Verkehr: Stadtrat einigt sich auf Einzelmaßnahmen

In kleinen Schritten

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Einer der vielen Zankäpfel: Der Zebrastreifen vor dem Luitpoldkreisel. Die SPD will an ihm festhalten, die anderen Fraktionen wollen ihn weghaben.

Füssen – Gegen die Stimmen der SPD-Fraktion und Jörg Umkehrer (Grüne) hat sich der Stadtrat am Dienstagabend nach einer zähen Diskussion wie erwartet auf die Umsetzung des fraktionsübergreifenden Verkehrskonzepts von CSU, FW sowie UBL/BfF geeinigt.

Um das Papier mit verschiedenen kleineren Einzelmaßnahmen aber tatsächlich verwirklichen zu können, muss zunächst der seit Jahren umstrittene Bebauungsplan W 43 in Teilen geändert werden. Das soll laut Beschluss vom Dienstagabend in der nächsten Sitzung des Gremiums erfolgen. Nach jahrelangem Stillstand wollten die Fraktionen von CSU, FW und UBL/BfF mit einem fraktionsübergreifenden Eilantrag noch vor dem Sommer Lösungen durchdrücken, um den Verkehr in der Tourismussaison zu entzerren (der Kreisbote berichtete).

 Am Dienstagabend konnten sie nun nach einer heftigen Debatte einen Teilerfolg verbuchen: Das Gremium einigte sich auf die Umsetzung verschiedener Einzelmaßnahmen. So sprach sich der Rat einstimmig dafür aus, die Bahnhofstraße vom und in den Westen der Stadt für Busse und Taxen freizugeben. Auch die Verwaltung unter Bauamtsleiter Armin Angeringer befürwortet diesen Schritt. 

Für mehr Diskussionsbedarf sorgte die Idee, die Linksabbiegerspur in der Augsburger Straße zum Kaiser-Max-Platz (KMP) Richtung Schwangau durch den Wegfall von einigen Parkplätzen auf der Ostseite der Augsburger Straße um rund 45 Meter auf dann etwa 130 Meter zu verlängern. Bauamtsleiter Angeringer verwies auf eine Stellungnahme des Staatlichen Bauamtes Kempten, das dieses Vorhaben kritisch bewerte. Die Behörde habe erklärt, dass die davon betroffenen Straßen- und Parkplatzmarkierungen nicht aufgemalt, sondern eingefräst seien. Eine Änderung sei daher nur mit einem hohen technischen und finanziellen Aufwand von mindestens 20.000 Euro möglich. Daher sei fraglich, ob der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen stehe.

 Anwohner sind verärgert 

Darüber hinaus müsse geklärt werden, ob bei einer Realisierung auch die Ampelschaltung verändert werden müsse. Da in Füssen die Ampelschaltungen aber alle zusammenhängen, um einen bestmöglichen Verkehrsfluss zu gewährleisten, hätte das wiederum Einfluss auf alle anderen Ampeln. Nachteile entstünden durch den Wegfall der Parkplätze auf Höhe Augsburger Straße 14-16 auch für die dortigen Geschäfte und Anwohner, warnte Angeringer. „Die Anwohner äußern eher Unverständnis darüber, zumal auch in der Robert-Schmid-Straße Parkplätze weggefallen sind“, ergänzte Manfred Schweinberg vom Verkehrsamt.

 Zwar äußerten auch einige Stadträte wie Lothar Schaffrath von der SPD oder Jörg Umkehrer (Grüne) Zweifel am Nutzen dieser Maßnahme. Letztlich folgte der Rat aber einem Antrag von Dr. Martin Metzger. Der Stadtrat der BfF schlug vor, dass die Verwaltung Kosten und Machbarkeit einer zunächst provisorischen Verlängerung der Linksabbiegerspur prüft. „Damit sind wir aus der Sackgasse mit den 20.000 Euro raus“, argumentierte er. 

Einstimmig abgelehnt wurde dagegen der Vorschlag, den Rechtsabbiegern aus der Augsburger Straße zum Luitpold-Kreisel (LK) solange freie Fahrt zu gewähren, wie auch die Linksabbieger vom LK in die Augsburger Straße grün haben. Auch die Idee eines grünen Pfeils wurde auf Anraten von Thomas Meiler von der Polizei schnell wieder verworfen.

Schlappe für SPD 

Eine heftige Diskussion entbrannte anschließend um den Wegfall des Zebrastreifens am Luitpoldparkhotel. Stattdessen soll weiter südöstlich eine Querungshilfe gebaut werden. Außerdem soll der Gehweg verkleinert werden, um eine zweite Fahrspur am LK in Richtung KMP zu ermöglichen. Das hatte der Stadtrat bereits im Sommer 2012 beschlossen. Eine Umsetzung war bisher aber unter anderem wegen des umstrittenen Bebauungsplans W 43 gescheitert. „Es ist zweifelsfrei so, dass dort durch das unregelmäßige Nutzen oft nur ein Auto durch kommt“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Die geforderte Querungshilfe sei da eine Alternative. „Es wäre möglich, diese provisorisch einzurichten“, sagte er. „Die Luitpoldpassage war immer als Provisorium gedacht, nicht um die Fußgänger in die Altstadt zu lotsen.“ Iacobs SPD-Fraktion trat hingegen vehement für den Erhalt des Zebrastreifens ein. „Dieser Zebrastreifen funktioniert“, betonte Fraktionsvorsitzender Lothar Schaffrath. „Der Fußgängerweg muss bleiben“, forderte auch Ilona Deckwerth. „Der Bedarf der Fußgänger ist ein mit Füßen getretener Bedarf.“ 

Für Heinz Hipp von der CSU ist der Zebrastreifen jedoch die Ursache allen Übels. „Wie schaffen wir es, dass die Fußgänger rüber kommen, ohne das Verkehr aufgehalten wird“, fragte er. Einen Kompromiss präsentierte Thomas Meiler von der Polizei. Er schlug vor, probeweise am Zebrastreifen den „Schülerlotsen“ für die Passanten zu spielen. „Dann haben wir zumindest einen Vergleich, wie es ist wenn jemand die Fußgänger lotst.“ 

Das Gremium einigte sich schließlich mit 13:7 Stimmen auf die Umsetzung der geforderten Maßnahmen. Zuvor soll aber der Versuch von Thomas Meiler gemacht werden. Außerdem stimmte das Gremium mehrheitlich dafür, diesen Bereich aus dem B-Plan W 43 herauszunehmen, um die Umsetzung zu ermöglichen. Diese Änderung soll in der nächsten Sitzung erfolgen.

Matthias Matz

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