30 Füssener Unternehmer sponsern Sozialpsychiatrischen Dienst ein Fahrzeug

SpDi Füssen wird mobil

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Zusammen enthüllen die Füssener Unternehmer, die das Fahrzeug für den Sozialpsychiatrischen Dienst gesponsert haben, das Auto.

Füssen – Mit ihren Schützlingen einen Ausflug auf den Auerberg unternehmen oder ihnen beim Haushalt helfen ohne dabei auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen zu müssen – das kann der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) Füssen ab jetzt tun.

Denn rund 30 Füssener Unternehmer haben dem SpDi einen Ford Connect mit acht Sitzen gesponsert, der am vergangenen Donnerstag eingeweiht wurde. „Durch ihr Engagement haben wir ab heute ein nagelneues Kfz. Dafür möchte ich mich bedanken“, erklärte Sergej Hollmann, Einrichtungsleiter des SpDi. 

Vor einem Jahr habe die Communitas Sozialmarketing GmbH angefragt, ob Interesse an so einem Fahrzeug bestünde. Dann wurden Sponsoren gesucht und das Fahrzeug gekauft. Für fünf Jahre steht das nun dem SpDi zur Verfügung, erklärte Manfred Walter, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Communitas Sozialmarketing. 

Eine wichtige Anschaffung für den SpDi. Denn in der Sozialpsychiatrie soll der Mensch nicht aus seinem Sozialraum mit all seinen Beziehungen rausgeholt werden, erklärte Dr. Ilona Luttmann, Fachvorstand bei der Diakonie Augsburg. 

Doch psychisch Erkrankte kämen oft mit ihrem Alltag nicht mehr klar. Sie könnten nicht mehr das Haus verlassen, allein eine Waschmaschine einschalten oder Kontakt zu geliebten Menschen halten. „Das Denken ist so verändert, dass man keinem Film mehr folgen kann“, erklärte Hollmann. Viele schämten sich dafür, trauen sich nicht in Vereinen nach Anschluss zu suchen, vereinsamen. Da seien vor allem Beschäftigungen in der Gruppe mit ebenfalls Betroffenen wichtig. Dort „sind alle krank, deshalb muss man sich nicht schämen“, erklärte Psychologin Monika Seitz. Dabei entstünden oft Freundschaften. Auch Ausflüge sorgten für positive Gefühle bei ihren Schützlingen. 

Doch mit dem ÖPNV sei man mitunter lang unterwegs, da sei das Auto eine enorme Erleichterung. 

"Schützende Hand" 

Zehn Menschen betreut der SpDi in Füssen durch Hausbesuche, 25 zwischen der Lechstadt und Marktoberdorf. So zum beispiel einen jungen Mann aus Schwangau, erklärte Heilerziehungspfleger Jürgen Lüning. Den besucht er fünf Mal pro Woche. Dann wird gemeinsam geputzt oder an die frische Luft gegangen. Denn obwohl der Mann einen Abiturschnitt von 1,0 hat und Rechtswissenschaften studiert hat, sei er durch seine Krankheit nicht in der Lage allein das Haus zu verlassen oder auch nur die Waschmaschine einzuschalten. 

„Bei ganz einfachen lebenspraktischen Sachen braucht er das Gefühl, dass eine schützende Hand da ist“, so Lüning. Dann funktioniere es auch. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) fand es „enorm wichtig“, dass diese Menschen weiterhin in ihrer eigenen Wohnungen leben können. „Ein großer Schritt“ den Einzelnen in eine Gruppe hineinzuholen, habe der SpDi nun mit dem neuen Fahrzeug gemacht. 

Er dankte den Sponsoren, dass sie einen Teil ihres Gewinns in das Fahrzeug investiert haben. Diese Solidarität sei in einer „von Egoismen geprägten Gesellschaft nicht mehr so oft vorhanden“, meinte Iacob.

Katharina Knoll

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