„Hier empfinde ich es als dreist“

Historisches Gebäude: Stadtrat Böhm moniert Haltung der Denkmalpflege zu Sanierungsplänen

Franziskanergasse 7 Füssen
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Das historische Gebäude in der Franziskanergasse 7 soll saniert werden. Die Beurteilung der Sanierungspläne durch das Landesamt für Denkmalpflege kritisiert jetzt allerdings Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU).
  • vonKatharina Knoll
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Füssen – Mittelalterliche Gassen, alte Stadtmauern, viele Barockkirchen und eine mehr als siebenhundertjährige Stadtgeschichte: Füssen ist die romantische Seele Bayerns. So wirbt zumindest Füssen Tourismus auf seiner Homepage für die Lechstadt. Damit das auch so bleibt, setzen sich insbesondere die Stadträte Dr. Christoph Böhm (CSU) und Magnus Peresson (UBL) seit Jahren für den Erhalt der historischen Bausubstanz ein. Zu welchem Schluss nun das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) bei der Sanierung eines 700 Jahre alten Gebäudes in der Franziskanergasse gekommen ist, passte Böhm jedoch gar nicht.

Das Haus in der Franziskanergasse 7 blickt auf eine lange Geschichte zurück. Einst lebten hier Färber, Buchdrucker, Lautenmacher, Floßer, Kalkbrenner und Bedienstete des Klosters St. Mang. Nun soll es zu neuem Leben erweckt werden. Der Eigentümer möchte das Gebäude sanieren. Neue Wohnungen und Gewerbeflächen sollen hier entstehen. Ein Projekt, das auf viel Lob bei den Füssener Stadträten stieß. Allerdings kam auch Kritik wegen der Gestaltung auf. Insbesondere durchgängige Gauben und zwei große Fenster, die der Bauherr plant, monierten die Räte in der Vergangenheit. Zudem hielten sie es für schöner, wenn die zwei großen Fenster Sprossen bekommen würden. Ein Anliegen, das vor allem Stadtrat Böhm am Herzen liegt. Deshalb stieß die Einschätzung des LfD, das die Füssener Stadtverwaltung kürzlich im Bauausschuss bekannt gab, bei ihm auf Unverständnis.

Ein Sonderfall in der Altstadt

Mit Blick auf das Nutzungskonzept, das den dauerhaften Erhalt des Gebäudes sicherstellen soll, gab die Behörde trotz fachlicher Bedenken ihr Okay für die großen Fenster, zumal diese im Laufe der Planungen erheblich reduziert und besser positioniert worden seien. „Abweichend von den Vorgaben der Gestaltungssatzung sollten diese neuen Fenster mit ihren modernen Proportionen aus denkmalfachlicher Sicht nicht mit Sprossen versehen werden“, heißt es in der Stellungnahme. Das Lagergebäude stelle in der Füssener Altstadt nämlich einen Sonderfall dar, da es sich um ein Wirtschaftsgebäude mit eigener Straßenfront handelt. Die Gestaltungssatzung der Stadt Füssen beziehe sich mit ihrer Vorgabe für Sprossenfenster dagegen auf die Erscheinung von Wohngebäuden.

Das LfD sollte der Stadt nicht vorschreiben, wie sie mit ihrer eigenen Satzung umzugehen hat, monierte Böhm. „Hier empfinde ich das als dreist.“ Ihm komme es so vor, als gebärde sich die Behörde in manchen Fällen als „Landesamt für Denkmalzerstörung.“

Bedenken wegen der großen Fenster hatte dagegen Stadtrat Peresson. Wie bereits in der Septembersitzung warnte er davor, dass beim Ausheben der Fenster das historische Mauerwerk herausbrechen könnte. „Das wird eine Katastrophe fürs Haus. Es wird dann kein Denkmal mehr sein“, meinte er.

Bei der Empfehlung des LfD, die Gestaltungssatzung zu ignorieren, gehe es nur um die zwei Fenster bei diesem Projekt, erwiderte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) auf Böhms Einwand. Grundsätzlich sollte die „Satzung über die Zulässigkeit und die Gestaltung von baulichen Anlagen“, wie die Baugestaltungssatzung eigentlich heißt, aber überarbeitet werden. Schließlich stammt sie in ihren Grundzügen aus dem Jahr 1984. „Insgesamt ist sie überholt, sie sollte aktualisiert werden“, so der Rathauschef.

Strengere Vorgaben

Stellt sich die Frage, ob sie dann aufgeweicht wird. Doch das bezweifeln sowohl Bauamtsleiter Armin Angeringer als auch Stadtrat und Architekt Magnus Peresson. Die Vorschriften seien im Laufe der Jahre strenger und damit für die Denkmäler besser geworden, meinte Peresson.

Die Stadt verspricht sich von der Überarbeitung, dass der Geltungsbereich überprüft wird und schwammige Bestimmungen präziser formuliert werden, informierte Angeringer. Außerdem soll geprüft werden, ob bzw. inwieweit die Satzung den technischen und baulichen Fortschritt seit 1984, wie beispielsweise Gebäudedämmung und Photovoltaikanlagen, berücksichtigen soll.

Das will die Stadt noch in diesem Jahr angehen. Weil sie dabei aber unter anderem Fachbehörden beteiligen muss, wird das Verfahren wohl erst 2022 abgeschlossen werden, so der Bauamtsleiter.

Katharina Knoll

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