Betriebswirtschaftlicher Kollaps

Forggenseeschifffahrt muss bis August einen Verlust von über einer halben Million Euro verkraften

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Wie die MS „Allgäu“ verbrachte auch die MS „Füssen“ den Sommer im Trockendock statt auf dem See. Der daraus resultierende finanzielle Verlust ist gewaltig.

Füssen – Dass dieses Jahr wirtschaftlich schwierig für die Forggenseeschifffahrt werden würde, stand seit dem Frühjahr fest. Seit Dienstagabend aber liegen nun erstmals konkrete Zahlen auf dem Tisch.

Demnach muss der städtische Eigenbetrieb allein für den Zeitraum Januar bis August ein Minus von über einer halben Million Euro verbuchen. Das gab Helmut Schauer, Chef der Stadtwerke, im Werkausschuss des Stadtrates bekannt. Fest steht mittlerweile definitiv auch: Heuer wird keines der beiden Schiffe mehr auslaufen. 

Als die Betreiberfirma Uniper im März mitteilte, den Staudamm bei Roßhaupten sanieren zu müssen, war Helmut Schauer noch einigermaßen guter Dinge. Er sei zuversichtlich, sagte er damals gegenüber dem Kreisbote, dass der Forggensee trotz der Bauarbeiten noch pünktlich zur Sommersaison aufgestaut werden könne. Müssten die beiden Schiffe MS Allgäu und MS Füssen den ganzen Sommer über im Dock liegen, hätte das womöglich „dramatische Auswirkungen“, so Schauer weiter. 

Ein gutes halbes Jahr später ist der See zwar fast wieder vollständig aufgestaut. Gleichwohl ist aber auch klar, dass die Schiffe heuer keine Passagiere mehr über den See fahren werden. „Der Schifffahrtsbetrieb konnte in der Saison 2018 trotz positiver Staudammsanierungsmeldung vom 2. Juli wegen mangelnder Niederschläge nicht aufgenommen werden, da das erforderliche Stauziel von 780,2 mNN bis jetzt nicht erreicht werden konnte“, erläuterte Schauer am Dienstagabend den Stadträten im Ausschuss. Und angesichts eines aufgrund fehlenden Regens aktuellen Pegelstandes von 777,53 mNN werde es auch im November keine Fahrt mehr geben. „Das wird nichts mehr!“, sagte er. „Eine einmalige Situation.“

Die Folgen: Bei einem Umsatz von insgesamt 953,57 Euro durch Gutscheinverkäufe und eine Erstattung der Stromsteuer hat der städtische Eigenbetrieb allein bis August einen Verlust von rund 551.000 Euro zu verzeichnen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres verbuchte das Unternehmen übrigens einen Gewinn in Höhe von rund 90.500 Euro. 

Einnahmen fehlen

Neben den den regulären Rundfahrt-Einnahmen fehlen der Schifffahrt in diesem Jahr vor allem auch die Gelder aus dem abgesagten Musical „Schwanenprinz“, anderer Sonderfahrten und der ausgebliebenen Königscard-Besucher, erläuterte Werkleiter Schauer.

Obwohl nicht im Einsatz, mussten die beiden Schiffe gleichwohl instand gehalten, also Geld investiert werden. Außerdem seien die beiden Salons der MS Füssen saniert worden („Die sieht jetzt ganz anders aus!“) und andere Arbeiten vorgezogen worden. So sanken die Kosten für Material und Fremdleistungen zwar um etwa 47.000 Euro. Unterm Strich mussten aber dennoch 83.000 Euro aufgebracht werden, berichtete Schauer den Stadträten im Ausschuss. 

Hoffen auf 2019

Dazu komme, dass die Personalkosten bislang nur anteilmäßig pauschal bis einschließlich August gebucht worden seien. „Die endgültige Abrechnung erfolgt am Jahresende mit Abschluss des Wirtschaftsjahres“, sagte der Leiter der Füssener Stadtwerke. Alles in allem, so Schauer abschließend, müsse von „einem hohen Saisonverlust“ für die Schifffahrt ausgegangen werden. „Betriebswirtschaftlich war das der Kollaps.“ Das vergangene Jahr hatte der städtische Eigenbetrieb übrigens noch mit einem Gewinn in Höhe von rund 43.600 Euro abgeschlossen (ein ausführlicher Bericht dazu folgt). 

Nun hofft Schauer und mit ihm die Ratsmitglieder im Werkausschuss auf eine Trendwende im kommenden Jahr. Uniper habe ihm zugesichert, dass der Forggensee im kommenden Sommer definitiv voll aufgestaut werde, berichtete er am dienstagabend. Daher liefen die Planungen der neuen Saison bei der Forggenseeschifffahrt bereits auf Hochtouren. „Nachdem die Gäste heuer nicht fahren konnten, drängen die Leute jetzt drauf“,sagte Schauer. 15 Musical-Fahrten seien ebenfalls bereits geplant. Daher geht Schauer im Wirtschaftsplan 2019 von Erträgen und Aufwendungen in Höhe von jeweils rund 1,17 Millionen Euro aus. „Ich bin da recht zuversichtlich“, betonte er. Denn auch 2019 müsse in die Schiffe investiert werden. So soll nach der MS Füssen jetzt auch die MS Allgäu einen neuen Fahrgastraum und die MS Füssen ein großes Sonnensegel bekommen. Darüber hinaus sei der Bau eines Hochwasserliegeplatzes im Füssener Bootshafgen geplant. „Das kostet ein bisschen was“, so der Werkleiter. 

CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp warnte vor allzu großem Pessimissmus und verwies auf das gute wirtschaftliche Ergebnis dses vergangenen Jahres. „Wir sind doch vorher glaänzend dargestanden“, meinte er. „Deswegen werden wir das eine Jahr verkraften“, gab er sich zuversichtlich. Ähnlich bewerteten offenbar auch seine Kollegen die Situation: Weder zum Zwischenbericht für dieses Jahr noch zum Wirtschaftsplan 2019 äußerten sie Widerspruch

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