von Ehrenberg. Der anschließende Dreißigjährige Krieg hinterließ Verwüstung und Zerstörung, die Kirche diente als Munitionslager und Unterschlupf. 

Stolze Pflacher 

Danach ging das Hüttenareal in Privatbesitz und das dortige Werk konnte sich überregional erfolgreich bis ins 20. Jahrhundert halten. Die Kirche aber blieb bis zur Säkularisierung in der Hand der Landesfürsten, kam dann aber über eine Versteigerung ebenfalls in die Hände der privaten Betreiber des Hüttenwerks. Schließlich kam die Kirche 1912 in den Besitz der Gemeinde. 

Sie wurde in den folgenden Jahren mehrfach restauriert und 1982 mit großem Aufwand auf ihre Originalmaße vergrößert. Berechtigt stolz auf „ihre“ Ulrichskirche beging die Pflacher Bevölkerung das Jubiläum zum „500sten“ mit einem eindrucksvollen Patroziniumsfest, bei dem Jung und Alt mit Freunden mitmachten. Am Ende des feierlichen Festgottesdienstes, zelebriert von Bischof Manfred Steurer und Dekan Franz Neuner, wurden einige der Helfer und Helferinnen vor den Vorhang gebeten und konnten verdienterweise den weltlichen und kirchlichen Dank für ihre Engagement um „ihre“ Ulrichskirche entgegennehmen. 

Trotz hochsommerlicher Hitze feierte die Dorfgemeinschaft von Pflach mit den Gästen aus Nah und Fern ausgiebig am „Hüttenbichl“ ihr Kleinod, die Ulrichskirche, ausgiebig bei Musik, Speis und Trank. Kinder aus dem Ort hatten Erinnerungsgeschenke gebastelt die reißend Absatz fanden und deren Erlös der Erhaltung der Kirche zu Gute kommt.

niko

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