Ein großes Bedürfnis

Die Beschilderung führt den Gast, der nach einer Toilette sucht, ins Rathaus. Wochenends steht er dort jedoch vor verschlossener Tür. Foto: Schuster

Füssen – Ein Arbeitskreis soll erarbeiten, wie Füssen das Angebot an öffentlichen Toiletten verbessern kann. Ein Konzept hatte zuvor die CSU-Fraktion im Hauptausschuss gefordert. Die Diskussion brachte aber das Problem zutage: Genug Toiletten wären da, es hapert an Öffnungszeiten und Zugänglichkeit.

„Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“ – diesen Spruch zitierte in der Sitzung des HFP ausgerechnet Bürgermeister Paul Iacob (SPD) bevor er einen solchen vorschlug. Der Ausschuss beschloss dann auch einen Arbeitskreis ins Leben zu rufen, allerdings gegen die Stimme von Dr. Hans Martin Beyer, der den ursprünglichen Antrag für die CSU gestellt hatte. 

In der Diskussion zuvor war deutlich geworden, dass eigentlich alle Klos in der Innenstadt – also alle die auch die Touristen aufsuchen – irgendeinen Makel haben. So ist die Toilette in der Markthalle klein und sonntags zu, wie Katja Kalbantner von Füssen Tourismus monierte. An Wochenenden steht auch die im Rathaus nicht zur Verfügung. Aus unbekannten Gründen sei oft das Klo-Häuschen auf dem Morisse- Parkplatz zugesperrt. Am Bahnhof steht lediglich ein provisorischer Wagen, der wohl erst mit dem Bahnhofsneubau wegkommt und in der Sparkassentiefgarage muss man sich für 50 Cent ein Parkticket ziehen. 

Das System „Friendly Toilet“, bei dem insgesamt neun Altstadt-Gastronomen ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, schaffe kaum Abhilfe. Und genau die Gastronomie leidet unter dem vermeintlichen Toilettenmangel, da viele Touristen nämlich die Gaststätten-Klos benutzen, ohne wirklich einzukehren. 

Die Lösung des Problems schoben in der Diskussion die Verwaltung und Füssen Tourismus ein wenig hin und her. Da FTM ja Kurtaxe einstreiche und die Toiletten größtenteils von den Touristen genutzt werden, stehe das Unternehmen in der Verantwortung, das Problem zu lösen, meinten die Vertreter der Stadt. Das gelte auch im Falle eines eventuellen Toiletten-Neubaus. „Wenn wir im Stadtkern ein Grundstück finden, dann muss FTM in die Bresche springen“, machte Iacob klar. Doch ein solches Grundstück war am Dienstag keinem im HFP bekannt. 

FTM-Vertreterin Kalbantner, die in der angeregten Diskussion zunächst gar nicht zu Wort kam, vermochte keinen Lösungsvorschlag auf den Tisch zu legen, lediglich das Problem aufzuzeigen. Rund 30 bis 40 Gäste fragten demnach jährlich in der Tourist-Info nach einer Toilette und werden dann in die Tiefgarage unter der Sparkasse geschickt. Dort 50 Cent für ein Parkticket auszugeben, sei Menschen mit Behinderung nicht zuzumuten, meinte Beyer, doch auch er konnte sich andererseits mit der Idee einer öffentlichen Bezahltoilette anfreunden – ein Widerspruch, wie Iacob fand. 

Der Rathauschef gab zudem an, dass die Firma SaniFair, die öffentliche Toiletten gegen Gebühr betreibt, wegen des geringen Touristenaufkommens bereits abgelehnt habe, Füssener „Örtchen“ zu bewirtschaften. Mangels einer Lösung beschloss der Ausschuss schließlich, einen Arbeitskreis mit Touristikern, Gastronomen und Verwaltungsmitgliedern aufzustellen, ähnlich dem Arbeitskreis Spielplätze. Zu viel Aufwand war das wohl für Beyer. „Da sollen sich die Leute einmal treffen und ein Konzept erarbeiten. Das muss reichen“, befand er.ps

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