Gemeinde und Deckel Maho weihen neues Feuerwehrfahrzeug ein

Segnung in luftiger Höhe

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Wie schützende Hände ragen die Drehleitern der drei Feuerwehrfahrzeuge aus Marktoberdorf, Lindenberg und Obergünzburg über das Fahrzeug aus Pfronten.

Pfronten – Es war ein Moment mit Seltenheitswert: vier neue Drehleitern auf einem Platz, Sicherheitstechnik für die Floriansjünger im Wert von 2,5 Millionen Euro, versammelt vor dem Haupttor der Firma Deckel Maho.

Am vergangenen Samstag wurde das neueste und wahrscheinlich momentan auch teuerste Fahrzeug der Werksfeuerwehr Deckel Maho geweiht und seiner Bestimmung übergeben – eine neue Drehleiter vom Typ Metz DLA (K) 23/12. Zur Segnung waren auch die drei Schwesterfahrzeuge aus Lindenberg, Obergünzburg und Marktoberdorf angerückt. 

Wie Hände, die man schützend über den Kopf legt, ragten die Drehleitern der drei Fahrzeuge am Samstag in den Himmel. Darunter stand die neue Schwester, das neue Drehleiterfahrzeug der Werksfeuerwehr. In dessen Korb, einige Meter in der Luft, standen die beiden Pfrontener Geistlichen Andreas Waßmer und Bernd Neumann bei der Segnung des neuen Fahrzeuges, das mittlerweile zu einem unverzichtbaren zweiten Fluchtweg bei der Rettung aus einem brennenden Haus geworden ist. 

Das neue, 580.000 Euro teure Fahrzeug ersetzt damit eine nun 38 Jahre alte Drehleiter, die mehr als ein Jahrzehnt lang bei der Werksfeuerwehr und der Gemeinde treue Dienste geleistet hat. 

„Ab jetzt wird’s teuer, dachte ich mir“, erinnerte sich Bürgermeisterin Michaela Waldmann an ihr erstes Zusammentreffen mit Kreisbrandrat Markus Barnsteiner. Dieser meinte damals, schon fast im Gehen begriffen: „Du, die Gemeinde Pfronten braucht a neue Drehleiter“. Aber er habe auch gleich noch eine andere wichtige Information nachgeschoben. Denn auch andere Gemeinden im Allgäu würden eine neue Drehleiter brauchen und deshalb könnte eventuell eine Sammelbestellung zustande kommen. Sie sei „als Bürgermeisterin, die voller Überzeugung ist, dass manche Aufgaben künftig interkommunal gelöst werden“, sofort interessiert gewesen. 

Einzigartige Bestellung 

An dieser Stelle kommen ihre Bürgermeisterkollegen Lars Levringhaus (Obergünzburg), Eric Ballerstedt (Lindenberg) und Wolfgang Hell aus Marktoberdorf ins Spiel, die Waldmann bei der Fahrzeugweihe in Pfronten begrüßte. Man habe, nach Klärung der technischen Voraussetzungen und des Bedarfs der jeweiligen Wehren „eine im Freistaat Bayern bisher einzigartige Sammelbestellung“ auf den Weg gebracht, beschrieb Waldmann das Vorgehen. 

Mithilfe eines Fachbüros und vor allem nach Fahrten zu den Herstellern sei es gelungen, diese Maßnahme in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum auf den Weg zu bringen. Hier seien vor allem Kreisbrandinspektor Peter Einsiedler und der Kommandant der Werksfeuerwehr Deckel Maho, Thomas Brauner gefragt gewesen. „Kein Weg war zu weit, kein Termin zu mühsam“, so die Bürgermeisterin weiter. Gleichzeitig habe man seitens der Gemeinde die finanziellen Möglichkeiten sondiert, wobei der Firma Deckel Maho ein großer Stellenwert zukomme. 

„Denn die Drehleiter ist nicht nur für den Brandschutz in der Gemeinde Pfronten sondern auch im Unternehmen von großer Wichtigkeit“. Mit konstruktiven Gesprächen und der Bereitschaft der Firma, diese Aufgabe gemeinsam zu stemmen, habe man eine Kooperation vereinbart, so Waldmann. Hier gelte der Dank der Gemeinde dem Geschäftsführer Steffen Burkhoff, der dem Thema gegenüber von Anfang an sehr aufgeschlossen gewesen sei und die finanzielle Beteiligung zugesagt hatte. 

Ebenfalls verlässlich sei die Unterstützung des Landkreises, der 48.000 Euro beigesteuert habe. Um die interkommunale Zusammenarbeit zu betonen, gab es seitens des Freistaates sogar einen Bonus zum Förderbeitrag. Insgesamt kommen aus München 212.000 Euro. 

Nach Jordanien überführt 

Kommandant Thomas Brauner übernahm es schließlich, den Gästen das neue Fahrzeug vorzustellen. Dieses hat die Karlsruher Firma Metz auf einem Sechzehntonner MAN-Fahrgestell aufgebaut, so Brauner. 

Wobei man bei der Bestellung sehr viel Glück gehabt habe. Nicht nur, dass der favorisierte Hersteller der günstigste gewesen sei, auch konnte das Fahrzeug in der Rekordzeit von nur vier Monaten ausgebaut werden. Mittlerweile sei die Drehleiter als zweiter Fluchtweg bei vielen Gebäuden unverzichtbar, so Brauner. Weiterhin gehören ein Überdrucklüfter (zur Entrauchung) sowie ein Wasserwerfer (Monitor) und eine Kamera am Korb zur Ausrüstung sowie zwei Atemschutzgeräte für die Kameraden. 

Der fünfteilige Leiterpark verfügt darüber hinaus auch über eine Schachtrettungsfunktion und ist mit einem Gelenk versehen, mit dessen Hilfe die Kameraden auch hinter Gebäuden zum Einsatz kommen können. 

Damit wird auch der Aus- und Einstieg in den Korb erleichtert. Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) machte abschließend noch darauf aufmerksam, dass das Ostallgäu mittlerweile der einzige Landkreis in Schwaben sei, der noch Mittel für die Feuerwehren bereit stelle. Immerhin stehen drei der vier neuen Fahrzeuge im Landkreis. Die Feuerwehr sei ein wichtiger Stützpfeiler der Gesellschaft, unterstrich sie und erinnerte daran, dass die Feuerwehrkameraden für einen Stundenlohn von null Euro arbeiten – ehrenamtlich. 

Statt eines Gastgeschenkes für die zahlreichen Feuerwehren aus dem Ostallgäu sowie dem benachbarten Außerfern hatte sich die Werksfeuerwehr dazu entschieden, der Aktion „Hilfe für Helfer“ des Landesfeuerwehrverbandes einen Scheck in Höhe von 1000 Euro zu überreichen. Damit werden die Familien und Feuerwehrkameraden unterstützt, die im Einsatz verletzt oder gar getötet wurden.

gau

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