Letzte Wünsche wagen

Arbeiter-Samariter-Bund stellt "Wünschewagen" für das Allgäu vor

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Das Team um ASB-Geschäftsführer Uwe Kuchinke (v. li.), Kathrin Waldmann (PR und Fundraising Wünschewagen) und Sonja Hujo (Koordinatorin und Wunscherfüllerin) ist mit Herzblut dabei, um den Fahrgästen ihren Herzenswunsch zu erfüllen.

Kaufbeuren/Landkreis – Letzte Herzenswünsche erfüllen – das ermöglicht der „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Das in dieser Form einzigartige Projekt gibt es nun auch im Allgäu.

Der ASB-Wünschewagen Allgäu-Schwaben ist in Kaufbeuren stationiert und erfüllt als ehrenamtlich getragenes und aus Spenden finanziertes Projekt Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen besonderen Herzenswunsch. 

Ein letzter gemeinsamer Familienausflug, einmal noch in die Berge, auf ein Konzert oder zum Spiel der Lieblingsmannschaft: Der Wünschewagen fährt schwerkranke Menschen gemeinsam mit ihren Familien und Freunden noch einmal an ihren Lieblingsort. Die Fahrgäste werden dabei von mindestens zwei ehrenamtlichen Fachkräften aus dem medizinisch-pflegerischen Bereich oder dem Rettungsdienst begleitet. Für den Fahrgast und seine Begleitung ist die Fahrt zum Wunschziel kostenlos. 

Die Fahrt im speziell umgebauten Krankentransportwagen erfolgt in angenehmer Atmosphäre; dafür sorgt ein harmonisches Konzept aus Licht und Farben sowie eine Musikanlage und Panoramafenster. Während der Reise steht der Fahrgast und sein Wohlergehen im Mittelpunkt. In Deutschland gibt es aktuell knapp 20 Wünschewagen. Der erste seiner Art startete 2014 in Nordrhein-Westfalen. Für das Projekt engagieren sich bundesweit insgesamt rund 1300 Ehrenamtliche, und so konnten bereits über 1000 letzte Wünsche erfüllt werden.

Auch der Wünschewagen Allgäu-Schwaben ist aus der Initiative der ASB-Mitarbeiter entstanden, die in ihrer Tätigkeit im Pflegebereich tagtäglich mit unerfüllten „letzten Wünschen“ ihrer Kunden zu tun haben. So konnten die ersten hiesigen Wunschfahrten schon realisiert werden. 

Von der Resonanz überwältigt war ASB-Geschäftsführer Uwe Kuchinke und das Wünschewagen-Team, die mit solch einer positiven Rückmeldung, auch seitens freiwilliger Helfer, nicht gerechnet hätten. Eine Wunschanfrage kann der Fahrgast selbst, seine Angehörigen oder Pfleger/Palliativkräfte beim ASB in Kaufbeuren oder unter www.wuenschewagen.de stellen. Der Wünschewagen samt engagierter Helfer ist für Kinder und ältere Menschen da, die schwerkrank sind: „Wir schließen niemanden aus“, betont Koordinatorin und Wunsch­erfüllerin Sonja Hujo.

Kurzfristiger Einsatz

Mit persönlichen Schicksalen, Freud und Leid kommen die Wunscherfüller dabei in Berührung. So erzählt Hujo etwa von der Freude beim Antragssteller angesichts einer Zusage, die auch beim Helfer Glücksgefühle auslöst. Wünsche können auf diesem Wege, mitunter auch ganz kurzfristig, erfüllt werden, die sonst nicht möglich wären. Das Wünschewagen-Team erlebt dabei mit, wie die Fahrgäste vor den Fahrten aufblühen. Ein Anliegen ist es für die Wunscherfüller auch, offener mit dem Thema Tod und Sterben umzugehen.

 Auch für Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) handelt es sich um eine besondere Aktion, die einen „stark berührt“. So zeigte sich der OB von einem solchen Projekt begeistert, das sich zur Aufgabe macht, „sich den Sterbenden anzunehmen und sie dahin zu begleiten, wo ihre Sehnsüchte sie hinführen“. 

Wie Geschäftsführer Kuchinke bekräftigt, lebt das Projekt vom ehrenamtlichen Engagement und ist auch weiterhin auf Spenden angewiesen. Insofern freut sich das Team auf jede finanzielle Unterstützung oder personelle Verstärkung durch Ehrenamtliche, mit oder ohne medizinische Qualifikation, um künftig gemeinsam viele weitere Wünsche wahrmachen zu können.

mk

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