"Ein wahnsinnig schwieriges Problem"

Reisebuskonzept: Keine schnellen Lösungen in Sicht

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Reisebusse, die auf stark befahrenen Straßen halten, um ihre Gäste ein- oder aussteigen zu lassen, verstärken das Verkehrsproblem in Füssen. Um dieses Problem zu beheben, hat die CSU Füssen ein Reisebuskonzept erarbeitet, das eine Arbeitsgruppe derzeit weiterentwickelt.

Füssen – Eine schnelle Lösung für wildhaltende und -parkende Reisebusse in Füssen wird es wohl nicht geben. Das wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Füssener Rathaus deutlich. 

Nachdem die CSU Füssen im März ihr Konzept dazu im Stadtrat vorgestellt hatte (der Kreisbote berichtete), arbeitete eine Arbeitsgruppe in den vergangenen Monaten weiter daran. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass verschiedene Ideen nicht umzusetzen sind. Aber: „Wir suchen alle Möglichkeiten, die Situation zu verbessern“, erklärte Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Dafür soll die Stadtverwaltung weitere Gespräche mit Grundstückseigentümern und dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) führen.

Wer im Sommer mit dem Auto durch Füssen oder zu den Köngisschlössern nach Schwangau fahren will, muss viel Geduld mitbringen. Neben zahlreichen Fahrzeugen, die die Straßen verstopfen, behindern auch immer wieder Reisebusse den Verkehrsfluss. Diese halten an Knotenpunkten, um ihre Fahrgäste möglichst nah an Restaurants oder Hotels aussteigen zu lassen. „Wenn eine Minute lang ein Bus steht, ist ganz Füssen zu“, bestätigte Polizist Thomas Meiler am Dienstag im Rathaus. „Das Problem ist da. Das ist nicht auf die Schnelle zu lösen.“ Parkt ein Bus im Halteverbot, falle laut Straßenverkehrsordnung ein Bußgeld von 15 Euro an. Und auch wenn er länger dort stehen bleibt, müsse er nie mehr als 80 Euro blechen. „Das zahlen die Busfahrer aus der Portokasse.“ 

Raus aus der Innenstadt 

Das Ziel des Konzepts sei, die Reisebusse möglichst aus der Innenstadt herauszuhalten. So soll die Verkehrsbelastung nicht nur reduziert werden, gefährliche Stellen sollen auch sicherer werden. Es sieht deshalb im Norden, Osten, Westen und möglichst auch im Süden Ankerpunkte vor, wo die Busse parken können, erklärte Iacob. Um auch dem engen Zeitplan asiatischer Reisegruppen gerecht zu werden, die für ihre Mittagspause oft nur 30 Minuten Zeit haben, plant der Arbeitskreis zudem mit kurzfristigen Haltestellen, wo Busfahrer ihre Gäste aus- und einsteigen lassen können. Diese sollten deshalb so nah und so bequem wie möglich an der zentralen Innenstadt liegen, waren sich die Arbeitsgruppe und die Fachstellen einig. 

Als solche Punkte sieht das Konzept den Platz an der AOK, den sogenannten Palestrina-Platz, den Pulverturm in der Sebastianstraße und den Busparkplatz an der Morisse vor. Während die Arbeitsgruppe an den Haltestellen am Palestrina-Platz und an der Morisse festhalten will, erwies sich der Platz am Pulverturm als problematisch. Weil dort ein Kanal des Abwasserzweckverbands liegt, können darauf keine Busse parken. „Das hält er nicht aus“, erklärte Iacob. Und ein Umbau würde immense Kosten mit sich bringen. 

Stattdessen könnte die ÖPNV-Bushaltestelle dort erweitert werden, so dass auch Reisebusse halten können. Ein richtiger Parkplatz für Reisebusse könnte stattdessen im unteren Bereich an der Klinik Füssen entstehen. „Das wäre eine großartige Chance“, meinte der Rathauschef. Denn Parkplätze für Reisebusse gebe es bisher nur an der Morisse und an der Achmühle. Entsprechende Gespräche mit dem Eigentümer habe die Stadtverwaltung schon aufgenommen – und diese stimmen die Stadtverwaltung zuversichtlich. 

Um auch den Süden abzudecken, habe die Stadtverwaltung den Eigentümer der ehemaligen Hanfwerke kontaktiert, informierte Iacob. Dort könnten weitere Busparkplätze hinkommen. Von dort hätten die Gäste bei ihrer Ankunft zudem „einen einmaligen Blick auf das Altstadtensemble“, sagte der Füssener Rathauschef. 

Wann diese Ideen in die Tat umgesetzt werden, ist allerdings fraglich. Denn derzeit gehe es um Grundstücksfragen. „Solche Gespräche dauern mitunter sehr lange“, weiß der Bürgermeister aus Erfahrung. „Es ist wichtig und richtig, dass wir uns diesem Thema annehmen“, fügte Iacob hinzu. „Denn die Zahl derjenigen, die das südliche Allgäu im Allgemeinen und Füssen mit den angrenzenden Königsschlössern im Besonderen als Ziel auserkoren haben, wird in den nächsten Jahren nicht weniger werden.“ Insgesamt handle es sich aber um ein „wahnsinnig schwieriges Problem“. Denn die B16, die zu den Königsschlössern führt, gehe nunmal durch Füssen und bringe den entsprechenden Verkehr mit sich. „Wir haben 20.000 Fahrzeuge am Kaiser-Max-Platz. Das ist eine enorme Zahl“, so der Rathauschef. „Solange eine Umfahrung beziehungsweise Alternative nicht da ist, wird sich das sicherlich nicht ändern.“ 

Und auch ein Fahrverbot für Reisebusse könne die Situation nicht entschärfen, so wie die CSU das vorgeschlagen hatte. Da die Sebastianstraße eine Bundesstraße ist, sei das rechtlich nicht möglich, erklärte Iacob. 

Kein Feindbild schaffen 

Trotzdem begrüßt die Polizei ein Halte- und Parkkonzept für Reisebusse, sagte Polizist Meiler. Genau wie Füssen Tourismus und Marketing (FTM). Das habe ein „sehr großes Interesse“ daran die Situation zu verbessern, erklärte Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Dabei betonte er allerdings, dass Füssen ein generelles Verkehrsproblem habe. Die Reisebusse seien nur ein Teil davon. Werde beides gleichgesetzt und mit Billigtourismus verknüpft, werde „unheimlich schnell ein Feindbild aufgestellt“, warnte der Füssener Tourismusdirektor.

kk

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