Baugebiet Weidach Nord II liegt im hochwassergefährdeten Gebiet

Ein Restrisiko bleibt

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Auf diesem Kartenausschnitt ist gut zu erkennen, dass das fragliche Baugebiet Weidach Nord II undterhalb der Friedhöfe im überschwemmungsgefährdeten Gebiet liegt.

Füssen – „Ein positives Signal“ an die Füssener wollen Stadtverwaltung und Stadtrat mit der Ausweisung eines neuen Baugebiets in der Weidachstraße hinter den Friedhöfen senden.

Dort soll jetzt auch, wie berichtet, der ursprünglich in der Dr. Enzinger-Straße geplante neue AWO-Kindergarten gebaut werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste kürzlich der Stadtrat. Das Wasserwirtschaftsamt in Kempten könnte diese Pläne aber womöglich durchkreuzen – denn das geplante Neubaugebiet liegt in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet. 

Wer damals dabei war, wird die Tage vom 21. bis 23. August 2005 kaum jemals vergessen: Wegen des anhaltenden starken Regens ließ das Wasserwirtschaftsamt den Forggensee zum Schutz der Orte unterhalb auf die Marke 783 Meter über Normalnull aufstauen.

Das hatte zur Folge, dass im Weidach Keller und andere Räume voll liefen und in Schwangau-Brunnen Wasser in einigen Häusern kniehoch in die Wohnzimmer eindrang. Am Nachmittag schließlich wurden in Füssen die Bewohner des Weidach mit Lautsprecherdurchsagen alarmiert und aufgefordert, ihre Autos aus den Tiefgaragen zu fahren und Elektrogeräte im Keller vom Strom zu nehmen. Ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser oder hundertjährliches Hochwasser wie dieses hat sich seitdem zwar zum Glück nicht mehr wiederholt. 

Doch das Risiko besteht weiter, weshalb das Bayerische Landesamt für Umwelt das gesamte Areal unterhalb der Friedhöfe in der Augsburger Straße als „Überschwemmungsgefährdetes Gebiet“ ausgewiesen hat. Dennoch hat der Stadtrat jetzt beschlossen, dort ein neues Wohngebiet mit Kindergarten auszuweisen. 

Weiß man in der Füssener Bauverwaltung womöglich gar nichts von der Einschätzung des Landesamtes? 

Keine Bedenken 

Doch, so Bauamtsleiter Armin Angeringer auf Nachfrage des Kreisbote. „Diese Thematik gibt es tatsächlich“, sagte er. Allerdings gebe es aus Sicht der Bauverwaltung keinen Grund für „ernsthafte Bedenken“. Die jetzige Situation sei im Prinzip ähnlich wie seinerzeit auf dem Grundstück bei der alten Stadtgärtnerei.

Dort gebe es auch keine Probleme mit dieser Thematik, weil das Gebiet so angelegt worden sei, dass es ein Jahrhunderthochwasser (HQ 100) überstehe bzw. von diesem nicht tangiert werde. Das sei auch für das neue Baugebiet so vorgesehen. Und außerdem: „Die genaue Abgrenzung (des Baugebiets, Anm.d.Red.) muss noch geprüft werden.“ 

Bernd Engstle, im Wasserwirtschaftsamt zuständig für das Ostallgäu, wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung zunächst noch nicht konkret äußern. „Da haben wir noch keine Unterlagen vorliegen“, erklärte er. 

Grundsätzlich gelte aber: Liege das fragliche Gebiet im Bereich eines möglichen hundertjährlichen Hochwassers HQ 100, sage das Wasserwirtschaftsamt in der Regel „Nein“ zu einer Wohnbebauung. Unter Auflagen sei eine Zustimmung aber möglich, so Engstle weiter. Das könnten zum Beispiel Aufschüttungen oder Hochwasserschutzmaßnahmen sein. „Das ist dann Detailarbeit.“ Dafür müsse er aber zunächst die genauen Pläne kennen. Erst dann könne seine Behörde eine Stellungnahme dazu abgeben.

„Wir haben da schon Spielraum“, sagt auch Bauamtsleiter Armin Angeringer. So könnten Aufschüttungen, höher gelegene Eingänge oder speziell geschützte Öltanks im Bebauungsplan als Auflagen fest geschrieben werden. „Das Thema haben wir in der Betrachtung.“ Zumal Häuslebauer auch nur unter Voraussetzung dieser Auflagen Anspruch auf einen Versicherungsschutz haben.

 Allerdings stellte er auch klar: „Hochwassersicherheit kann nur ein gewisses Risiko abdecken!“ Jedoch sei es statistisch eher unwahrscheinlich, dass ein noch schlimmeres als ein HQ 100-Hochwasser eintrete. Von daher müsse ein solches nicht in den Planungen berücksichtigt werden. Fachleute sprechen dabei von einer „seltenen Wahrscheinlichkeitsschwelle jenseits der normalen Planungsnotwendigkeit“.

Matthias Matz

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