"Es fehlen gute Leute"

Wegen hoher Arbeitsbelastung und fehlendem Nachwuchs schließt heute der "Juwelier Wollnitza"

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Voller Vorfreude sagt Uhrmachermeister Ralph Prinz: „Ich bin mir sicher, dass ich eine schöne neue Werkstatt in Füssen finden werde.“ Auf 125 Jahre blickte das Füssener Juweliergeschäft Wollnitza mit oberschlesischen Wurzeln voriges Jahr zurück. Nach dem Jubiläum am Stadtbrunnen erfolgt unter großem Bedauern des Inhabers Anfang 2018 die Geschäftsaufgabe.

Füssen – Eine Ära geht zu Ende: Am heutigen Mittwoch, 31. Januar, schließt der Uhrmachermeister Ralph Prinz sein traditionsreiches Fachgeschäft „Juwelier Wollnitza“ am Stadtbrunnen.

Damit verliert die Füssener Altstadt sozusagen ein Juwel. Wer neuer Mieter wird, ist noch nicht bekannt. Seit 1892 war der Füssener „Juwelier Wollnitza“ auch überregional ein Begriff. 30 Jahre lang stand für die Familie Prinz die fachmännische Beratung für ihre zahlreichen Kunden aus nah und fern im Vordergrund. 

Doch trotz der Schließung gibt es auch eine gute Nachricht: Geschäftsinhaber Ralph Prinz kündigte im Gespräch mit dem Kreisbote an, seine Uhrenwerkstatt weiter betreiben zu wollen. Der 53-jährige Handwerker hatte den Juwelierladen in der Hutergasse von seinem Vater Dieter Prinz übernommen und führte – unterstützt von einem Verkäuferinnen-Team – das etablierte Geschäft erfolgreich weiter. „Mehrere Gründe sind ausschlaggebend, dass wir am 31. Januar dennoch schließen müssen“, bedauert Ralph Prinz im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Arbeitsbelastung in Werkstatt, Beratung und Verkauf habe „enorm zugenommen und ein Umdenken notwendig gemacht“. Dieser Schritt sei ihm allerdings nicht leicht gefallen. Ralph Prinz sah sich durch Personalmangel zuletzt weitgehend auf sich allein gestellt. „In der Woche 80 Stunden arbeiten, das ist auf die Dauer wirklich zu viel“, sagt er. Geeignete Nachwuchskräfte in seinem Handwerksberuf auf dem Arbeitsmarkt oder einen Geschäftspartner aus der Branche zu finden, sei so schwer, dass es ihm nicht gelingen konnte. „Es fehlen unserem Handwerk gute Leute!“ 

Hoher Zeitaufwand

Obwohl Juwelier Wollnitza selbst Ausbildungsbetrieb ist, habe sich das Problem „leider nicht lösen lassen“. Wer mit dem Angebot im Internet konkurriert, müsse viel zusätzliche Zeit investieren. „Der Laden und das Angebot muss – anders als in früheren Jahren – ständig umgestaltet werden. Das hat mich mehr und mehr Aufwand gekostet“, berichtet Ralph Prinz. Auch solche negativen Umstände hätten dazu geführt, endlich „stopp“ zu sagen und sich neu zu fokussieren. 

Keine Schmuckreparaturen

„Ich will die Arbeitsstunden ganz meinen Stärken widmen“, betont der Uhrmachermeister. „Das ist ganz klar die Restaurierung und Reparatur antiker Uhren. Ich freue mich auf die täglichen Herausforderungen in meiner Werkstatt.“ Schmuckreparaturen nehme er allerdings nicht mehr an. Vorerst bleibt Ralph Prinz in der Hutergasse 1. Über eine neu installierte Klingelanlage ist er für die Kunden erreichbar. In den vergangenen Tagen lief der Ausverkauf „wegen Geschäftsaufgabe“, wie im Schaufenster zu lesen war. Es wird noch dauern, bis der frühere Familienbetrieb in der Hutergasse 1 komplett aufgelöst ist. Die Uhrmacherkunst, wie sie die Familie Prinz pflegt, ist übrigens in einem separaten Raum im Museum der Stadt Füssen hinter Vitrinen zu bewundern.

cf

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