Heißes Eisen Abendmahl

Es ist kein alltäglicher Gottesdienst, der am Sonntag, 18. September, in der Lechhalle in Lechbruck hätte stattfinden sollen. Denn es ist ein ökumenischer, eucharistischer Gottesdienst, der für dieses Datum angesetzt war und kurzfristig abgesagt werden musste. Eine Eucharistiefeier – sprich das rituelle Abendmahl – in einem Gottesdienst für katholische und evangelische Christen? Dazu sagen beide Kirchen „nein“. Doch sie veranstalten den Gottesdienst nicht, sondern die „Ökumenische Basisgruppe Allgäu“ um den umstrittenen Pfarrer im Ruhestand Horst Drosihn. Der hat damit kein Problem und ist sich sicher: der „Herr Jesus“ hätte es auch nicht.

Jahrzehnte lang war Horst Drosihn evangelischer Pfarrer in Lechbruck. Seit knapp zehn Jahren ist er Pfarrer i.R., im Ruhestand, interpretiert das Kürzel aber lieber als „in Ruf- und Reichweite.“ Seitdem forciert er aktiv die Annäherung der verschiedenen christlichen Konfessionen – ohne kirchlichen Auftrag. Damit eckt er bei beiden großen Kirchen immer wieder an. Der gemeinsame, eucharistische Gottesdienst im September hätte bereits der dritte seiner Art werden sollen. Weil der katholische Geistliche, der ihn mit ihm zusammen hätte feiern sollen, krank wurde, fällt die Veranstaltung jedoch aus – vorerst. Der Gottesdienst hätte eigentlich schon im Frühjahr stattfinden sollen, kam jedoch aus den selben Gründen nicht zustande. Im Vorfeld dieses Termins bat der KREISBOTE den stellvertretenden Dekan und Füssener Pfarrer Joachim Spengler um eine Stellungnahme. Der kritisierte die Aktionen Drosihns als Alleingänge, die nicht mit der Kirche abgesprochen sind und nicht mit deren Bemühungen um die Ökumene einher gehen. „Die Ökumene ist noch nicht so weit, dass wir einen gemeinsamen Abendmahl-Gottesdienst feiern könnten“, erläuterte vergangene Woche Thomas Seitz, Drosihns Nachfolger als Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Lechbruck, gegenüber dem KREISBOTE. Dies sei aber selbstverständlich deren Ziel, betonte er. Zu große Unterschiede für ein gemeinsames Abendmahl sieht auch der katholische Pfarrer von Lechbruck, Hans-Ulrich Schneider. Die beiden Konfessionen hätten „verschiedene Anschauungen von der Gestalt Christi in Brot und Wein“, erläuterte er. Drosihns Gottesdienst sei „eine Privatveranstaltung“, die nicht mit der Kirche in Einheit gehe. Er fürchte, dass das Tun des Pfarrers im Ruhestand die Gläubigen spalte und nicht zusammenführe. „Es schadet der Kirche“, so Schneider. Doch die Kirche ist Horst Drosihn nach eigener Aussage weit weniger wichtig als die Bibel, denn die Lehren des „Herrn Jesus“ auf den er sich beruft, seien ja für alle Christen gleich. Schneider jedoch meint: „Man kann Bibel und Kirche nicht trennen. Christus ist das Haupt – die Kirche, das sind die Glieder“. Er verweis auf zahlreiche ökumenische Veranstaltungen vor Ort etwa vor Pfingsten oder am Buß- und Bettag. Auch wenn Horst Drosihn erstmal keinen Abendmahl-Gottesdienst abhalten kann, von seinen Ansichten will er nicht abrücken und auch weiterhin die Kirche nicht um Erlaubnis fragen. Er hat sich mit gleichgesinnten zur „Ökumenischen Basisgruppe Allgäu“ zusammengeschlossen. Die hat nun einen offenen Brief an die deutschen Bischöfe formuliert. Anlässlich des Deutschland-Besuchs des Papstes stellen sie darin die Frage: „Wie können wir das Evangelium der Versöhnung verkünden und nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen wollen?“.

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