Härter geht es nicht mehr

„Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt“, mit diesem Motto im Hinterkopf wollen Bernd Wimmer und Robert Scharpf im Juli das Mountainbike-Rennen „Craft Bike Transalp“, das von Füssen über die Alpen nach Riva del Garda führt, bestreiten. Doch ohne ein Schmunzeln kommt dem Duo, das als offizielles „Team Füssen“ ins Rennen geht, das martialische Credo nicht über die Lippen – denn den beiden kommt es nicht auf brutale Selbstgeißelung bis zum unweigerlichen Sieg an. Gesund ankommen reicht schon. Dabei bauen Wimmer und Scharpf auf den Zusammenhalt aus ihrer Jahre langen Freundschaft, wie sie am Freitag bei der offiziellen Team-Präsentation erklärten.

600 Kilometer Strecke bei 20000 Höhenmetern quer über die Alpen bis zum Zielort Riva del Garda stehen Wimmer und Scharpf bevor und das in acht Tagesetappen ohne Ruhetag. Um diese Herausforderung durchzustehen, ist hartes Training angesagt: Zehn Stunden Ausdauertraining pro Woche und ja kein Krafttraining, um nicht zuzunehmen. 5000 Trainingskilometer wollen die beiden Physiotherapeuten bis zum Start im Juli auf dem Rad absolviert haben, unter anderem im Trainingslager auf Mallorca treten sie in die Pedale. „Die Profis machen 10000“, sagte der 44-jährige Wimmer. Er stapelte tief: „Ich wollte nie ein Mountainbike-Rennen machen“, erklärte er. Der ehemalige Zehnkämpfer begann nach einem schweren Skiunfall mit dem Radeln als Reha-Sport. Sein fünf Jahre jüngerer Freund Robert überredete ihn, beim Transalp mitzumachen. Und die beiden hatten obendrein Glück: Da Füssen heuer zum dritten Mal Startort des Rennens ist, darf die Lechstadt ein eigenes Team stellen. Unter mehreren Bewerbern wurden sie kürzlich ausgelost und sparen sich so die Startgebühr von über 600 Euro pro Person. Die hält ambitionierte Mountainbiker nicht davon ab, die Organisatoren mit Bewerbungen zu überschwemmen. „Es gibt jedes Jahr weit mehr Bewerber als Teilnehmer“, erklärte Anke Hiltensberger von Füssen Tourismus und Marketing. 550 Zweier-Teams dürfen letztendlich an den Start gehen. "Sich weiterentwickeln" Wimmer und Scharpf treten im gelben Füssen-Dress an und starten das Rennen aus der ersten Reihe. Das sieht Scharpf als Vorteil, auch wenn er befürchtet, dass ihnen die Profis alsbald davonfahren werden. Nicht den Sieg peilen die beiden Amateurfahrer an, sondern die heile Ankunft in Riva. Die hat Scharpf schon einmal erlebt. Vor zwei Jahren nahm er beim Transalp teil und fuhr durch – allein. Denn sein damaliger Partner musste nach zwei Tagen krankheitsbedingt aufgeben. Wimmer war damals mit dabei beim Zieleinlauf und erinnert sich an die ankommenden Fahrer, darunter „gestandende Mannsbilder, die plötzlich anfingen zu weinen“. Die beiden sind sich sicher: Um die physische und psychische Tortur des Rennens zusammen zu überstehen, muss man befreundet sein. Die beiden Teamkameraden kennen sich seit 16 Jahren, als Scharpf Spieler beim EV Füssen war und Wimmer zum Betreuerstab gehörte. Wenn es hart auf hart kommt, wollen sie sich gegenseitig antreiben. „Es geht darum, sich mit Leistung weiter zu entwickeln“, erklärte Bernd Wimmer.

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