Stadträte segnen mehrheitlich Bebauungsplan Östliche Floßergasse ab

Die Kritik reißt nicht ab

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Völlig verwildert ist derzeit das Areal unterhalb des Franziskanerklosters. Der Bebauungsplan für das Gelände hat der Stadtrat nun mehrheitlich verabschiedet.

Füssen – Der Bebauungsplan für Wohnhäuser unterhalb des Franziskanerklosters steht: Am Dienstag hat der Bauausschuss den Bebauungsplan A 52 östliche Floßergasse mit 9:3 Stimmen verabschiedet.

Doch der Weg dorthin war steinig. Immer wieder wurde die Größe des Bauvorhabens oder auch den Eingriff in den Hang kritisiert. So auch am Dienstag. Etliche Träger öffentlicher Belange sorgten sich unter anderem um das Stadtbild. Und deshalb wurde auch eine hitzige Diskussion im Stadtrat geführt. 

Sein „grundsätzliches Einverständnis“ hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (Bau- und Denkmalpflege) in München für das Projekt gegeben. Einige andere Träger öffentlicher Belange sahen das Projekt jedoch kritisch. So war von einer Zerstörung des Geländes, einer städtebaulichen Fehlentwicklung oder einer massiven Schädigung des Stadtbildes die Rede. 

Ein Streitpunkt bei der Diskussion im Stadtrat war die Größe der zukünftigen Gebäude. Denn während Kreisbaumeister Anton Hohenadl laut Stadtplaner Gerhard Abt bei einem Ortstermin das Haus in der Spitalgasse 34 als Referenzhöhe akzeptiert hatte, war in seiner schriftlichen Stellungnahme davon nicht mehr die Rede. 

Jetzt sollten die Häuser „unter der Oberkante des Hanges bleiben“, so dass von hier „der ,Tiefblick´ Fischerviertel erhalten bleibt.“ Doch darauf ging Abt in seiner Abwägung nicht ein, was Dr. Martin Metzger (BFF) monierte: „Tatsächlich scheint da ein Widerspruch zu sein.“ Wenn man der Abwägung zustimme, dann rage das Haus „1,80 Meter“ über die Oberkante des Hanges hinaus, so Dr. Christoph Böhm (CSU). Da könne beispielsweise Heinz Hipp (CSU) nicht mehr auf das Kloster schauen, auch wenn sein Fraktionskollege zuvor erklärt hatte: „Die Sichtachse bleibt parallel. Der Mensch sieht alles, was er sehen soll.“ 

Magnus Peresson (UBL) erinnerte zudem daran, dass alle Träger öffentlicher Belange, „die davon etwas verstehen, haben kritische Stellungnahmen“ gegenüber dem Projekt abgeliefert, so Peresson. Und es sei „vollkommen wurscht“, was Hohenadl „irgendwann vor Ort gesagt hat“. Was zählte sei eine definitive schriftliche Aussage und die liegt jetzt vor. „Die kann man nicht vom Tisch fegen“, so Peresson. 

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) sah in den unterschiedlichen Forderungen jedoch kein Problem. „Es ist legitim, dass wir eine andere Höhe haben wollen“, meinte der Rathauschef. Die Stadträte könnten sich auch für die Hangoberkante als Grenze entscheiden. Aber das wollten sie offenbar nicht, mehrheitlich stimmten sie für die Abwägung. 

Probleme hatten Peresson auch mit dem Bodengutachten. Man könne nicht „von einem Eck auf 100 Quadratmeter schließen, das tut man nicht“, sagte Peresson zu Abt. Denn bis auf eine Bohrung betreffen die anderen Sondierungen des Gutachtens „keine für die künftige Bebauung relevanten Bereiche“, so Peresson in seiner Stellungnahme. Die hat er als Vorsitzender des Historischen Vereins „Alt Füssen“ verfasst.

 Erneute Untersuchung 

Eine flächendeckende Auffüllung von 2,9 Metern, so wie die Planer das vermuten, sei aus dem Gutachten nicht herauszulesen, meinte Alt-Füssen-Mitglied Peter Nademann in dem Schreiben. „Dies ist aber von großer Bedeutung, da bei einer Abtragung von 2,9 Metern der natürliche entstandene Untergrund mit entfernt wird. Dies hat Auswirkungen auf den Hang, der seine prägende Struktur völlig verlieren werde.“ Und genau diese Geländeformation sei das „bekannte Bodendenkmal“, auf das das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (Bodendenkmalpflege) in Thierhaupten in seiner Stellungnahme hinweise, meinte Böhm. 

Doch Abt war da anderer Meinung. „Hier handelt es sich um etwas ganz anderes. Hier könnten archäologische Funde gemacht werden.“ Deshalb soll eine Fachfirma das Areal denkmalpflegerisch untersuchen, bevor der Bebauungsplan rechtskräftig wird, so Abt. „Sollten wider Erwarten auch hier Funde zu Tage treten, wäre ebenfalls eine Abstimmung über die weitere Vorgehensweise vorzunehmen“, erklärte der Stadtplaner in seiner Abwägung, die der Ausschuss mehrheitlich absegnete. 

Mit dieser Entscheidung riss die Kritik an dem Projekt aber noch nicht ab. Denn unter anderem der 30-Grad-Winkel, den die Gebäude zum Kloster einhalten sollten, machte Metzger Sorgen. Auf den hatten sich die Beteiligten geeinigt, um die Sicherheit des Klosters zu gewährleisten. Der müsse „zu jeder Zeit an jeder Stelle und für jede Art von Abgrabung (einschließlich z.B. der Arbeits- und Fundamentierungsräume) eingehalten werden“, so Hohenadl in seiner Stellungnahme. 

Da dies eine unverzichtbare Mindestanforderung an die statische Dauerhaftigkeit der angrenzenden Baudenkmäler und der davorliegenden Erschließung sei, „kann hier keine weitere Ausdehnung einer Abgrabung vorgenommen werden“, so der Kreisbaumeister weiter. Doch das „Haus D“ der Planung hält diesen Winkel nicht ein. Das sei jedoch „für die Standsicherheit des Klosters völlig ohne Belang“, so Abt in seiner Abwägung. „Es liegen praktisch alle Häuser entlang der westlichen Seite der Spitalgasse bis zu drei Geschosse im Hang.“ 

Und dass das „Haus A“ den Winkel nicht einhalte, liege daran, dass es an eine bereits bestehende Wand gebaut werde. Falls aber doch Schäden am Kloster entstehen, müsse nicht die Stadt haften, wie Iacob Metzger beruhigte. „Ein Beweissicherungsverfahren wird gemacht. Wenn ein Riss entsteht, muss der Bauträger haften.“ Allerdings soll der Hang noch statisch untersucht werden, so Abt. Wahrscheinlich werde man Felsen entdecken. „Die Beobachtungen weisen darauf hin.“ Das Projekt an sich könne der Rat nicht mehr stoppen, sagte Iacob immer wieder während der Sitzung. „Wir haben einen Beschluss, dass dort bebaut wird, mit Tiefgarage.“ 

Auch das Baufenster für „Haus D“ könne man nicht ablehnen, wie Böhm vorgeschlagen hatte. „Wir haben schon beschlossen, dass das Haus so kommen soll. Die Baufenster liegen fest.“ 

Katharina Knoll

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