Der Schutzgeist ist zurück

Handwerker schließen die Fassadensanierung der St. Anna-Kapelle ab

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Jan Josko, Bauleiter der Steinmetzarbeiten, platziert mit Hilfe eines Krans die restaurierte Steinfigur auf das Vorzeichen, den Vorbau, der St. Anna-Kapelle.

Füssen – Eine Punktlandung haben die Handwerker bei der Sanierung der Fassade der St. Anna-Kapelle hingelegt. Am vorvergangenen Dienstag setzten die Handwerker nun als letzten Schritt die restaurierte Steinfigur auf das Hauptgesims der St. Anna-Kapelle.

Damit schlossen die Handwerker die einjährigen Arbeiten an der historischen Fassade ab. „Mein Wunsch ist, dass heuer die Fassade geöffnet werden kann“, hatte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) noch Anfang August erklärt.

Frost und Salz hatten im Laufe der Jahrzehnte dem Sandstein der Fassade stark zugesetzt. Außerdem drang Wasser in die Kapelle ein (der Kreisbote berichtete). „Einige Teile waren in einem desolaten Zustand“, erklärte der Rathauschef. Deshalb wurde seit November 2018 an dem historischen Gebäude gewerkelt. Als letzten Schritt setzten die Handwerker am Dienstag nun die restaurierte Figur, die einen Totenschädel in der Hand hält, wieder auf den Vorbau der Kapelle. Für diese gibt es laut Museumsleiter Dr. Anton Englert zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder ist es ein Putto, ein Engel, der an die irdische Vergänglichkeit erinnert, oder ein trauernder Schutzgeist. 

In den Monaten davor hatten die Handwerker unter anderem die Lichtschächte an dem historischen Gebäude, die die Gruft beleuchten, abgesenkt, um die Fassadengliederung sanieren zu können. Sie erneuerten das rechte Fundament und reparierten und ergänzten die barocke Steinfassade der Kapelle mit neuem Sandstein aus Zell, wo es nötig war. Außerdem stellten sie die alte Balustrade vor einem Lichtschacht nach altem Vorbild wieder her und versetzten die Fassade darüber in den Urzustand, indem sie eine Tür in ein Fenster umbauten. 

Statisch unsicher 

Da Frost den Sandstein am Hauptgesims stark beschädigt hatte, reparierten und sicherten die Handwerker die entsprechenden Stellen. „Das ganze Hauptgesims war aufgeschiefert. Das hätte sich jederzeit lösen können“, erklärte der beauftragte Architekt Martin Hofmann. „Das war statisch alles andere als sicher“, bestätigte Steinmetz- und Bildhauermeister Dietmar Knacker. Jetzt sei das Hauptgesims zum Haus hin verankert. Um weitere Wasserschäden am Dach zu verhindern, passte ein Spengler die Blechverkleidung an. Auch der Maskaron unter dem Hauptgesims, eine Halbplastik, ein maskenhaftes Gesicht, hatte sich bereits in Schichten abgelöst. Durch Restaurationsmörtel bildeten die Steinmetze deshalb die fehlenden Stellen nach. 

Daneben konservierten und festigten sie den Wappenstein am Eingang zur St. Mang-Kirche. Darauf zu sehen ist ein Falke auf einem Berg, das Familienwappen des Abts Ulrich Denklinger, der 1339 den Ostchor von St. Mang neu überwölben ließ, erklärte Englert. Zusammen mit dem Stein, auf dem der Heilige Magnus zu sehen ist, bildeten sie die Schlusssteine im gotischen Gewölbe von St. Mang. Bei der barocken Umgestaltung wurden beide Steine, die zusammen das Konventswappen ergeben, an „besonderer Stelle“ in der Fassade der Kirche verbaut, so der Museumsleiter. Über dem Wappenstein, auf einen Sockel, kommt jetzt noch – vorübergehend – die gusseiserne Statue des Heiligen Magnus hin, die im 19. Jahrhundert noch an der Einfahrt des Platzes, gegenüber des Rathauseingangs stand. „Aus Brandschutzgründen kann sie da nicht mehr aufgestellt werden“, erklärte Museumsleiter Englert. 

Wie viel die Fassadensanierung der Stadt gekostet hat, steht noch nicht fest, erklärte Iacob. Für die Sanierung habe der Stadtrat 300.000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt. 27.000 Euro erhielt die Stadt zudem von der Bayerischen Landesstiftung. 

"Platz der Begegnung" 

Als nächster Schritt soll in den kommenden Jahren nun der Magnusplatz selbst in „schlichter aber schöner Art und Weise hergerichtet werden“, wünscht sich der Rathauschef. Er soll „ein Platz der Begegnung“ werden, wo Kirchengänger und Besucher Ruhe finden, um das „einmalige Ensemble“ aus Kloster, Klosterkirche und Hohen Schloss betrachten zu können, sagte Iacob. 

Bereits bei seinem Amtsantritt 2008 hatte er versprochen diesen „ganz wichtigen Platz“ für Füssen herzurichten, so der Rathauschef. Schließlich sei er „ein kulturelles Erbe aus dem Barock, das man pflegen muss und das über viele Jahrzehnte sehr wenig beachtet worden ist.“ Doch aufgrund der notorisch klammen Stadtkasse verzögerten sich die Arbeiten. Nach archäologischen Untersuchungen folgte zunächst Untergrundarbeiten, um den Hügel abzustützen, auf dem das Hohe Schloss thront. Danach ließ die Stadt die historische Balustrade und die Gesamtfassade der St. Anna-Kapelle restaurieren.

kk

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