Das Museum der Stadt Füssen eröffnet die Ausstellung "Zusammen leben! Die Regeln des heiligen Benedikt"

Füssen: Zeitlose Regeln aus dem 9. Jahrhundert

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Abt Theodor Hausmann (links) im Gespräch mit Füssens Bürgermeister Paul Iacob, der darauf hinweist, dass ein großer Teil der Kunstgeschichte der Stadt vom Kloster St. Mang ausging.

Füssen – Eine eindrucksvolle Ausstellung hat jetzt im Museum der Stadt Füssen ihre Pforten geöffnet: „Zusammen leben! Die Regeln des heiligen Benedikt“ aus dem neunten Jahrhundert. 

Sie zählen zu den ältesten überlieferten Handschriften, die das Zusammenleben christlicher Mönche regeln. Ein großer Teil der 73 Kapitel macht detaillierte Vorgaben für das Leben grundverschiedener Menschen in einer vorindustriellen, religiösen Gemeinschaft. Die musikalische Umrahmung übernahm eine gregorianische Schola unter Leitung von Petra Jaumann-Bader und Michael Plitzner.

Inwieweit eine klösterliche Richtschnur heute noch anwendbar ist und ein friedliches, tolerantes Zusammenleben aller Mitglieder in einer Gesellschaft ermöglicht, die immer mehr Emotionalität vermissen lässt, versuchte Gastredner Abt Theodor Hausmann aus der Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg aus seiner Sicht zu erklären. 

Die erste Seite der Füssener Benediktsregel.

Nach seinen Worten soll die Benediktsregel die Menschen dazu befähigen, eine Haltung für die heutige Gesellschaft einzunehmen, die zum Überleben notwendig ist. Sie weist letztlich auf Jesus Christus zurück, dem Mönche und Nonnen folgen wollen. „Er ist wichtiger als alle Klöster, ja selbst die Kirche als Institution. Wesentlich – und ich meine auch für unsere sich säkular verstehende Gesellschaft ist diese Haltung nüchterner Hoffnung und gelassener Entschiedenheit, die Menschen erst zum Leben und zum Zusammenleben befähigt“, so Hausmann. 

Mut zeigen

Er zitierte aus dem Markusevangelium, in dem die „Gründungserzählung“ des Mönchtums steht: Ein Mann kommt zu Jesus. Er bekundet ihm, genau nach den Vorschriften zu leben. Und Jesus sagt ihm: „Eins fehlt dir noch. Trau dich, über dich hinauszuwachsen!“ „Wohin kämen wir, wenn wir gingen, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“ 

Solchen Mut beweisen die Organisatoren dieser Ausstellung, da sie das Kloster St. Mang als Erinnerungsort an die Benediktsregel und die Benediktiner belebt. „Ich gratuliere zu diesem Mut und freue mich mit Ihnen und hoffe, dass er hier in Füssen beflügelt und weit darüber hinaus“. „Was wir heute noch mit Benediktsregel anfangen können, mag jeder beim Lesen der Originalzitate in der Ausstellung für sich selbst entscheiden“, sagte Museumsleiter Dr. Anton Englert. 

Sein Dank galt dem Bistum Augsburg, das die im dortigen Archiv aufbewahrte Klosterregel von St. Mang für sechs Wochen wieder nach Füssen zurückkehren ließ. Er erinnerte daran, dass die „milden Aussagen“ der Regel wie „die Älteren ehren, die Jüngeren lieben“ noch heute erstrebenswert seien. Ebenfalls zeitlos gültig seien einige Grundsätze guter Menschenführung, die die Regel seit spätantiker Zeit mit sich trägt – mit dem Grundsatz „Wer es auf sich nimmt, Menschen zu führen, muss sich bereithalten, Rechenschaft abzulegen“. 

Die Ausstellung „Zusammen leben! Die Regeln des heiligen Benedikt“ im Museum der Stadt Füssen dauert bis Sonntag, 22. Juli, und wird von einem abwechslungsreichen Programm begleitet. Weitere Infos finden Interessierte im Internet unter www.museum.fuessen.de.

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