Grüne-Bundestagskandidat Dr. Günter Räder diskutiert mit Interessierten

Flächenverbrauch ist zu groß

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Dr. Günter Räder (3.v.l.) trifft sich mit Vertretern des Naturschutzes, des Bauernverbandes und politisch Engagierten, um mit ihnen über das Thema Flächenverbrauch zu diskutieren.

Füssen –  Die Bekämpfung des Flächenfraßes hat sich die Partei „Die Grünen“ auf die Fahnen geschrieben, in Bayern sogar mittels Bürgerbegehren. Zu diesem Thema haben sich jetzt der Grüne-Bundestagskandidat Dr. Günter Räder mit Vertretern weiterer Umweltverbände im Füssener Westen getroffen.

Pro Tag werden in Bayern 15 Hektar Land versiegelt. Aufs Jahr hochgerechnet ist das eine Fläche von der Größe des Ammersees. Dabei handelt es sich meist um Grünland, das geopfert wird für Straßen, Parkplätze, Handel und Gewerbebetriebe. Um über dieses Thema zu diskutieren, hat sich jetzt der Grüne-Bundestagskandidat Dr. Günter Räder mit Vertretern weiterer Umweltverbände im Gewerbegebiet Allgäuer Land in Füssen getroffen.

Zu übersehen ist der Verbraucherbaumarkt nicht. Weithin leuchtet der orange Bau unweit der A7. Doch es ist weniger die Farbe, die Umweltschützer auf die Barrikaden treibt. Für Peter Griegel vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist die mehr als zehn Meter hohe Verkaufshalle in jeder Hinsicht ein Dorn im Auge. Überdimensioniert, nennt er den Verkaufsraum. 

Vor allem aber treibt ihn, wie auch anderen Gesprächspartner dieses Treffens, der Fakt um, dass neben der Verkaufsfläche noch einmal die selbe Fläche für die Parkplätze mit Asphalt versiegelt wurde. War die Füssener Stadtverwaltung, Dr. Günter Räder hatte sich zuvor auch mit Bürgermeister Paul Iacob getroffen, froh, dass dieses Grundstück innerhalb des interkommunalen Gewerbegebietes verkauft war, so ist es aus Griegels Sicht nur das Tüpfelchen auf dem I. 

Spitzenplatz bei Flächenfraß

Die Liste der Fehlplanungen lasse sich aus Griegels Sicht fortsetzen: Bauten, wo weniger produziert, dafür aber viel Platz vergeudet werde. „Klötze“, wo sich oftmals nur eine Person hinter ihrem PC verschanze, monierte Griegel. Man müsse mit solchen Orgien, wie Michael Käs meinte, aufhören. „Kürzer treten“, forderte der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Füssen. Käs kennt solche Projekte aus erster Hand, werden doch Verbände wie der BN regelmäßig in Gutachten gehört. Daher weiß Käs auch: Füssen und das Ostallgäu sind Spitzenreiter beim Flächenverbrauch. „Bayern“, so Käs, „ist bei der Versiegelung des Bodens führend in Deutschland. Und innerhalb ist es der Bezirk Schwaben“. Und in Schwaben ist es wiederum das Ostallgäu und dabei Füssen, das den Spitzenplatz einnimmt. 

Neue Gewerbegebiete 

Dabei war das interkommunale Gewerbegebiet im Dreieck zwischen Bundeswehr, A7 und B310, als Vorzeigeprojekt gedacht: hier teilen sich zehn Kommunen die Fläche, haben dafür gesorgt, dass sich Gewerbe und Handel konzentriert im Füssener Westen ansiedeln. Dafür teilt man sich auch die Gewerbesteuereinnahmen anteilig, anstatt dass Füssen etwa 100 Prozent allein kassiert. 

Das hatte Bürgermeister Iacob im Gespräch mit Räder auch moniert. Man verzichte auf Einnahmen, während die anderen Kommunen, Rieden etwa, weitere Gewerbegebiete ausgewiesen hatten; zum Teil sogar im Naturschutzgebiet, wie Hubert Endhardt (Grüne) anmerkte. Dieses Versprechen, eben nicht noch mehr Fläche, außerhalb des Gewerbegebietes zu verbrauchen, sei nicht eingehalten worden, so Michael Käs. 

Dabei treibt ihn die Aussage Nico Schultes (CSU), dem zweiten Bürgermeister von Füssen, noch mehr um. Man müsse, hatte dieser gefordert, nachdem das letzte Grundstück auf dem Areal verkauft worden war, doch gleich ein neues Gewerbegebiet in Füssen ausweisen. 

Dabei ist man aber sogar innerhalb der Verbände nicht einer Meinung, was den Verbrauch anbelangt. Denn Hans Hack von der BN-Ortsgruppe Halblech hatte seinerzeit einen offenen Brief an Paul Iacob aufgesetzt, der aber nie abgeschickt worden war. Eben weil man doch froh sein solle, dieses Grundstück endlich los zu sein, wie sich Hack erinnerte. 

Moderater bauen

Seine Forderung lautet dabei, moderater zu bauen. Hätte man nicht bei gleicher Höhe zwei oder dreigeschossig bauen und damit die Grundfläche reduzieren können? Oder aber, wie das Vorbild des V-Marktes in Kaufbeuren zeigt, die Parkfläche aufs Dach des Marktes verbannen können, wenn schon nicht in den Untergrund? „Das ist Fläche, die es so nie wieder gibt“, resümierte Hack und bekam dabei den Applaus der Bauernverbandsvertreter. 

Bauern sind betroffen 

Denn es sind oftmals die Landwirte, die ihren Boden abtreten müssen und bei Straßenbauprojekten durchaus auch enteignet werden – Flächen, die dann in der Produktion fehlen. Es würden, so Roman Seider, wichtige Lebensgrundlagen, mit dem Wissen der politisch Verantwortlichen, vernichtet. „Das ist Schauspielerei“, wenn man etwa, als „Ausgleich“ für die Skischaukel am Riedberger Horn, nun einen dritten Nationalpark installiere. 

Bewusstsein schaffen 

Themen, mit denen Günter Räder nur allzu gut vertraut ist. Es gebe ja Beschlüsse, den Flächenverbrauch zu reduzieren, so Räder. So sollen künftig im Bund nur noch 30 Hektar pro Tag versiegelt werden. Für Bayern blieben dann nur noch fünf Hektar übrig. „Das muss möglich sein“, so Räder. Deshalb auch das Volksbegehren, das die fünf Hektar festschreiben soll. 

Notfalls müsse man eben Druck aufbauen und die Verantwortlichen zwingen, anders zu planen und zu bauen. Ist der sechsspurige Ausbau der B12 nötig oder muss die B16 bei Kaufbeuren vierspurig werden? Man müsse, waren sich die Beteiligen einig, aber nicht nur Druck aufbauen, sondern auch ein Bewusstsein schaffen, etwa in Stadt- und Gemeinderäten, was hier ,auch an Heimat, verloren gehe.

Oliver Sommer

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