Große Lösung erarbeiten

Statt mit dem Bus mit dem „Laufbus“ zur Schule: das war im Oktober eine Woche lang an der Füssener Grundschule Programm. An fünf Tagen brachten Eltern die Schüler in Gruppen, quasi in „Laufbussen“, zu Fuß zum Unterricht. Für Autos war an diesen Tagen der Bereich um die Grundschule zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr sogar ganz tabu – dafür sorgte die Polizei, die die Zufahrtsstraßen während dieser Zeit absperrte. Das gefiel Schulrektorin Sylvia Kiesel offenbar so gut, dass nun die bei der Stadt beantragte, jeden Tag während dieser halben Stunde die Autos auszusperren. Doch beim Verkehrsausschuss und der Polizei stieß dieser Vorschlag als Dauerlösung auf Skepsis.

Hauptkritikpunkt von Seiten der Stadtverwaltung und der Polizei: Wie soll man eine halbstündige Straßensperrung täglich durchsetzen? „Mit Schil- dern allein dürfte es nicht erreicht werden“, erklärte Manfred Schweinberg von der Verwaltung. Für Thomas Meiler, Vertreter der Polizei Füssen, stellte sich die Frage, warum überhaupt die Straßen Sperren? „Es gab seit Jahren keinen Schulwegunfall“, berichtete er. Und auch ein etwaiges Verkehrschaos vor der Schule kurz vor Unterrichtsbeginn sah er gelassen. „Chaos bedeutet, dass wenigstens keiner durchrast“, so Meiler. Er selbst hatte in der Versuchswoche täglich die Absperrung in der Augustenstraße vor dem Alpenfilmtheater bemannt. Ein weiteres Problem nannte Stadträtin Ilona Deckwerth (SPD), die Lehrerin an der nahen Erich-Kästner-Schule ist. Die habe nämlich wegen der Absperrung den doppelten Verkehr abbekommen. Wenn es eine Verkehrsproblematik vor der Schule gibt, dann müsse man sie in einem Gesamtverkehrskonzept lösen, erklärte Meiler und lieferte mehrere Vorschläge. So wären etwa Einbahnstraßen denkbare Lösungen oder aber ein Halteverbot vor dem Fahrradhof, das den Eltern die Lust nähme, überhaupt die Schule anzufahren. Auch ein so genannter „Shared Space“ wäre denkbar, zu deutsch: „geteilter Raum“. Die Grenzen zwischen Fahrbahn und Bürgersteigen müssten dann verschwinden und würden zu einer ebenen Fläche ganz ohne Verkehrszeichen, getreu dem Motto „geteilter Raum ist doppelter Raum“. Dies sei ein modernes Konzept, das sich vor allem in den Niederlanden zunehmend durchsetze. Allein Stadtrat Dr. Martin Metzger (BFF) – selbst Anwohner der Schule – unterstützte den Antrag von Rektorin Kiesel, denn aus seiner Sicht täte es den Kindern generell gut, zu Fuß zur Schule zu gehen. „Kinder bewegen sich heute zu wenig“, urteilte der Mediziner. Das zu ändern liege aber in der Verantwortung der Eltern, widersprach ihm Stadtrat Günther Knauss (Bürgerblock). Am Ende gab es einen Kompromiss: Wenn die Kindertagesstätte in der nahen Hilteboldstraße fertig ist, die ebenfalls für Verkehr sorgen wird, will sich der Ausschuss erneut mit dem Thema befassen. Im Frühjahr aber nochmal eine „Laufbus“-Woche zu machen, das halte er für wichtig, so Bürgermeister Paul Iacob (SPD).

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