Feuerwehr erstellt Bedarfsplan

Zu lange unterwegs

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Sollte es auf Schloss Neuschwanstein brennen, hat die Schwangauer Feuerwehr Probleme, die vorgeschriebenen Rettungsfristen einzuhalten.

Schwangau – Schwarz auf Weiß hat die Schwangauer Feuerwehr jetzt, was sie an Ausrüstung für den Brandschutz und den Einsatzfall brauchen.

Im Gemeinderat stellte die Verwaltung in der vergangenen Woche den Bedarfsplan für die nächsten Jahre vor. Eine eigene Drehleiter ist darin jedoch nicht vorgesehen.

„Es war eine ziemliche Arbeit“, fasste Bürgermeister Stefan Rinke das Engagement der Feuewehrmänner, vor allem des zweiten Kommandanten Martin Schweiger, zusammen. „Ich hoffe, dass wir den Lohn dafür in den nächsten Jahren erhalten“. 

Zusammen mit einem Ingenieurbüro aus Heilsbronn und eines Kaufbeurer Planungsbüros wurde der Bedarf bis 2021 ermittelt. Etwa die Zielausrüstung im Fahrzeugpark der Wehr. Ziel sei es, im Laufe der kommenden Jahre ein Mehrzweckfahrzeug zu beschaffen bzw. darüber zu verfügen, ein Löschgruppenfahrzeug LF 10, ein Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20, ein Mehrzweckboot sowie ein Gerätewagen Logistik GW-L1. 

Der Fahrzeugpark soll konsequent umgebaut werden, so Bürgermeister Rinke. Noch in diesem Jahr soll demnach mit der Beschaffung des Logistikfahrzeuges begonnen werden, mit dessen Hilfe beispielsweise Rollcontainer mit Material für verschiedene Gefahrenlagen, Verkehrsunfälle, Hochwasser, Einsätze mit chemischen Gefahrstoffen und vergleichbares zum Einsatz gebracht werden können.

Für diese Rollcontainer, die eine fest verlastete Ausrüstung in den ehemaligen Gerätewagen GW3 ersetzen, sind für heuer 50.000 Euro im Haushalt eingestellt. Es bleibe aber ein Prozess, betonte Rinke, den die Kommune über die kommende Jahre weiter fortschreiben werde und die Pläne spätstens 2020/21 erneut überprüfen werde. 

Keine Drehleiter

Teil der Bedarfsplanung war auch zu überprüfen, ob es für die höheren zwei oder dreistöckigen Gebäude in Schwangau einen zweiten Rettungs- und Fluchtweg brauche und ob dafür eine eigene Drehleiter gebraucht werde. 

Derzeit verfügen die Feuerwehr Füssen sowie die Betriebsfeuerwehr Deckel-Maho in Pfronten über Drehleiterfahrzeuge, mit deren Hilfe Menschen aus den Obergeschossen von Häusern gerettet werden können. Die Beschaffung eines solchen Fahrzeugs, so das Kaufbeurer Planungsbüro, sei für Schwangau nicht nötig, erläuterte Rinke.

Man denke zwar unwillkürlich an die Brandkatastrophe in Schneizelreuth, wo in einer Herberge sechs Menschen starben, fügte Rinke seinen Überlegungen hinzu. In Schwangau aber gebe es kein Gebäude, wo dieser zweite Rettungsweg zwingend nötig wäre. 

Knappe Fristen

Probleme gibt es nach den Untersuchungen lediglich bei den Rettungsfristen, jenem Zeitraum also zwischen dem Alarm, dem Ausrücken der Feuerwehr und ihrem Eintreffen vor Ort. Dafür sind zehn Minuten veranschlagt, was gerade auch in Städten oder im Dorfgebiet möglich ist. Auf dem Land, das hätten Gutachten im Innenministerium ergeben, sei dies allerdings nicht unbedingt möglich. So könnten auch die Schwangauer Brandbekämpfer sowohl vom derzeitigen als auch vom geplanten Spritzenhaus die Hilfsfrist einhalten. 

Das gelte jedoch nicht für Schloss Neuschwanstein und das Sternehotel „Alpenrose“. Hier könne die ersten Hilfskräfte wegen der Anfahrtswege und der Distanz erst kurz nach der vorgeschrieben Hilfsfrist eintreffen. Martin Schweiger merkte dazu an, dass man auch durch die Wahl eines anderen Standortes für das Gerätehaus dieses Problem nicht lösen könne. Schließlich müssten die Feuerwehrmänner die B17 dann in Zivil überqueren, um zu den Einsatzfahrzeugen zu gelangen. 

Derzeit können sie das mit Sonderrechten wie Blaulicht und Martin-Horn, fahren dafür aber ein paar Minuten länger. Der vorgeschlagene Standort sei der Beste, so der Tenor. Von Seiten der Gemeinderäte gab es Lob für den Bedarfsplan. Das sei der richtige Weg, so Christoph Helmer. „Jetzt weiß man, wie es ausschaut“, sagte er. Vor allem aber habe die Feuerwehr Planungssicherheit.

Oliver Sommer

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