Stadträte lehnen Neubau in der Floßergasse ab

Eigentümer darf Haus nicht abreißen

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Das Haus in der Floßergasse darf nicht abgerissen werden. Der Bauausschuss hat sich mehrheitlich für eine Sanierung ausgesprochen.

Füssen – Ungedämmte Wände, Feuchtigkeit und kleinteilige Räume: Am Haus in der Floßergasse muss einiges gemacht werden, um komfortabel darin wohnen zu können. Das war am Dienstag im Bauausschuss zu hören.

Da dem Bauwerber die Sanierung jedoch laut Bürgermeister Paul Iacob (SPD) zu teuer sei, will er das Haus abreißen und neu bauen. Doch dem Vorhaben schob der Bauausschuss einen Riegel vor: Denn das Gebäude steht unter Ensemble-schutz. Das Haus stammt aus den dreißiger Jahren, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer, und ist „massiv sanierungsbedürftig“. 

Da der Eigentümer nach einem Kostenvoranschlag aber der Meinung sei, dass eine Sanierung keinen Sinn mache, so Iacob, wolle er jetzt abreißen und neu bauen. Größer soll der Neubau allerdings nicht werden, sagte Angeringer. Was in der Lage auch kaum möglich ist. 

Denn das jetzige Gebäude steht an drei Seiten bereits an der Grundstücksgrenze. Damit ergibt sich außerdem ein weiteres Problem: Wenn der Eigentümer neu baut, muss er nach der heutigen Stellplatzsatzung einen Parkplatz mehr nachweisen. 

Dafür ist auf dem Grundstück aber kein Platz, erklärte Iacob. Den müsste der Bauwerber ablösen. Doch was absolut gegen einen Neubau spricht, ist der Ensembleschutz (d.h. Gebäude werden aufgrund ihres Zusammenspiels als erhaltungswürdig erachtet und sollen geschützt werden), unter dem das Gebäude steht. 

Deshalb werde die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Ostallgäu einem Abriss „nicht zustimmen“, so Angeringer. Und von dieser Meinung würde die Behörde „wahrscheinlich nicht abrücken“. Deshalb empfahl der Bauamtsleiter dem Gremium den Neubau abzulehnen und dem Bauwerber stattdessen eine Sanierung zu empfehlen. 

Optisch kein Unterschied 

Doch dieser Meinung konnte sich Dr. Martin Metzger (BfF) nicht anschließen. Denn Ensembleschutz bedeute nur, dass das Gebäude in die Umgebung passen muss. Und heutzutage könne man so bauen, dass anschließend keiner optisch den Neubau vom Altbau unterscheiden könne. Dann allerdings kann man „gscheid darin wohnen“, so Metzger. Schließlich wäre es „schade, wenn das Gebäude (Anmerk. d. Rd.) nachher kaum bewohnbar ist“, weil die Sanierung am Ende doch zu teuer sei, so der Stadtrat. 

Magnus Peresson (UBL) und Dr. Christoph Böhm (CSU) waren da ganz anderer Meinung. Das Haus sei nur im Original „als historisches Zeugnis und Ensemble wertvoll“, meinte Böhm. Außerdem halte Architekt Bernhard Herrmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde die Sanierungskosten in dem Fall für „leistbar“, meinte Böhm. 

Dem schloss sich Peresson an. Die ganze Stadt bestehe außerdem „aus 500 bis 600 Jahre alten Häusern. Man kann sich darin sehr wohl fühlen, besser als in mancher Betonschachtel, die wir hier genehmigen müssen“, meinte Peresson.

 Fassade erhalten 

Von außen müsse das Haus gestalterisch so bleiben, wie es ist, meinte auch Jürgen Doser (FW), aber innen könne der Eigentümer es durchaus so herrichten, wie er es braucht. Und so eine Sanierung funktioniert, griff Michael Jakob (CSU) auf seine eigene Erfahrung zurück. Das Gesicht solcher Häuser „müssen wir uns echt erhalten“, fügte Jakob an. Bis auf Metzger stimmten auch die übrigen Stadträte für eine Sanierung und Totalentkernung des Hauses.

Katharina Knoll

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