Nesselwanger Asylbewerber-Unterkunft wird aufgelöst

Asylbewerber ziehen weg

+
Der Mietvertrag für die Asylbewerberunterkunft in Nesselwang ist ausgelaufen. Die verbliebenen fünf Eritreer müssen deshalb umziehen.

Nesselwang – Ende Juni ist der Mietvertrag für die Nesselwanger Flüchtlingsunterkunft abgelaufen.

Die fünf aktuell noch in Nesselwang untergebrachten Eritreer müssen in andere Unterkünfte in Buchloe und Rieden umziehen. Dennoch war sich Bürgermeister Franz Erhart vergangene Woche im Gemeinderat sicher: „Das Thema Asyl wird sich noch nicht erledigt haben!“ 

Über die Situation der Asylbewerber und ihrer Helfer in den vergangenen zwei Jahren berichteten die beiden Sprecher der Bürgerwerkstatt Asyl Peter Erd und Alfons Klotz in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. 

Die Bürgerwerkstatt wurde spontan vor zwei Jahren ins Leben gerufen, als klar wurde, dass auch in Nesselwang wie fast überall im Landkreis Ostallgäu Migranten vorübergehend untergebracht werden müssen. Bis zu 87 Zuwanderer hätten in der Marktgemeinde untergebracht werden müssen. „Wir waren die 12. Gemeinde im Landkreis, die Asylsuchende aufgenommen hat“, so Bürgermeister Erhart. „Im Rat hatten wir damit wenig Arbeit, es hat alles gut funktioniert“, lobte er die Arbeit der Bürgerwerkstatt (BW). 

30 bis 40 ehrenamtliche Helfer waren in dieser engagiert, um die Asylbewerber bei Behördengängen und den vielen anderen Hürden in der deutschen Bürokratie zu unterstützen. „Es gab alle zwei Monate ein Helfertreffen“, so Alfons Klotz, einer der Gründer der Bürgerwerkstatt und Sprecher. Es wurden von den im Schnitt 25 Aktiven zahlreiche Informationsveranstaltungen besucht und auch organisiert. „Es gab mehrere Arbeitsgruppen innerhalb der Bürgerwerkstatt wie die Kümmerer, Sprache und Schule und den Fahrdienst“, erläuterte Peter Erd. 

Beide berichteten über ihre Erfahrungen mit den Behörden. So fuhr Peter Erd zweimal mit einem Migranten nach München zum BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) und konnte trotz Termin in der Behörde unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. „Das waren lange Tage von morgens um halb sechs bis abends um kurz vor sieben.” 

Auch Probleme zwischenmenschlicher und kultureller Art zwischen den Volksgruppen mussten von den freiwilligen Helfern gelöst werden. So gab es immer wieder Reibereien aufgrund der unterschiedlichen Kochgewohnheiten von Eritreern und Pakistani. Eine Lösung wurde gefunden und von der BW in Eigenregie umgesetzt. 

Probleme mit BAMF

Zahlreiche Probleme gab es auch mit verspätet bearbeiteten Anträgen, so dass Fristen verstrichen waren. So seien unter anderem Fahrtkosten im vierstelligen Euro-Bereich vom BAMF nicht übernommen worden – trotz vorheriger Zusage. Alfons Klotz lobte trotz vieler Probleme mit den Ämtern und Behörden die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde am Landratsamt sowie das Engagement der dortigen Mitarbeiterinnen, „die sich immer wieder und sehr engagiert für unsere Schützlinge eingesetzt haben“, so Klotz. 

18 Paten gab und gibt es demnach innerhalb der BW, die sich intensiv mit ihren Schützlingen beschäftigen und diesen helfen. So konnten mittlerweile sieben Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge im Ort gefunden werden. Alfons Klotz berichtete von vielen Restriktionen, vielen Ablehnungen und Problemen von Seiten der Behörden. 

So seien Datenkorrekturen wie ein falsch eingetragenes Geburtsdatum oder eine Verwechslung von Vor- und Familienname trotz vorhandener Dokumente ein sehr aufreibendes Geduldsspiel.Einen Pass oder eine Geburtsurkunde aus Eritrea zu bekommen, sei so gut wie unmöglich. Peter Erd stellte ein Beispiel vor aus dem Sprachtest für die Asylsuchenden. „Dieser bewegt sich auf Abitur-Niveau. 

Wie soll das einer nach ein paar Monaten schaffen, der zwei, drei Stunden in der Woche Deutsch lernt? Die Bücher und die Anforderungen gehen an der Realität vorbei“, stellte er fest. „Sie sollten alltägliches über Werkzeug und Alltagsgegenstände lernen“. Erfolge konnte die Bürgerwerkstatt bei der Vermittlung in Arbeitsverhältnisse verzeichnen. Bisher konnten lediglich vier Eritreer noch nicht vermittelt werden. Dies liege aber überwiegend an den noch vorhandenen sprachlichen Barrieren.

2100 E-Mails

„Unsere Flüchtlinge brauchen weiterhin die Unterstützung und Hilfe durch ihre Paten“, so Klotz. Die bürokratischen Hürden seien nach wie vor für sie nicht zu bewältigen und teilweise auch unverständlich. „Aber nicht nur für sie“. Klotz hat nach eigenen Angaben im Laufe der beiden Jahre mehr als 2100 E-Mails erhalten und verschickt. „Jeder der will, kann sie gern bei mir lesen“.

Er dankte im Namen der Bürgerwerkstatt Asyl der Firma Baier, die die Unterkunft zur Verfügung gestellt hatte, dem Markt Nesselwang, der Caritas für die Unterstützung, dem Landratsamt und hier im Besonderen den Damen der Ausländerbehörde, sowie dem Bistum Augsburg, das die Fahrtkosten, die nicht vom BAMF erstattet wurden, übernommen habe. „Ich danke allen Helferinnen und Helfern, die in den vergangenen zwei Jahren uns in der Bürgerwerkstatt unterstützt haben. Danke!” sagte Klotz abschließend. 

„Das Thema Asyl wird sich noch nicht erledigt haben“, stellte Bürgermeister Franz Erhart angesichts der derzeitigen Entwicklung in Afrika und im Nahen Osten fest. „Es gilt abzuwarten, was die Zukunft bringt“. Diskussionen und Unstimmigkeiten innerhalb der Bürgerwerkstatt Asyl seien ein Streit um die beste Lösung gewesen. Im Namen des Marktes dankte der Bürgermeister Klotz und Erd für ihren schier unermüdlichen Einsatz sowie allen Helferinnen und Helfern für ihr ehrenamtliches Engagement.

hoe

Auch interessant

Meistgelesen

Kompetent und informativ
Kompetent und informativ
Die Arbeiten beginnen
Die Arbeiten beginnen
Stadtverwaltung im Tiefschlaf?
Stadtverwaltung im Tiefschlaf?
Zurück in die Goldenen Zwanziger
Zurück in die Goldenen Zwanziger

Kommentare