Die Liebe fürs Theater liegt in der Familie

Günther Kirchner und seine Tochter stehen regelmäßig als Komparsen auf der Festspielhaus-Bühne

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„Bei der Füssener Volksbühne war ich noch der Liebhaber”, erinnert sich Günther Kirchner, der vorm Eingang für die Beschäftigten auf seine Tochter Franziska trifft.

Füssen – Egal ob Lakai, Bauarbeiter oder Mönch: Der Füssener Günther Kirchner ist vielseitig. Als Komparse steht er immer wieder auf der Bühne des Ludwigs Festspielhauses. Genau wie seine Tochter Franziska Wüst. 

Auch sie beweist, dass Lernen nicht aufhört, sobald eine Stufe erreicht ist. Und auch sie liebt das Theater – als Mitwirkende. Auch sie beweist, dass Lernen nicht aufhört, sobald eine Stufe erreicht ist. Und auch sie liebt das Theater – als Mitwirkende. Gemeinsam den Schlussapplaus mit dem großen Ensemble auf der Bühne des Festspielhauses zu genießen, ist ein besonderer Moment, auf den Günther Kirchner und Tochter Franziska Wüst bei vielen Proben hinarbeiten.

 Sie sind im zweiten Ludwig-Musical in unterschiedlichen Rollen zu sehen. Daneben stehen sie auch beim Stück „Die Päpstin” gemeinsam auf der Bühne. „Wir wirken auch in der Ring-Inszenierung mit”, erzählt Günther Kirchner vor dem Personaleingang. An der Pforte begrüßt Franziska Wüst den 13-jährigen Ryan Berg. Der Prinz-Ludwig-Darsteller holte sich am Nachmittag den Applaus des Publikums ab. Ryan bestätigte auf Nachfrage: In seiner Fantasie schlüpfe er in den Königsmantel. 

Das Kostüm für Ludwig II. würde auch Günther Kirchner passen, doch als Amateurschauspieler kennt er seine Grenzen. Kirchner hat wie seine Tochter einen langen Tag vor sich. Denn die beiden Komparsen gehören auch zur Besetzung der Abendvorstellung. „Wir sind heute den ganzen Tag hier”, so Wüst. Sie ist eine der Salondamen, die tanzend und singend mit dem Hofstaat die Atmosphäre herbei zaubern, die das von Rolf Rettberg geschriebene Musical über den Märchenkönig erlebenswert macht. 

Kirchner, der vom erlernten kaufmännischen Beruf auf Gärtner umschulte und mittlerweile als Hausmeister an der Grundschule bekannt ist, winkt auf die Hauptrolle angesprochen, lächelnd ab. Immerhin zählte er einmal zu den Großen der Volksbühne Füssen. Kenner wissen, wo sie ihm als Darsteller mit Ausstrahlung begegnen können: als Lakai, Bauarbeiter und Mönch, denn er ist zusätzlich im Erfolgsstück „Die Päpstin” auf der Besetzungsliste unter „Statisten” aufgeführt. „Ach, du bist heute auch da”, begrüßt ihn an manchen Abenden Tochter Franzi, die gelernte Hotelkauffrau und derzeitige Lageristin, hinter der Bühne vor einer Aufführung. 

Wüst ist aus Trauchgau an den Forggensee gekommen. „Mein Mann unternimmt eine Tour mit unseren beiden Kindern”, freute sie sich, dass sie regelmäßig dabei unterstützt wird, um im Theater zu spielen. „Mein Mann weiß, wie gut mir der Tag im Festspielhaus tut.” 

Viel Erfahrung

Ihre große Leidenschaft fürs Theater hat in Marktoberdorf ihre Wurzeln. Früher Impulsgeber war ihr Opa, der unvergessene Benno Kölbl. Dass sie im Casting unter zahlreichen Bewerberinnen ihre Chance bekam, hängt allerdings mit einer künstlerischen Institution in Marktoberdorf zusammen, erklärte sie. 1983 eröffnete dort die Theaterpädagogin Monika Schubert die Theaterschule „mobile”. Hier können Kinder, Jugendliche und Erwachsene nicht nur die Freude an der Vielfalt des Theaterspiels, sondern auch das Handwerk und die unterschiedlichen Techniken einüben, die sie für ein sicheres Auftreten brauchen. 

Wüst lernte dort viel, wie sie erklärte. Nicht zuletzt profitierte sie von den künstlerischen Erfahrungen ihrer Mutter Minni Kirchner, die für modernes (Straßen-)Theater steht. Sie gehörte früher zur Spielerschar von Uli Pickls Hopfenseebühne und ist eng mit „mobile” verbunden. Als das Thema Profi werden oder Amateur bleiben angesprochen wird, kommt die bekannte Anna Hofbauer ins Spiel. „Wir sind gute Freundinnen, seit vielen Jahren”, sagte Wüst. 

Doch beruflich hätten sich ihre Wege getrennt. Während Hofbauer mit TV-Auftritten und Bühnenhauptrollen auf der Karriereleiter weitergekommen ist, gibt sich Wüst damit zufrieden, wenn sie die Besetzungsliste als Ensemblemitglied aufführt. „Mir würde es keine Freude machen, mich von Casting zu Casting für eine Rolle zu bewerben”, unterstreicht Wüst ihre Haltung zur harten – oft freiberuflichen – künstlerischen Existenz. Wie ihr Vater liebe sie das Theater. „In unseren Rollen haben wir viel Spaß. Die Atmosphäre ist familiär, das gefällt uns”, betont sie. Günther Kirchner meint fast schon philosophisch: „Die kleinen Räder sind das, was die großen antreibt.”

Chris Friedrich

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