Das Dorfmuseum Roßhaupten widmet seine neue Dauerausstellung den Sudetendeutschen

Krieg, Vertreibung und eine neue Heimat

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Unter den zahlreichen Gästen, die zur Ausstellungseröffnung kamen, waren auch viele in Egerländer Tracht erschienen. Die verschiedenen Trachten deuten auf die unterschiedliche Herkunft ihrer Trägerinnen und Träger hin. Sie stellten sich mit Gudrun Altmannshofer (3.v.r.), ehrenamtliche Leiterin des Dormuseums, nach der Eröffnung zum Erinnerungsfoto auf.

Roßhaupten – Rund 500 Vertriebene kamen nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Sudetenland nach Roßhaupten.

Ihnen hat das Dorfmuseum Roßhaupten nun eine Dauerausstellung gewidmnet, die verdeutlicht, was diese Männer, Frauen und Kinder alles erleben mussten. Zur Eröffnung kamen jetzt zahlreiche Besucher.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kamen rund 500 Vertriebene aus dem Sudetenland nach Roßhaupten. Viele fanden in und um die Gemeinde Arbeit und so mancher konnte in seinem angestammten Beruf arbeiten. Das Sudetenland bestand aus 17 Heimatlandschaften wie dem Böhmerwald, dem Egerland, dem Riesengebirge, rund um Olmütz oder Brünn. 

Tschechische Herzöge hatten im 12. und 13. Jahrhundert deutsche Bergleute, Bauern, Handwerker und Künstler ins Land gerufen, um vor allem die Randgebiete zu besiedeln. 1526 kamen die deutschstämmigen Bewohner unter Habsburger Herrschaft, Böhmen gehörte bis 1918 dem österreichisch-ungarischen Reich an. 

Insgesamt 137 Familien mit über 500 Personen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, kamen 1945/46 nach Roßhaupten. Ihnen ist im Dorfmuseum des Pfannerhauses eine Dauerausstellung gewidmet, die verdeutlicht wie viele persönliche Schicksale diese Frauen, Männer und Kinder erleben mussten. 

„Auslöser war, dass ich in einer Truhe zwei Egerländer Trachten fand, die das Museum von Ewald Weinhart, 20 Jahre lang Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, bekommen hatte“, sagte Gudrun Altmannshofer,die zusammen mit ihrem Mann das Dorfmuseums ehrenamtlich leitet. 

Nach vielen Recherchen, der Erarbeitung eines Ausstellungskonzepts und Bemühungen um Fördergelder konnten sie im zweiten Stock des Museums nun die Präsentation mit vielen weiteren schönen Ausstellungsstücken eröffnen. 

Eigentum wird konfisziert 

Unter den Gästen, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren, befand sich auch der Vorsitzende der „Egerländer Gmoi“ Harald Weber aus Kempten. Er trug einen geschichtlichen Abriss von dieser Zeit vor. 

Zu Beginn seines Berichtes betonte er, dass Sudetendeutsche keine Flüchtlinge, sondern Vertriebene waren. Durch die Beneš-Dekrete waren sie „entrechtet“ worden und die Tschechen konfiszierten ihr Vermögen. Anschließend wurden die Sudetendeutschen unter menschenunwürdigen Bedingungen 1945/46 aus ihrer Heimat vertrieben. 

In einem Brief von Ewald Weinhart, aus dem Harald Weber zitierte, schilderte dieser in kurzen Worten sein Schicksal, als er als 15-Jähriger nach Roßhaupten kam und dort eine neue Heimat fand. 

Das Dorfmuseum Roßhaupten im Pfannerhaus (Hauptstraße 1) ist im Mai jeweils am Sonntag, 7. und 14. Mai, von 15 bis 18 Uhr und am Internationalen Museumstag, Sonntag 21. Mai, von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

 ed

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