Das "Herzzentrum Füssen – Außerfern" geht offiziell in Betrieb

Dr. Martin Hinterseer (2.v.r.) erklärt den Anwesenden wie der neue Linksherzkathetermessplatz funktioniert. Foto: Knoll

Füssen – Nach drei Jahren Verhandlung ist es nun soweit: Das Bezirkskrankenhaus (BKH) Reutte und das Krankenhaus Füssen haben mit dem Herzinfarktnetzwerk Königswinkel-Außerfern und dem neuen Linksherzkathetermessplatz ein gemeinsames Herzzentrum. Das wurde am Dienstag im Kaisersaal eingeweiht.

Dass sich eine Kooperation zwischen den beiden Krankenhäusern anbiete, liege auf der Hand. Denn schließlich sind sie nur 20 Kilometer von einander entfernt, meinte der Lechaschauer Bürgermeister Aurel Schmidhofer, der zudem auch Obmann des Gemeindeverbandes BKH Reutte ist. Läge nicht die Grenze dazwischen wären beide Häuser schon längst zusammengelegt worden. Diese Grenze, die laut dem Verwaltungsratsvorsitzenden der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, Landrat Johann Fleschhut „gar nicht mehr wirklich spürbar ist“ mache jedoch alles schwieriger. Das Haupthindernis bei dem Projekt sei das „liebe Geld“ gewesen, erklärte Schmidhofer. Denn in Deutschland zahlen die Krankenkassen die Behandlung im Krankenhaus. In Österreich hingegen wird die zur Hälfte von den Kassen und zur Hälfte durch Steuern finanziert. Wenn ein Österreicher in Deutschland behandelt wird, müssen die Kassen komplett für die Kosten aufkommen. Das sei zwar jetzt geklärt, allerdings seien weitere Abstimmungen noch notwendig, meinte Fleschhut. Bei einem Herzinfarkt wird die Blutzufuhr zum Herzmuskel abgeschnitten. Davon ist zunächst nur ein kleiner Teil des Herzens betroffen. Erst nach mehreren Stunden hat der Infarkt seine volle Größe erreicht, erklärte Prof. Dr. Otmar Pachinger von der Klinik Innsbruck, in seinem Fachvortrag. An den Herzrhythmusstörungen oder der Größe eines Infarkts kann der Patient dann sterben. Deshalb ist „Zeit Herzmuskel und damit Lebensqualität“, sagte Fleschhut. Bisher mussten die Außerferner Herzinfarktpatienten über zwei Pässe und der „staureichsten Strecke Österreichs“ nach Innsbruck gebracht werden. Das dauerte zu lang, mindestens zwei bis drei Stunden, so Schmidhofer. Deshalb sei man der Bevölkerung diese Kooperation „einfach schuldig gewesen“. Beispielsweise bei einem Schneechaos habe auch der Transport der Patienten aus der Füssener Gegend nach Kaufbeuren zu lang gedauert. Außerdem seien dort die Kapazitäten ausgelastet, meinte Fleschhut. Der neue Linksherzkathetermessplatz im Füssener Krankenhaus, der laut Fleschhut mit Umbau und Geräten rund 1,5 Millionen Euro gekostet habe, ermöglicht jetzt die Behandlung der Patienten vor Ort. Eine weiterer wichtiger Punkt ist das Herzinfarktnetzwerk Königswinkel-Außerfern, in dem die Rettungsdienste beider Länder vernetzt sind. Vorangetrieben haben das Projekt Dr. Martin Hinterseer, der ärztliche Direktor des Füssener Krankenhauses, Primar Dr. Eugen Ladner, der ärztliche Direktor im BKH Reutte, und Dr. Dietmar Baron, Verwaltungsdirektor im BKH Reutte. Nur durch den Wunsch der Bevölkerung, der Kooperation der Partner und ihrem gegenseitigen Vertrauen, der medizinischen Kompetenz „auf Augenhöhe“ und einem langem Atem habe man das Projekt realisieren können, erklärte Baron. Dass das Herzzentrum auch ein Anstoß für weitere Kooperationen beispielsweise in der Kinderheilkunde sein könnte, hoffte auch der Vorstand der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, Dr. Joachim Klasen. Die Schirmherren des „Herzzentrums Füssen – Außerfern“ sind Dr. Theo Waigel auf deutscher und Dr. Franz Fischler auf österreichischer Seite. kk

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