Experten-Vortrag: Bei einem Schlaganfall muss schnell gehandelt werden

Zeit ist Gehirn

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Der Neurologe Dr. Ulrich Steller (links) aus der Fachklinik Enzensberg wird von Dr. Martin Hinterseer als Gastreferent zum Thema „Schlaganfall“ vorgestellt.

Füssen – Im Jahr 2015 sind in Füssen 200 Schlaganfall-Patienten behandelt worden. Im Notfall gelte für die Angehörigen: „Time is brain – Zeit ist Hirn“, so Chefarzt Dr. Martin Hinterseer in seinem Vortrag „Kopfsache“ im Kuppelsaal des Füssener Krankenhauses.

Ersthelfer sollten beim Verdacht auf einem Schlaganfall keine Minute zögern und sofort den Notruf 112 absetzen. Ein möglicher Fehlalarm „ist immer noch besser, als eine verpasste Therapie“, so Hinterseer.

 Über 150 Senioren zeigten Interesse am Thema „Schlaganfall“. Chefarzt Hinterseer freute sich, als Gastreferenten zwei Kollegen aus dem Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren begrüßen zu können: Dr. Heinz Hartl und Professor Dr. Martin Hecht, beide von der Klinik für Neurologie. Anzeichen eines Schlaganfalls können den Experten zufolge auch von medizinischen Laien erkannt werden. Typisch sind, so die Ärzte, plötzlich auftretende Probleme beim Sprechen, plötzliche Lähmungen von Gliedmaßen und ein hängender Mundwinkel. Von den Ärzten kommt der folgende Tipp: Jeder kann seinen Blutdruck regelmäßig zu vergleichbaren Zeiten selbst messen und über die Ergebnis mit seinem Hausarzt sprechen.

Auch Jüngere betroffen

 Im Jahr 2015 sind in Füssen insgesamt 200 Schlaganfall-Patienten behandelt worden. Bundesweit ist aus der offiziellen Statistik abzulesen: Mehr als 80 Prozent der betroffenen Personen sind über 60 Jahre alt. Doch auch Jüngere kann es treffen: Laut Schätzungen treten etwa fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle bei unter 50-Jährigen auf. Selbst Neugeborene und Kinder können einen Schlaganfall erleiden.

Das Füssener Krankenhaus, berichtete Hinterseer, gehöre mittlerweile zu einem neuen Klinik-Netzwerk in Südwestbayern. Die Kliniken „bieten eine flächendeckende Versorgung von Schlaganfall-Patienten“. In diesem neurovaskularen Versorgungsnetzwerk Südwestbayern (Nevas) steht das Füssener Team in engem Kontakt mit den Spezialisten in Kaufbeuren, um in komplizierten Notfällen unter Zeitdruck das medizinisch richtige Vorgehen festzulegen. Nevas, freute sich Hinterseer, „vernetzt 17 spezialisierte Kliniken, mit den Kliniken Füssen und der Neurologie in Kaufbeuren.

Dadurch und nicht zuletzt auch durch den Einsatz der Telemedizin, können wir eine heimatnahe Schlaganfallversorgung gewährleisten, die höchstes Niveau hat.“

Geduld erforderlich

 Die zweieinhalb Stunden im Kuppelsaal nutzten die Referenten, um ihren Zuhörern zu erläutern, wie ein Akutfall stationäre behandelt wird und wie sich danach die Lebensqualität durch einen mehrwöchigen Aufenthalt zur Reha wieder verbessern lässt. Über die Wiedereingliederung informierte Dr. Ulrich Steller, Neurologe an der Fachklinik Enzensberg. „Da das Gehirn auch bei Erwachsenen eine gewisse Plastizität besitzt, können sich die aufgetretenen Störungen und Behinderungen über Monate hinweg zurückbilden“, betonte Steller.

Der Patient brauche viel Geduld und müsse sich aktiv am Programm beteiligen. Steller wies außerdem auf ein Handicap hin, dass weit weniger bekannt sei als beispielsweise die typischen Störungen beim Sprechen oder Gehen: Schluckbeschwerden. Zuvor unterstrichen Professor Dr. Martin Hecht und seine Kollegen Dr. Heinz Hartl und Dr. Simon Delladio, der am Füssener Krankenhaus tätig ist, dass es nicht ratsam sei, den betroffenen Angehörigen mit dem Auto in die Notaufnahme zu bringen. Denn, erläutert Delladio, „im Rettungswagen ist die Technik vorhanden, um das Klinikteam umgehend zu informieren.

Durch diese enge Vernetzung wird wertvolle Zeit gewonnen.“ Als „Teledoc“ stellt Delladio ein wichtiges Glied in der Rettungskette dar. „Wenn wir Fragen haben, können wir uns sofort an die Spezialisten wenden. Das macht die heutige Telemedizin möglich.“ Die Elektronik überbrücke so die räumliche Distanz. Die Ärzte in den unterschiedlichen Häusern könnten demnach live miteinander konferieren. Ihnen liegen darüber hinaus Bilder und Daten des jeweiligen Notfalls vor.

Chris Friedrich

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