Ein Tüftler in Hochform

Hermann Ungurean (links) erklärt seinem Ideengeber Friedrich Petz die Funktionsweise der Wegfahrsperre. Fotos: Sommer

Lechbruck – Egal, ob ein 3,95-Euro-Schloss oder eine teure Stahlkette – kaum ein Fahrradschloss ist vor Langfingern sicher. Allein in München wechseln pro Jahr rund 16.000 Fahrräder den Besitzer – ungewollt. Das könnte sich womöglich bald mit einer Erfindung des Tüftlers Hermann Ungurean ändern.

„Könnte man nicht ein Schloss fürs Tretlager erfinden?“ erinnert sich Hermann Ungurean an die seiner Erfindung zugrunde liegende Idee von Friedrich Petz. Der Lechbrucker Metzgerwirt weiß aus eigener Erfahrung, dass manche Drahtesel ihren Besitzern derart lieb und teuer sind, dass „sie sie am liebsten mit ins Restaurant nehmen und dort am Tisch anketten würden“. Beim wöchentlichen Stammtisch beschrieb Petz seinem Freund das Problem und seine Idee. 

Die ersten Überlegungen seien negativ gewesen, erzählt Ungurean. Denn das Fahrrad könnte trotzdem noch geklaut werden und mögliche Diebe könnten es wegrollen und auch lenken. Mit der Wegfahrsperre allerdings könnten die Radlklauer nicht mehr fahren. Vor allem aber würden sie beim Versuch die Wegfahrsperre mit Gewalt zu öffnen, das Fahrrad zerstören oder zumindest irreparabel beschädigen. Womit es so oder so wertlos wird für den Dieb und er es auch nicht mehr verkaufen könnte, so die Überlegung des Tüftlers. Daraufhin ersann Ungurean ein System, das man nachträglich oder ab Werk an die Fahrräder anbauen kann. 

Fahrrad zum Orten 

Damit hat der gelernte Maschinenbauer schon früh sein Geld verdient – indem er Lösungen für diverse Probleme fand. Unter anderem geht das Pfandschlosssystem für Einkaufswagen, wie wir sie tagtäglich benutzen, auf ihn zurück. Mehr als zehn Millionen dieser Schlösser, die den Einkaufswagen erst freigeben, wenn man eine Pfandmünze einsteckt, hatte Ungurean europaweit verbauen lassen. Ruhiger ist es für den Pensionär aber dennoch nicht geworden, gerade restauriert er ein Borgward Isabelle Coupe. Und tüftelt nebenbei an solchen Erfindungen wie der Wegfahrsperre. 

Die funktioniert im Prinzip wie bei einem Auto: Mit Hilfe eines Funksenders aktiviert er einen Motor, der wiederum einen Bolzen in das Tretlager treibt und dieses versperrt. Gespeist wird der Motor über eine Batterie und einen Dynamo, der diese beim Treten wieder auflädt. Weiterhin gibt es einen Sicherungsstift, der eine versehentliche Aktivierung des Schlosses beim Fahren verhindern soll. Und die Batterie versorgt darüber hinaus einen GPS-Sender, mit dessen Hilfe das geklaute Fahrrad geortet werden kann. 

Wie reagiert die Industrie? 

All das hat sich der Lechbrucker Hermann Ungurean mittlerweile schützen lassen. Nun will der Ostallgäuer – sollten die Recherchen beim Patentamt negativ ausfallen – das Patent beantragen. 150 verschiedene Fahrradschlösser gebe es weltweit, hat Ungurean herausgefunden und wahrscheinlich keines, das so funktioniert wie seines. Gespannt ist Hermann Ungurean vor allem auf die Reaktionen der Industrie – Ende des Monats findet mit der „Eurobike“ eine der bedeutendsten Fahrradmessen Europas in Friedrichshafen am Bodensee statt. Im Vergleich zum Anschaffungspreis – es gibt Mountainbikes zum Beispiel aus Kohlefaser, die locker 10.000 Euro und mehr kosten – fallen die kalkulierten Kosten für die Wegfahrsperre, die Ungurean auf 100 Euro, nachträglich eingebaut auf 250 Euro schätzt, gering aus. Dann können die Gäste auch wieder unbesorgt ihre Drahtesel vor dem Lokal stehen lassen und müssen nicht fürchten, nur noch ein geknacktes Schloss nach der Brotzeit vorzufinden. Oliver Sommer

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